Mobile Kommunikation: zeitgemäß und rechtskonform

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Man tauscht sich aus, besonders gerne über Messenger-Dienste. Das geht auch sicher und datenschutzkonform. (Foto: Hamza Butt, CC BY 2.0, www.flickr.com)

Sich verabreden, die neuesten Informationen weitergeben oder auch einfach den neuesten Klatsch teilen. Das alles findet häufig über Messenger-Dienste statt, meist WhatsApp. Dass auch beruflich über den praktischen Dienst kommuniziert wird, ist nur menschlich. Sicher und datenschutzkonform ist das aber nicht.

Das Problem bei WhatsApp: Metadaten wie Standorte oder Profilfotos gehen an den Mutterkonzern Facebook. Kontaktdaten werden in dem Messenger unweigerlich Dritten zugänglich gemacht. Hinzu kommen praktische Datenschutzprobleme. Es gibt kein Rollen- und Rechtemanagement, der Arbeitgeber hat keine Kontrolle über die WhatsApp-Nutzung der Mitarbeiter. Wenn ein Kollege ausscheidet oder die Abteilung wechselt, kann es leicht passieren, dass er weiter unbemerkt in Gruppenchats mitlesen kann, was nicht für ihn bestimmt ist.

Lösungen sind da

“Der Umgang von einigen Behörden, Parlamenten und anderen öffentlichen Stellen mit mobiler Kommunikation ist unsicher und nicht mehr zeitgemäß – insbesondere die Nutzung amerikanischer Cloud-Dienste”, sagt Sascha Wellershoff, Vorstand bei Virtual Solution. Es gebe längst sichere Lösungen von deutschen Anbietern mit DSGVO-konformer Datenhaltung in Deutschland. “In aller Regel können diese Dienste auch zentral gemanagt werden”, so Wellershoff weiter. “Und auch die Installation auf Privatgeräten ist möglich. Das erhöht die Mitarbeiterzufriedenheit bei strikter Trennung von privaten oder persönlichen und dienstlichen Daten.”

Von einem flächendeckenden Einsatz im Öffentlichen Dienst sind wir aber noch weit entfernt. Häufig werden Lösungen nur für die “Entscheider”, also Abteilungsleiter und aufwärts angeschafft. Der Einführung gehen oft langwierige Planungen und Probebetriebe voraus – auch wenn eigentlich auf Erfahrungen anderer Ressorts zurückgegriffen werden könnte.

Teils wird statt auf Lösungen von der Stange auf Eigenentwicklungen auf Open-Source-Basis gesetzt. Beim Bund sind mehrere Projekte im Gang. Bei der Bundespolizei wird der Messenger “MOKA” mit 4.500 Smartphones erprobt. Damit können auch Standortdaten, Bilder, Videos und Sprachnachrichten im Einsatz sicher ausgetauscht werden. Basis ist das offene Protokoll XMPP, früher als Jabber bekannt. So können MOKA-Nutzer auch mit Nutzern anderer XMPP-Messenger kommunizieren.

Im Verteidigungsressort laufen parallel zwei Projekte. Zum einen wird mit rund 3.000 Bundeswehrangehörigen die Akzeptanz einer WhatsApp-Alternative auf den Privatgeräten getestet. Zum anderen wurde durch den bundeseigenen IT-Dienstleister BWI ein Messenger auf Basis des offenen “Matrix”-Protokolls entwickelt. Die Erprobung mit bis zu 30.000 dienstlichen Smartphones hat begonnen und soll ab März auch Kommunikation im Bereich VS-NfD umfassen.

Kaufen oder selber bauen?

Solche Eigenentwicklungen sind aber nicht für alle der Weisheit letzter Schluss, wie Georg Ringmayr findet. “Eigene Entwicklungsressourcen sind beschränkt”, so der Sachgebietsleiter IuK der Bayerischen Polizei. “Wir tun gut daran, sie in die speziellen Fachanwendungen zu stecken.” Bei Basisanwendungen dagegen sei es meist sinnvoller, zu kaufen. “Es gibt mittlerweile bewährte Messenger-Lösungen am Markt”, so Ringmayr weiter. “Wenn Sie Mittel investieren, um nachzubauen, was es schon gibt, laufen Sie am Ende nur der Entwicklung hinterher.”

1 Kommentar

  1. Auf allen Ebenen wird sowohl von der Politik – als auch von Datenschutzbeauftragten aus veschiedenen Bereichen – “freier Chat” empfohlen. Eine schöne Übersicht hierzu gibt es auf:
    https://www.freie-messenger.de/messenger/verwaltung

    Freier Chat sollte (so wie das bei E-Mail selbstverständlich ist) ohne Abhängigkeiten von zentralen Anbietern funktionieren. Darüber hinaus wird auch insbesondere der Gesichtspunkt “Öffentliche Gelder – öffentlicher Programmcode” (“public money – public code”) immer wichtiger.

    Unabhängige Informationen zum Thema “freie und *anbieterunabhängige* Messengersysteme” gibt es bei:
    https://www.freie-messenger.de

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