EU-Kommission setzt auf Signal, der Auswärtige Dienst dagegen auf einen eigenen Messenger

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Während das EU-Parlament noch keine klare Linie gefunden hat, empfiehlt die Kommission ihren Mitarbeitern den Messenger Signal. Der Auswärtige Dienst betreibt eine eigene Lösung. (Screenshot: signal.org)

Mitarbeiter der EU-Kommission sollen den kostenfreien Open-Source-Messenger Signal nutzen. Die Chat-App gilt als Alternative mit hohem Sicherheits- und Datenschutzniveau. Im EU-Parlament und anderen Behörden wird teils WhatsApp genutzt, während der Europäische Auswärtige Dienst eine eigene Lösung betreibt.

Einem internen Papier an die Kommissionsbeamten zufolge wurde Signal als „die empfohlene Anwendung für öffentliche Instant Messaging-Anwendungen ausgewählt“, wie Politico zitiert. Das betreffe aber nur die Kommunikation mit externen Personen. Sensible Informationen dürften nur per verschlüsselter E-Mail versandt werden.

EU-Parlament ohne klare Linie

Für Verwunderung hatte erst vor wenigen Monaten das Europaparlament gesorgt, als einigen Abgeordneten die Nutzung von Signal als Desktop-Anwendung verwehrt worden war. Stattdessen empfahl die IT-Abteilung die Nutzung von WhatsApp. Der beliebte Messenger verschlüsselt zwar Nachrichten, leitet aber bekanntermaßen Metadaten wie Kontakte und Standorte an den Mutterkonzern Facebook weiter. Das Parlament hatte die WhatsApp-Empfehlung später zurückgezogen und angekündigt, die Nutzung von Signal prüfen zu wollen (siehe auch Behörden Spiegel, Februar 2020 S. 36).

Ganz ist man aber offensichtlich noch nicht von WhatsApp abgerückt: Ein Parlamentsausschuss habe kürzlich eine WhatsApp-Gruppe für eine Abgeordneten-Delegationsreise in die USA eingerichtet, wie Ralf Bendrath, Fraktionsreferent der Fraktion Grüne/EFA twittert.

Auswärtiger Dienst mit eigener App

Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) geht andere Wege. Statt frei erhältlicher Lösungen gibt es dort eine eigene App. Mitarbeiter sind angewiesen, diese zu nutzen, wenn sensible und vertrauliche Informationen ausgetauscht werden. Der Messenger ist seit Herbst 2019 im Einsatz. Zur technischen Grundlage und den Sicherheitseigenschaften ist nichts bekannt.

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