Bayern prämiert smarte Ideen seiner Kommunen

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Judith Gerlach, Bayerns erste Staatsministerin für Digitales und Schirmherrin des Zukunftskongress Bayern am 13. Februar in München, wird die Veranstaltung erneut am Vormittag mit einer Keynote eröffnen. (Foto: Bayerisches Digitalministerium/Jörg Koch)

Die Mülltonne wird erst dann geleert, wenn sie voll ist? Das ist eins von vielen Beispielen, wie die Digitalisierung das Leben in den Kommunen leichter und den Service besser machen kann. Das bayerische Digitalministerium startet deshalb einen Ideenwettbewerb, bei dem für die Förderung der besten digitalen Lösungen von smarten Kommunen fünf Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Den Ideenwettbewerb “Kommunal? Digital!” startet das Digitalministerium offiziell im Frühjahr. Dann sind alle bayerischen Kommunen aufgerufen, am Wettbewerb teilzunehmen. Ziel ist es laut der bayrischen Digitalministerin Judith Gerlach, die Top Ten der digitalen Lösungen mit Modellcharakter als Best-Practice-Beispiele zu identifizieren, die von anderen Kommunen übernommen werden können.

Drei Dimensionen: Ökologie, Ökonomie und Soziales

Die Vorschläge sollen eine nachhaltige Entwicklung der Kommunen ermöglichen unter Berücksichtigung der drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Gerlach: “Meine Vision ist eine smarte Welt, in der alle vom technologischen Fortschritt profitieren und die Schöpfung bewahrt wird. Unser Wettbewerb soll Anstoß für alle Kommunen sein, vor allem für die, die die Digitalisierung noch stärker zum Wohle der Menschen nutzen wollen. Bürgerinnen und Bürger sowie andere wichtige Akteure sollten in die Bewerbung vor Ort mit eingebunden werden. Die zehn besten Projekte werden dann jeweils mit bis zu 500.000 Euro prämiert.”

Zweistufiger Bewerbungsprozess

Der Bewerbungsprozess für “Kommunal? Digital!” erfolgt dabei in zwei Stufen. Gestartet wird mit einem sechswöchigen Aufruf zur Vorlage von Projektskizzen mit einer Projektdauer von bis zu drei Jahren. Nach einer Vorauswahl muss dann innerhalb von weiteren acht Wochen ein detailliertes Konzept vorgelegt werden, das in Kooperation mit einer wissenschaftlichen Einrichtung erarbeitet wird. Die Preisträger werden von einer Jury bestimmt, die sich aus Vertretern der Kommunalen Spitzenverbände sowie je einem Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammensetzt.

Interview mit Digitalministerin Gerlach

Digitalministerin Judith Gerlach wird die Vorsitzende der Jury sein. Mit ihr sprach der Behörden Spiegel über den Ideenwettbewerb “Kommunal? Digital!”

Behörden Spiegel: Frau Ministerin, wie entstand die Idee zu “Kommunal? Digital!”?

Gerlach: Die letzten Monate war ich viel im ganzen Freistaat unterwegs und erlebe allerorts eine digitale Aufbruchstimmung. Als Digitalministerin bin ich fest davon überzeugt, dass neue Technologien die drängendsten Themen unserer Zeit lösen: Klimawandel, Wohnraum oder gleichberechtigte Teilhabe. Ob intelligente, energiesparende Stromnetze, die App für Wohnungstausch verschiedener Generationen oder das Verkehrsleitsystem für Menschen mit Behinderung: Es gibt viele tolle digitale Ansätze, wie wir effizient mit unseren wertvollen Ressourcen Rohstoffe, Raum und Zeit umgehen. Meine Erfahrung zeigt: Smarte Ideen kommen aus smarten Kommunen. Deshalb wollte ich einen Wettbewerb starten, damit innovative Ansätze breiter gestreut werden. Wenn digitale Wege in einer Gemeinde, einer Stadt oder einem Landkreis zum Ziel führen, warum dann nicht gleich in ganz Bayern?

Behörden Spiegel: Welche zusätzlichen Impulse erwarten Sie sich von dem Wettbewerb?

Gerlach: Gute Ideen Einzelner landesweit auszurollen, darin steckt riesiges Potential. Nach dem Motto ‚Einer für Alle‘ sollen Bayerns digitale Musketiere ihre smarten Ideen ausarbeiten, umsetzen und schließlich ganz Bayern zur Verfügung stellen. Von dem Erfindungsreichtum der kreativsten Kommunen in Bayern sollen alle anderen auch profitieren können. Wir wollen eine nachhaltige Entwicklung der Kommunen mit Hilfe der Digitalisierung erreichen. Smart Cities und Smart Regions sind der beste Weg, um die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales zu vereinen. Für ein Leben in Zeiten der Digitalisierung, das den Menschen weiterhin in den Mittelpunkt stellt.

Behörden Spiegel: Erhalten die siegreichen Kommunen für die Umsetzung der Ideen neben finanzieller auch noch weitere Unterstützung, etwa wissenschaftliche Begleitung?

Gerlach: Wir lassen die Kommunen mit ihren Ideen nicht allein. Daher werden die Preisträger bei der Erarbeitung des detaillierten Konzepts von einer wissenschaftlichen Einrichtung begleitet. So wird auch sichergestellt, dass die prämierten Projekte auf andere Kommunen übertragen werden können. Die Umsetzung der Top Ten-Projekte unterstützen wir mit jeweils bis zu 500.000 Euro.

Behörden Spiegel: Wie soll gewährleistet werden, dass die siegreichen Ideen bzw. Angebote schließlich auch allen Kommunen in Bayern zur Verfügung stehen und nachhaltig in die Fläche gebracht werden?

Gerlach: Im Rahmen des Wettbewerbs sollen alle teilnehmenden Kommunen untereinander vernetzt werden. Außerdem werden die siegreichen Ideen mit den Initiativen “Digitales Dorf Bayern” und “Digitales Alpendorf” zusammengebracht. Auf den bestehenden Plattformen wollen wir auch die Ergebnisse präsentieren und bewerben. So schaffen wir Synergien und betonen noch einmal den Best-Practice-Gedanken.

Die smarten Kommunen und Regionen des Freistaats werden auch Gegenstand eines Fachforums auf dem Zukunftskongress Bayern am 13. Februar 2020 in München sein. Weitere Informationen und eine Anmeldemöglichkeit unter: www.zukunftskongress.bayern.

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