Digitalisierung: Evolution oder Revolution?

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Begrüßte die zahlreich erschienenen Teilnehmer: Brigadegeneral Armin Fleischmann, Vorsitzender AFCEA Bonn. (Foto: BS/Portugall)

Disruptive Technologien der Digitalisierung – wie z. B. künstliche Intelligenz (KI), “Big Data”, “Cloud Computing” und Konnektivität – entwickeln sich mit rasanter Geschwindigkeit. Im besonderen Maße wächst die Bedeutung dieser Technologien für den militärischen Bereich mit seinen kritischen Entscheidungsketten, die in Echtzeit und unter extremen Bedingungen bis hin zum hochintensiven Gefecht realisiert werden müssen. Angefeuert wird die Diskussion durch die hoch dynamische internationale Bedrohungslage und die daraus resultierende Entwicklung der Gefechtsführung im Verbund mit zunehmend vernetzten sowie hochkomplexen “System-of-Systems”-Architekturen.

Um diese Entwicklungen näher zu beleuchten, veranstaltete AFCEA Bonn e.V. zusammen mit der Mitgliedsfirma Thales Deutschland GmbH Ende Januar in Bonn ein Mittagsforum. Dessen Thema lautete: “Digitalisierung – Evolution oder Revolution?” Die Diskutanten waren sich, um die Antwort vorwegzunehmen, einig in der Einschätzung: In der Technik finde eine revolutionäre Entwicklung statt, deren Umsetzung verlange jedoch ein evolutionäres Vorgehen.

Die Digitalisierung landbasierter Operationen (D-LBO) “muss funktionieren, sonst wird Deutschland als “Lead Nation” abgehängt”, so Oberst i.G. Frank Pieper, “Chief Digital Officer” (CDO) im Kommando Heer in Strausberg. Im Jahr 2018 startete die Bundeswehr das Programm D-LBO. Aber: Das entsprechende Kräftedispositiv müsse kommen, “sonst ist die Entwicklung nicht mehr einzuholen”, mahnte Oberst Pieper. Als ausgesprochen hilfreich könne sich in diesem Zusammenhang die Kooperation mit den Niederlanden erweisen. Im Sommer des vergangenen Jahres wurde ein deutsch-niederländischer Vertrag geschlossen, um das gemeinsame Projekt “Tactical Edge Networking” (TEN) zu realisieren. Dabei wird D-LBO mit dem niederländischen Programm “Foxtrott” aus 2018 zusammengefasst. Von deutscher Seite sind bis 2030 insgesamt zwölf Milliarden Euro für TEN vorgesehen.

Die Digitalisierung der Landstreitkräfte sei nötig, um durch die Auswertung großer Datenmengen ein Höchstmaß an kinetischer Präzision zu erzielen. Nur so ließen sich Kollateralschäden bestmöglich vermeiden. Anders sei Waffeneinsatz hierzulande weder politisch noch ethisch akzeptierbar, so der CDO des Deutschen Heeres.

Bei Thales steht die Digitalisierung unter dem Motto “collaborative combat”, d.h. vernetzte Operationsführung, so Martin Töpfner von Thales Deutschland. Bei komplexen Bedrohungen verlören einzelne Plattformen an Bedeutung. Die Zukunft laute “System of Systems, d.h. “Klasse statt Masse”, so der Thales-Manager.

Didier Portier, “Senior Sales Manager” bei Thales France in Gennevilliers bei Paris, stellte das französische “Scorpion”-Programm vor. Das Nachbarland sieht in diesem Project eine Vorbereitung für künftige Gefechtssysteme der Landstreitkräfte, um die fortschreitende Transformation des Militärwesens rüstungstechnisch zu unterstützen. Im Februar 2010 wurde die Untersuchungsphase unter der Ägide des “Comité ministériel des investissements” gestartet. Diesem Komitee gehören das Pariser Verteidigungsministerium, der Vereinigte Generalstab und die Beschaffungsbehörde DGE (“Direction générale de l’armement”) an. Dieses Jahr soll die Ausbildung bei den “Scorpion”-Funkgeräten beginnen; schon im kommenden Jahr sollen sie operationell einsetzbar sein, so Portier.

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