Thüringer Finanzämter sehen sich von Online-Portal verunglimpft

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Die thüringische Finanzministerin Heike Taubert sieht die Arbeit ihrer Mitarbeiter durch die Online-Umfrage falsch dargestellt. (Foto: BS/Finanzministerium Thüringen/Delf Zeh)

Das thüringische Finanzministerium wehrt sich gegen eine Umfrage und sich dieser anschließende Berichte, laut denen die Finanzämter des Landes bei der Bearbeitung von Steuerbescheiden deutschlandweit am längsten brauchen würden. Die Kritik bezieht sich auf eine Meldung des Portals „Lohnsteuer-kompakt.de”. Das kommerziell betriebene Portal für Online-Steuererklärungen ermittelte die Bearbeitungszeit der Finanzämter anonym anhand von ca. 400.000 über das Portal erstellten Steuererklärungen.

Diese Zahl sei allerdings gegenüber den insgesamt rund 40 Millionen Steuerpflichtigen in Deutschland nur ein Bruchteil der bundesweit zu veranlagenden Arbeitnehmerfälle, die das Ergebnis massiv verfälsche, so Finanzministerin Heike Taubert: „Diese Schlussfolgerung von Lohnsteuer-kompakt ist schlichtweg falsch. Die Auswertung ist nicht repräsentativ und damit auch nicht aussagekräftig“.

Zusätzlich kritisiert die Finanzverwaltung, dass aus der Umfrage nicht hervorgehe, ob tatsächlich nur Arbeitnehmerfälle berücksichtigt wurden oder ob Fälle aus dem Bereich der allgemeinen Veranlagung ebenfalls ausgewertet wurden. Nach eigenen Berechnungen des Hauses betrage die durchschnittliche Bearbeitungsdauer von Einkommensteuererklärungen für den das Jahr 2018 im Bereich der Arbeitnehmerveranlagungen in Thüringen 57,1 Tage und damit nicht, wie in der Umfrage des Online-Portals behauptet 61,5 Tage. Damit seien die Finanzämter im Freistaat durchschnittlich 4,4 Tage schneller als berichtet. Auch für den Bereich der allgemeinen Veranlagung haben die Thüringer nachgerechnet. In diesem Bereich benötige man durchschnittlich mit 61,1 Tagen etwas länger. Zähle man allerdings beide Arbeitsbereiche zusammen, ergebe sich eine durchschnittliche Gesamtbearbeitungszeit von 58,2 Tagen für die für den Zeitraum 2018 insgesamt bearbeiteten 511.255 Einkommensteuerveranlagungen in den Arbeitsbereichen Arbeitnehmerveranlagung und allgemeine Veranlagung.

Abhängig sei die Bearbeitungszeit der Steuererklärungen dabei hauptsächlich von zwei Faktoren: Zum einen sei dies der Erklärungseingang und zum anderen die Erledigungsquote. So könne beispielsweise ein sehr hoher Erklärungseingang ein Grund für eine hohe Bearbeitungsdauer sein. In der Folge führe dies zu mehr Arbeitsvorrat, der nur sukzessive abgearbeitet werden könne. Grundsätzlich seien die Thüringer Finanzämter dazu verpflichtet, Steuererklärungen in der Reihenfolge ihres Eingangs zu bearbeiten.

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