Bis 2030 soll Berlins ÖPNV emissionsfrei sein

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In Berlin sollen bis 2030 alle Omnibusse, wie dieser der Linie 300, elektrisch fahren. (Foto: BVG/Jing Hui Denny Chen)

Im Zuge der Unternehmensstrategie #BerlinSteigtUm verabschiedet sich die BVG von konventionellen Antrieben im Omnibusverkehr und trägt so zu lokalen Luftreinhalte- und globalen Klimaschutzzielen bei. Bereits seit 2015 sammeln die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in Forschungsprojekten (E-Bus Berlin und mobility2grid) erste Erfahrungen mit dem Betrieb von verschiedenen Elektrobus-Technologien. Diese Aktivitäten baut die BVG derzeit kräftig aus, denn das Berliner Mobilitätsgesetz sieht vor, dass bis 2030 der gesamte ÖPNV in Berlin mit alternativen Antrieben erfolgen soll. Mit der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz besteht Konsens, dass die Elektrifizierung der Omnibusflotte nach aktuellem Stand die beste Lösung zur Erreichung der Ziele darstellt.

Die Elektrifizierung erfolgt in einem anspruchsvollen Omnibusnetz mit sehr unterschiedlichen Linienprofilen: Diese reichen von Kiezbuslinien mit Solobussen bis zu stadtquerenden Linien (sogenannten Langläufern) mit hohem Fahrgastaufkommen, die mit Doppeldeckern betrieben werden.

Diese Betriebsheterogenität steht in einem Spannungsfeld verschiedener Herausforderungen, zum Beispiel:

  • der Verfügbarkeit von Fahrzeugen auf dem Markt,
  • des Fehlens von etablierten Standards, insbesondere bei Schnell-Ladesystemen und Software-Backend,
  • der Reichweitenbegrenzung von Depotladern und der daraus folgende Fahrzeugmehrbedarf,
  • des bisherigen Fehlens einer elektrischen Variante des Berliner Doppeldeckers, der im Vergleich zum Londoner Doppeldecker eine wesentlich höhere Fahrgastkapazität hat,
  • des Umbaus von existierenden und Baus von neuen Betriebshöfen,
  • der Einführung umfangreicher Software- Systeme zum Management von Disposition, Ladevorgängen und Wartung,
  • der Etablierung neuer Betriebsstrategien, um unter veränderten Rahmenbedingungen einen möglichst wirtschaftlichen Busverkehr abzubilden.

Vor dem Hintergrund dieser Bedingungen und einer steigenden Nachfrage im Berliner ÖPNV sammelt die BVG im Rahmen der Hochlaufphase Elektromobilität 2018 – 2021 weitere Erfahrungen mit dem Betrieb von verschiedenen Elektrobus-Technologievarianten.

So plant die BVG die Beschaffung von bis zu 210 Elektro-Eindeckomnibussen mit Depotladung bis 2021. Das Umlaufkonzept für diese Busse sieht eine Maximierung des täglichen Einsatzes ggf. mit Zwischenladung vor.

Parallel dazu ist die Implementierung von 17 Elektro-Gelenkomnibussen mit Gelegenheitsladung an den Endhaltestellen im Rahmen des Forschungsprojektes E-MetroBus vorgesehen. Dieses Projekt erprobt den Einsatz von Elektrobussen auf hochfrequentierten Linien mit einem hohen Fahrgastaufkommen in Berlin, insbesondere auf der bekannten Linie 200.

Zudem wird in einer Machbarkeitsstudie der Einsatz von Batterieoberleitungsbussen bzw. Streckenladern am Beispiel des Teilnetzes Berlin-Spandau untersucht. Dieses Netz ist von Achsen mit mehreren Linien, hohen Takten und einem hohen Fahrgastaufkommen geprägt. Die Studie untersucht deshalb auch die Machbarkeit eines Betriebs von Doppelgelenkomnibussen mit Streckenladung.

Die Erfahrungen aus der Hochlaufphase und die Beobachtung der weiteren technischen Entwicklung liefern wertvolle Erkenntnisse für die Fortschreibung bzw. Anpassung der Elektrobusstrategie. Bis 2030 soll das Ziel eines lokal emissionsfreien ÖPNV und somit die Umstellung der gesamten Busflotte erreicht werden.

Autor des Gastbeitrags ist Dr. Daniel Hesse (Leiter Vorstandsstab Infrastruktur alternative Antriebe Berliner Verkehrsbetriebe, BVG).

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