Baden-Württemberg konstruiert Cyber-Sicherheitsarchitektur neu

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Baden-Württemberg konstruiert seine Cyber-Sicherheitsarchitektur neu. (Foto: annca, www.pixabay.com)

Die Landesverwaltung Baden-Württembergs steht vor einer Neuordnung ihrer Strukturen im Bereich der Cyber-Sicherheit. Eine Cyber-Sicherheitsagentur (CSA) soll Informationen und Maßnahmen bestehender Akteure bündeln. So will das Land Kriminalität und Spionage im Netz besser bekämpfen können.

Die CSA soll ab Januar 2021 aufgebaut werden. Haushaltsmittel dafür waren vom Landtag bereits freigegeben worden. Für die Einrichtung stehen zunächst 13 Millionen Euro zu Verfügung. Außerdem können 83 Stellen besetzt werden, davon 32 schon 2020 und 51 im Jahr 2021. Für die nötigen Vorbereitungen drängt allerdings die Zeit. Es fehlt bislang ein Kabinettsbeschluss, der die Aufgaben der neuen Behörde genau definiert.

Zentrale Steuerung, dezentrale Kompetenzen

In dem Zuge soll auch eine ganzheitliche Cyber-Sicherheitsstrategie für das Land erarbeitet werden. “Wir werden die Cyber-Sicherheitsarchitektur neu konstruieren”, bekräftigte jüngst der Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration, Thomas Strobl. “Es gab dazu intensive Gespräche mit allen zuständigen Akteuren im Land.” Aufgaben und Kompetenzen würden weiter dezentral verteilt bleiben, sollen aber zentral gebündelt werden. “Wir wollen Parallelitäten vermeiden, Vorgehensweisen standardisieren und die Zusammenarbeit optimieren”, so Strobl weiter. Beispielsweise könne die CSA Awareness-Maßnahmen sowie die Fort- und Weiterbildung im Cyber-Sicherheitsbereich für alle Ressorts steuern.

Die Agentur soll aber noch wesentlich mehr leisten, wie von Beteiligten zu hören ist. Sie soll als zentrales Lagezentrum fungieren, in das Informationen aller Landesbehörden mit Cyber-Sicherheitsaufgaben einfließen. Offen ist, ob auch der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit einbezogen wird. Dort gehen aufgrund der Pflichten nach Datenschutzgrundverordnung auch in großer Zahl Meldungen zu IT-Sicherheitsvorfällen ein. In Lagen soll die CSA Taskforces aus den Behörden koordinieren, damit Experten und Ressourcen effizient eingesetzt werden können. Die Zielgruppe der CSA geht über die Landesverwaltung weit hi­naus. Leistungen sollen auch für Kommunen, Betreiber Kritischer Infrastrukturen, Wirtschaft, Bürgerinnen und Bürger sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen erbracht werden.

Cyber-Sicherheit als Markenkern

Digitalminister Strobl will im Rahmen der neuen ganzheitlichen Strategie die Marke “Cyber Security made in Baden-Württemberg” etablieren, mit der CSA als zentralem Inkubator. Besonderen Stellenwert hat für ihn der Wirtschaftsschutz im Ländle. Nirgendwo sonst gebe es so viele Betriebe, die Weltmarktführer in ihren Nischen seien. Um ihnen bei IT-Vorfällen schnell auf die Füße zu helfen, wurde vor einem Jahr bereits die Cyber-Wehr Baden-Württemberg in Karlsruhe eingerichtet. Seitdem sind mehr als 1.000 Fälle eingegangen, in denen die Truppe beraten und teils IT-Sicherheitsfirmen zur Unterstützung vermittelt hat. In neun Fällen habe die Existenz der betroffenen Unternehmen auf dem Spiel gestanden, so Strobl.

Die Cyber-Wehr soll nach einer Evaluation aufs ganze Land ausgedehnt werden. Eine Zusammenarbeit mit der geplanten Cyber-Sicherheitsagentur ist vorgesehen.

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