Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch

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Die Zahlen von Missbrauchsfällen von Kindern sind 2018 im Vergleich zum Vorjahr angestiegen; Mädchen machen etwa zwei Drittel der Opfer aus. (Foto: Counselling, pixabay.com)

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) verzeichnet für das Jahr 2018 in Deutschland über 12.000 der Polizei bekannt gewordenen Straftaten des sexuellen Kindesmissbrauchs. Die Anzeigen beziehen sich zu etwa 75 Prozent auf betroffene Mädchen und zu 25 Prozent auf betroffene Jungen. Hinzu kommen Anzeigen von sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen und Jugendlichen sowie über 9.000 Fälle sogenannter Kinder- und Jugendpornografie. Hierbei handelt es sich nur um das Hellfeld.

Vor zehn Jahren wurde der “Missbrauchsskandal” am katholischen Berliner Canisius-Kolleg aufgedeckt. Aus diesem Anlass zog der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, eine kritische Bilanz der bisherigen Anstrengungen gegen Missbrauch in Deutschland. Sein Fazit: “Es ist leider keine positive Bilanz. Die Gesellschaft muss erkennen, dass es sich um ein Megathema handelt, das alle angeht. Ich bin immer wieder erschrocken darüber, mit welcher Gelassenheit sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche von Teilen der Gesellschaft hingenommen wird. Tausende Kinder werden jährlich Opfer von sexuellem Missbrauch, sexuellem Mobbing, Cybergrooming oder Kinderpornografie. Missbrauchsabbildungen durchfluten mittlerweile in Terrabyte-Dimensionen das Netz. Wir brauchen klare Ziele, verbindliche Maßnahmen und ausreichend Geld, um Missbrauch aufzudecken und Kinder endlich besser zu schützen.”

Das zentrale Ziel sei die maximale Reduzierung der Fallzahlen. Hierfür müsste die Missbrauchsbekämpfung endlich als nationale Aufgabe verstanden werden – von Gesellschaft und Politik gleichermaßen. Für ein Gelingen dieser fordert Rörig wiederholt die Vorratsdatenspeicherung, auf deren Einsatz er mit der geplanten Reform des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes hofft. “Datenschutz darf nicht vor Kinderschutz stehen”, argumentiert der Missbrauchsbeauftragte. Zudem müssten alle zuständigen Behörden und Institutionen viel enger und ressortübergreifend zusammenarbeiten. Aufgabe der Länder und Kommunen sei es außerdem, diese personell besser aufzustellen. Jedes Land solle, so Rörig, einen “durchsetzungsstarken” Landesmissbrauchsbeauftragten einsetzen. Jede Schule brauche ein verpflichtendes Schutzkonzept. Darüber hinaus fordert Rörig eine Aufklärungskampagne in derselben Dimension wie der Anti-Aids-Kampagne. “Hierfür benötigen wir circa fünf Millionen Euro pro Jahr”, so der Beauftragte. Finanzmittel, die bis heute nicht im Bundeshaushalt eingestellt wurden. Die Bekämpfung des sexuellen Kindesmissbrauchs müsse zum “Megathema” gemacht werden.

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