Lehrerverband übt Kritik an Quereinsteiger-Praxis

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Ein Buch und eine Aktentasche machen noch keinen Pädagogen: Der Deutsche Lehrerverband kritisiert Quereinsteiger. (Foto: Pexels, pixabay.com)

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, hält den Einsatz von Quereinsteigern als Lehrer an Schulen für “absurd”. Den Bundesländern wirft er vor, die Seiteneinsteiger nur unzureichend für ihre neue Aufgabe zu qualifizieren. Die Zahlen zeichnen allerdings ein uneinheitliches Bild im Bundesgebiet.

Es sei “ein Verbrechen an den Kindern”, dass bundesweit pädagogische Laien ohne ausreichende Vorbereitung und Qualitätssicherung tätig seien. “Innerhalb von zwei Wochen Uni- Absolventen, die noch nie etwas von Pädagogik und Didaktik gehört haben, per Crashkurs zur Grundschullehrkraft auszubilden, das ist doch absurd”, so Meidinger. Dazu komme, dass es für die Quereinsteiger nicht genügend Ausbildungslehrer gebe.

Die reagiert teilweise mit Unverständnis auf die harsche Kritik. Hessens Kultusminister und Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Alexander Lorz (CDU), betont, dass mittelfristig einige Länder nicht ohne Quereinsteiger auskommen würden. “Aber wir sind uns bewusst, dass diese auch entsprechend qualifiziert werden müssen”, so Lorz. In Hessen hatten im Oktober 2018 insgesamt 6.300 Lehrkräfte keine abgeschlossene Lehrerausbildung. An Grundschulen unterrichten 1.500 ohne pädagogische Fachkenntnisse. Das sind zehn Prozent aller Grundschullehrer.

Kein pauschaler Lehrermangel

Gerade dort fehlen auch die meisten ausgebildeten Lehrer. Aufgrund veralteter Bevölkerungshochrechnungen hatte sich die KMK in ihren Bedarfsprognosen verrechnet, seit Ende letzten Jahres steht fest: Bis 2025 sollen nicht nur 15.300 Grundschullehrer deutschlandweit fehlen, wie von der KMK berechnet, sondern insgesamt 26.300. Nach den Zahlen kann der Bedarf bis 2025 nicht mit voll ausgebildeten Grundschullehrern gedeckt werden. Daher würden alle Länder ihre Bemühungen weiter verstärken, Quereinsteiger gezielt fortzubilden und zu qualifizieren, so Lorz. “Richtig bleibt, dass jede gegebene Unterrichtsstunde besser ist als eine ausgefallene.”

Deutschlandweit ist in den vergangenen Jahren der Anteil von neu eingestellten Quereinsteigern an öffentlichen Schulen von unter drei Prozent auf 13 Prozent gestiegen. Allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Der KMK-Präsident wehrt sich deshalb auch gegen den pauschalen Begriff “Lehrermangel”. Der Bedarf sei von Region zu Region, von Schulform zu Schulform und letzten Endes auch von Unterrichtsfach zu Unterrichtsfach verschieden. Lorz gesteht aber ein: “Wir haben Regionen, da finden die Kultusministerien einfach nicht mehr genug Bewerber für die Plätze.”

Abnehmende Qualität

Auch er ist der Meinung, im Notfall sei es besser, in begrenztem Maße ebenfalls Quereinsteiger einzusetzen als Unterrichtsstunden ausfallen zu lassen. Die Anforderungen und erforderlichen Qualifizierungen der angehenden Lehrer bei Unterrichtsbeginn sind in den Ländern indes völlig unterschiedlich. Und auch das Ausmaß an Einsätzen von Quereinsteigern fällt bundesweit nicht einheitlich aus. Während in Bayern und dem Saarland nach Angaben der KMK im Jahr 2018 kein einziger Seiteneinsteiger eingestellt wurde, war in Mecklenburg-Vorpommern mehr als jede fünfte Stelle mit ihnen besetzt. In Bremen rund jede vierte und in Brandenburg mehr als jede dritte. Berlin mit 40,1 Prozent und Sachsen mit 50,2 Prozent verzeichneten den größten Bedarf. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Hessen (GEW) schließt sich indes Meidingers Kritik an.  Die GEW bemängelt zudem, dass Quereinsteiger verstärkt an Schulen in schwierigen sozialen Lagen eingesetzt würden, was die Chancenungleichheiten der Kinder erhöhe. Darüber hinaus belaste ihre Betreuung auch die vollausgebildeten Kollegen. Schwarz fordert eine verbesserte Qualifikation und vor allem, den Lehrerberuf attraktiver zu gestalten, damit es langfristig wieder mehr ausgebildete Lehrfachkräfte gibt.

Zu diesem und weiteren Themen des Öffentlichen Dienstes hören sie auch den Behörden Spiegel Podcast “Public Sector Insider“. Neue Folgen erscheinen jeden Dienstag.

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