Die Verwaltung braucht mehr als E-Lösungen

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Ich habe mich immer gefragt, wieso Unternehmen besser darin sind, die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen als der öffentliche Sektor. In Start-Ups und Innovationseinheiten wird deutlich, dass Veränderungen dann erfolgreich sind, wenn Mitarbeiter/-innen befähigt werden, den Status Quo zu hinterfragen und Neues auszuprobieren. Die Arbeitsweisen in jungen, innovativen Unternehmen einerseits und traditionellen, hierarchischen Organisationen wie der öffentlichen Verwaltung gehen stark auseinander. Wir glauben: beide Welten können viel voneinander lernen.

Seit 2018 fördern wir diesen Austausch durch Tech4Germany. Jährlich bringen wir rund 30 Digital-Talente mit Bundesministerien zusammen. Die Teilnehmer/-innen haben Erfahrung im Programmieren und Produkt Management sowie im Design von Nutzeroberflächen. In Teams widmen sie sich mit Projektverantwortlichen aus Ministerien nutzerzentriert einer klar definierten Problemstellung und entwickeln einen Prototypen.

Doch Digitalisierung verändert nicht nur, welche Lösungen und Dienste die Verwaltung anbieten kann. Sie verändert auch grundlegend das “Wie?” des Arbeitens. Nehmen wir beispielsweise die Entwicklung, Instandhaltung und Weiterentwicklung einer digitalen Leistung. In jeder Phase bedarf es der Zusammenarbeit verschiedener Beteiligter: des Fachbereiches einerseits, der IT-Verantwortlichen andererseits, der Zuständigen für Datenschutz, IT-Sicherheit sowie teilweise externer Dienstleister. Eine nutzerzentrierte Vorgehensweise konsultiert außerdem die Zielgruppe.

Die Koordination und Übersetzung dieser unterschiedlichen Interessengruppen ist herausfordernd. Insbesondere Digitalisierungs-Projekte sind oft Querschnittsthemen mit hohem Planungs- und Abstimmungsaufwand. Deshalb haben wir mit Work4Germany ein zweites Fellowship Programm gestartet, das verstärkt methodische Kompetenzen und neue Arbeitsweisen in die Bundesministerien bringt und die Verwaltung von innen heraus unterstützt, innovative Projektarbeit zum Standard zu machen.

Die Idee für Work4Germany entstand während meiner Zeit als freie Mitarbeiterin im Digitalisierungsstab des Auswärtigen Amtes. Mir bekannte Arbeitsweisen und Methoden boten eine wertvolle Ergänzung und Unterstützung zur Fachexpertise der Teams. Dabei handelte es sich um Kompetenzen, die in meinem vorherigen Job im Privatsektor selbstverständlich waren: agiles Projektmanagement, Erarbeiten eines kritischen Zeitpfades, strukturierte Problemlösungsmethoden, interaktive Workshops, aber auch regelmäßige Feedback-Sitzungen über die Qualität der Zusammenarbeit. Im Gegenzug lernte ich viel von meinen Kolleg/-innen über die fachlichen Fragen zur Umsetzung von Digitalprojekten und die Herausforderung für die Verwaltung. Aus meinem Bekanntenkreis kamen vermehrt Nachfragen: Viele wollten “immer schon mal was mit Politik machen” und waren interessiert an der Möglichkeit, ihre Kompetenzen für gesellschaftlichen Mehrwert einzusetzen.

Einerseits gibt es verwaltungsseitig einen enormen Bedarf für methodische Kompetenzen und Projektmanagement. Andererseits gibt es Talente aus der freien Wirtschaft, die nach einigen Jahren im Berufsleben nach einer neuen, sinnstiftenden Aufgabe suchen.

Work4Germany bringt diese beiden Gruppen künftig zusammen. Ab Juni arbeiten methodisch starke Nachwuchstalente und Innovationstreiber/-innen aus Ministerien für sechs Monate zusammen an bereichsübergreifenden Projekten. Gemeinsam denken sie Projektabläufe neu, setzen agile Methoden ein und tragen ihren Teil zur Modernisierung der Arbeitskultur bei.

Wir haben uns Kriterien für die Auswahl der Fellows auferlegt, um die Integrität der Teilnehmer/-innen sicherzustellen und Konflikte mit Einzelinteressen zu vermeiden. So ist beispielsweise ein Branchen-Matching ausgeschlossen: ein Fellow aus der Pharmaindustrie wird nicht im Bundesgesundheitsministerium eingesetzt. Uns geht es nicht um fachliche Expertise, sondern um die Erhöhung von Durchlässigkeit und den Austausch von Methoden- und Soft-Skills.

Zwei Alternativen

Seit Ende Januar läuft die Bewerbungsphase. Dass es ein Bedarf für Work4Germany gibt bestätigt sich durch die Bewerbungen von Digital-Talenten und Ministerien. Trotzdem: kennen Sie einen Innovationstreiber/-in auf Bundesebene? Dann melden Sie sich oder erzählen von Work4Germany.

Was haben Sie für Erfahrungen mit neuen Arbeitsweisen gemacht? Melden Sie sich bei uns. Wir haben gemerkt: auch unsere Programme werden durch vielseitige Meinungen besser!

Work4Germany und Tech4Germany sind sich ergänzende Fellowship Programme unter der Schirmherrschaft des Chefs des Bundeskanzleramtes Prof. Dr. Helge Braun, die beide zu einem digitalen Staat beitragen, der nutzerzentrierte und einfache Services für uns Bürger/-innen bereitstellt.

Die Verfasserin des Gastbeitrages, Christina Lang, ist CEO von 4Germany UG, einem staatlich geförderten non-profit Start-Up, das die beiden Fellowship Programme Work4Germany und Tech4Germany unter der Schirmherrschaft vom Chef des Bundeskanzleramtes Helge Braun leitet.

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