Der richtige Mindset auf allen Ebenen

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Für Judith Gerlach, Staatsministerin für Digitales in Bayern, entscheidet sich in den Kommunen, ob die Digitale Verwaltung funktioniert oder nicht. Daher müssten die Mitarbeiter vor allem auch an dieser Stelle entlastet werden. (Foto: BS/Orth)

Vor einer Rekordkulisse von mehr als 400 Teilnehmern hat die bayerische Staatsministerin für Digitales, Judith Gerlach, Mitte der Woche den diesjährigen Zukunftskongress Bayern eröffnet. In ihrer Keynote plädierte die Ministerin dafür, das Thema E-Government nicht als reinen Digitalisierungsprozess für analoge Prozesse zu sehen, sondern möglichst alles rund um die Verwaltung in digitalen Strukturen ganz neu zu denken.

Um dies ordentlich umsetzen zu können, brauche es vor allem einen entsprechenden Mindset, der sich durch alle Ebenen der Verwaltung ziehe, um auch diejenigen Mitarbeiter zu überzeugen, die bislang wenig von einem generellen Umdenken halten. Dabei müsse man vor allem aufzeigen, dass sich eine Umstellung zu Beginn zwar immer auch ein bisschen lästig anfühle, von dem Wandel aber mittel- und langfristig alle Seiten nur gewinnen könnten.

Prozesse für den Bürger entwickeln

Besonders wichtig ist für Gerlach, die Bürger mitzunehmen und auf Augenhöhe mit diesen zu diskutieren: „Wir müssen die Menschen wegbringen, sich in einer Bittstellerrolle gegenüber der Behördenwelt zu sehen. Dafür müssen wir Bürger und Unternehmen in die Prozesse einbinden und so Vertrauen schaffen.“ Zwar müsse man als Staat natürlich andere Regularien beachten, als die Privatwirtschaft, man könne sich in einigen Punkten aber dennoch an den großen Digitalunternehmen orientieren, so die Ministerin: „Kundenzufriedenheit und Barrierefreiheit sind trotz allen Vorgaben wichtig. Daher müssen wir die Prozesse dringend bei der Entwicklung vom User her denken und uns so fragen, was der Bürger überhaupt will und braucht.“ Ziel sei an dieser Stelle, einen sogenannten Bayern-Standard für alle Dienstleistungen aufzubauen, der leicht zu nutzen sei und Wiedererkennungswert biete. Aber nicht nur der Bürger müsse umgarnt werden, sondern auch für die Mitarbeiter der Verwaltung müsse der Wandel in einer Entlastung spürbar werden.

Wichtigste OZG-Leistungen schon dieses Jahr online

Um diese Effekte möglichst schnell in Volk und Verwaltung zu bringen, treibt man im Freistaat daher auch die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) voran. Man müsse „endlich weg von den Click-Dummys und hin zu konkreten Leistungen“, so Gerlach. Daher will Bayern bereits bis Ende diesen Jahres die rund 50 wichtigsten Leistungen für Bürger und Unternehmen anbieten. Fachverfahren wie die Beantragung von Elterngeld, Wohngeld oder Bauanträgen soll damit nicht erst bis Ende 2022 online gehen. Zudem stellte die Ministerin den neuen OZG-Masterplan der Staatsregierung Bayern vor. In diesem gehe es darum, die Leistungen so zu verteilen, dass sie jeweils in den entsprechenden Ressorts umgesetzt würden. Dafür gebe es zukünftig in jedem Ministerium einen OZG-Ansprechpartner, der als „digitaler Botschafter“ eine Schnittstellenfunktion zwischen Ressort und Digitalministerium bzw. Landesregierung einnehmen solle. Zusätzlich gebe es ein ressortübergreifendes OZG-Umsetzungsgremium, das mit einem Tool auch den Fortschritt des Gesetzes flexibel für Bayern und den gesamten Bund überblicken kann.

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