Kompetenz und Bildung als digitale Stolpersteine

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Für das abgelaufene Jahr kommt die Initiative D21 in seinem jährlichen Digitalisierungsindex auf einen Gesamtquotient von 58. (Foto: BS/Orth)

Der Bildungsstand ist ein zentrales Kriterium der persönlichen Digitalisierung in Deutschland. Das ist das Fazit des insgesamt achten Digitalisierungindex, der in dieser Woche von der Initiative D21 vorgestellt wurde. Insgesamt steht die deutsche Gesellschaft als Ganzes durchschnittlich da. Auf einer Skala von 0 bis 100, die in vier Unterkategorien „Zugang“ zum Internet, Digitale „Kompetenz“, „Nutzungsverhalten“ der Menschen sowie „Offenheit“ gegenüber den technischen Innovationen aufgeteilt wird, kommt die Initiative für das Land auf einen Gesamtquotienten von 58. Das ist immerhin ein Plus von drei Punkten gegenüber dem Vorjahr, aber weiterhin kein wirklicher Quantensprung.

Obwohl nicht nur die Gesellschaft, sondern auch das staatliche Handeln immer mehr von der Digitalisierung durchdrungen werden, kommt die Studie allerdings immer noch zu dem Ergebnis, dass knapp ein Fünftel aller Deutschen nie oder nur ganz selten online aktiv sind. Diesen 18 Prozent „Digital Abseitsstehenden“, die tendenziell weiblich, älter als 70 Jahre und mit niedrigem Bildungsstand ausgestattet sind, stehen 38 Prozent „Digital Mithaltende“ und 44 Prozent „Digitale Vorreiter“ entgegen. Außerdem sehen die „Offliner“ die Digitalisierung als negativ konnotierten Trend, der sie in ihrem Alltag sowieso nicht wirklich betreffe. Dem gegenüber stehen die Digitalen Vorreiter, die in diesem Jahr zum ersten Mal die größte der drei Gruppen ausmachen. Diese Menschen sind durchschnittlich um die 40 Jahre alt, tendenziell mindestens mit dem Abitur aus dem Bildungssystem gegangen und sehen die Digitalisierung als positiven Trend, der viele Chancen für die Zukunft bringt. Es zeigt sich also: Der digitale Wert eines Menschen in Deutschland verbessert sich statistisch vor allem nach der Bildung. Diese Entwicklung wird auch von der Nutzung digitaler Dienste unterstrichen. So sind 97 Prozent aller Menschen mit hohem Bildungsstand und immer noch 92 Prozent der Menschen mit mittlerer Bildung in ihrem Alltag regelmäßig online unterwegs; bei den Menschen mit niedriger Bildung sind es dagegen lediglich 64 Prozent der Befragten. Aber nicht nur die Nutzung ist defizitär, erklärte D21-Geschäftsführerin Lena-Sophie Müller bei der Vorstellung des Index: „Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss neigen außerdem auch zu geringer digitaler Kompetenz. Hier gäbe es eigentlich viel zu tun, allerdings ist das Interesse dieser Gruppe, eine solche Kompetenz aufzubauen, ebenfalls sehr gering“. So sind laut dem Index nur gut ein Viertel aller Menschen aus dieser Gruppe interessiert an einer Verbesserung ihrer Digitalkompetenz.

Resignation bei den Usern steigt

Gerade diese Kompetenz ist es jedoch, die für einen sinnvollen und nachhaltigen Umgang mit der heutigen Digitalisierung notwendig ist. Dabei sei ein grundsätzliches Bewusstsein für den Schutz der eigenen Daten durchaus vorhanden, „aber die Resignation bei den Bürger steigt zunehmend“, so Andreas Pohle vom Marktforschungsunternehmen Kantar, mit dem die Initiative D21 den Index produziert: „Fast zwei Drittel der Menschen sehen einen unweigerlichen Kontrollverlust über ihre Daten, sobald sie einen digitalen Dienst nutzen“. Das liege daran, dass die Datenverwaltung für viele einfach zu komplex sei, so der Marktforscher. Gleichzeitig sähen aber mehr als ein Drittel der eine soziale und berufliche Notwendigkeit, in den Sozialen Medien, vor allem dem Messengerdienst Whatsapp, präsent zu sein. Da die „Gesellschaft eine generell positive Einstellung zur Digitalisierung“ habe, müsse nun daran gearbeitet werden, „dass wir endlich in Gang kommen“, so Pohle abschließend.

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