Wasserstoffzug auf der Heidekrautbahn

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Eine klare Verkehrsstruktur mit viel Übersicht und Platz für alle Verkehrsteilnehmer sowie ein attraktives Straßenbild – all dies sollte im Optimalfall zusammenkommen, damit Verkehr sicher und nachhaltig funktionieren kann. (Foto: Bernd Sterzl,www.pixelio.de)

Was nach Zukunftsmusik klingt, ist im Februar 2019 in greifbare Nähe gerückt. Die Niederbarnimer Eisenbahn und der Zughersteller Alstom haben den weltweit ersten Wasserstoff-Personenzug „Coradia iLint“ bei einer Sonderfahrt im brandenburgischen Basdorf bei Berlin vorgestellt. Der wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen-Zug „Coradia iLint“ fuhr mit Vertreter/-innen aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Verkehrsunternehmen auf einem Teilstück der Heidekrautbahn (Regionalbahn 27) nach Berlin-Gesundbrunnen. Die Präsentation war die letzte Etappe einer deutschlandweiten Roadshow, mit der Alstom den Wasserstoff-Zug in sechs Bundesländern vorgestellt hat. Der Zug wird mit einer Brennstoffzelle betrieben, die elektrische Energie für den Antrieb aus komprimiertem Wasserstoff erzeugt. Zudem wird Bremsenergie zurückgewonnen und in zusätzlichen Batterieeinheiten zwischengespeichert. Der komplett emissionsfreie Zug ist geräuscharm und gibt lediglich Wasserdampf und Kondenswasser ab. Die Niederbarnimer Eisenbahn will Fahrzeuge dieses Typs ab 2022 auf der RB27 einsetzen. Derzeit laufen die Abstimmungen mit dem Bund, den Ländern und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB).

Brennstoffzellen-Züge können eine interessante Alternative auf bisher nicht elektrifizierten Strecken wie der Heidekrautbahn sein. Es stellt sich die Frage, ob die Wasserstoff-/ Brennstoffzellen-Antriebstechnologie auf der „Heidekrautbahn“ die wirtschaftlichere Lösung ist. Die Alternative wäre die volle Elektrifizierung der ca. 60 km langen Strecke. Um den Nutzen für den Klimaschutz voll auszuschöpfen, planen der Landkreis Barnim und die NEB, die Züge mit direkt vor Ort erzeugtem grünem Wasserstoff zu betreiben: mit Windkraft aus der Region. Koordiniert wird dieses Pilotprojekt Barnim von der Barnimer Energiegesellschaft mbH (BEG). Dabei soll eine regionale Wasserstoffinfrastruktur errichtet werden, die auf der Basis für den Betrieb der Züge gewonnen und beim Fahren entsteht als Abfallprodukt nur Wasser – sind viele neue Fragen erwachsen. Einige davon wird die Praxis beantworten. Unser Ziel ist es, dass der Wasserstoffzug auf dem Weg in die Schorfheide ab 2022 freie Fahrt hat. von regenerativ erzeugtem Wasserstoff für Brennstoffzellenantriebe im regulären Betrieb in mehreren Verkehrsbereichen zum Einsatz kommt.

Die Erfahrungen aus der „grünen“ Wasserstoffproduktion und -speicherung, dem Aufbau, Betrieb einer Wasserstoff-Tankinfrastruktur und dem Einsatz der Brennstoffzellenantriebe könnten sowohl in der Region als auch überregional wichtige Vorleistungen für Folgeprojekte liefern. Mit dem Projekt wird ein Beitrag zu Umsetzung der Ziele des Klimaschutzplans 2050 der Bundesregierung geleistet.

Bereits im Jahr 2008 hat der Landkreis Barnim seine Null-Emissions-Strategie verabschiedet. Wesentliche Elemente sind u. a. der Einsatz Erneuerbarer Energien und CO2-freie Mobilität auf kommunaler und regionaler Ebene. Aufgrund des Windkraftangebots in der Region hat die Wasserstoff-/ Brennstoffzellentechnologie dabei eine Schlüsselrolle.

Die brandenburgische Landesregierung hat den Ausbau der Erneuerbaren Energien früh vorangetrieben. So wurden bereits ab 1990 beim Wirtschaftsministerium alle Arten der regenerativen Energieerzeugung gefördert. Im Ergebnis wurde das Land Brandenburg mehrfach mit dem Leitstern für Erneuerbare Energien ausgezeichnet. Das Land zielt auf eine hohe Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit der Betriebsauslegung. Der produzierte Wasserstoff soll zu einem Preis angeboten werden, der bereits heute mit Dieselkraftstoff als alternativem Energieträger im Personennah- und Wirtschaftsverkehr konkurrieren kann. Allerdings gibt es heute noch Mehrkosten gegenüber dem konventionellen Betrieb, auch bei der Beschaffung von Brennstoffzellenfahrzeugen. Um diese große finanzielle Herausforderung für die Fahrzeugflottenbetreiber zu stemmen, werden Förderinstrumente des Bundes eingeworben.

Es ist beabsichtigt, das Vorhaben wissenschaftlich vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), dem Institut für Fahrzeugkonzepte sowie von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) begleiten zu lassen.

Aus den drei Projektbestandteilen – Strom wird aus lokaler Windkraft gewonnen und in Form von Wasserstoff gespeichert, aus dem Wasserstoff wird direkt in den Zügen Strom für den Betrieb der Züge gewonnen und beim Fahren entsteht als Abfallprodukt nur Wasser – sind viele neue Fragen erwachsen. Einige davon wird die Praxis beantworten. Unser Ziel ist es, dass der Weg in die Schorfheide ab 2022 freie Fahrt hat.

Autorin des Gastbeitrags ist Kathrin Schneider, MdL, Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung Brandenburg.

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