Vom Tatort zum “Smartort”

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Regt an, digitale Spuren auch vernehmungstaktisch stärker zu berücksichtigen: Alexander Hahn, Leiter der Abteilung Cyber Crime und digitale Spuren im Landeskriminalamt Schleswig-Holstein. (Foto: BS/Giessen)

Digitale Spuren aus Rechnern und Smartphones gehören für viele Ermittler inzwischen zum Arbeitsalltag. Doch ständig kommen neue smarte Gerätetypen dazu, die entscheidend zur Aufklärung von Straftaten beisteuern könnten. Für Polizeibeamte ist es deshalb immer wichtiger, zu wissen, welche Möglichkeiten und Erschwernisse digitale Technik bereithält.

“Jeder Tatort ist auch ein Smart-Ort”, sagt Alexander Hahn, Leiter der Abteilung Cyber Crime und digitale Spuren im Landeskriminalamt Schleswig-Holstein. “Digitale Spuren finden wir überall, nicht nur bei Cyber-Kriminalität, sondern auch bei Unfällen, Raub oder Tötungsdelikten.”

Hahn regt an, digitale Spuren als überprüfbare Fakten auch vernehmungstaktisch stärker zu berücksichtigen. So gelte es, die richtigen Fragen zu stellen, wenn Alibis vorgebracht werden: “Über welchen Streaming-Dienst haben Sie den Film geschaut?” oder “Auf welchem Gerät haben Sie das Rezept zum Kochen abgerufen?” Außerdem würden manche Alarmanlagen Zeiten der Türbenutzung aufzeichnen.

Rechner nicht immer als solche zu erkennen

Je mehr vernetzte Geräte in Haushalten verwendet werden, desto entscheidender wird sein, dass die Beamten bei der Spurensuche auch die Spreu vom Weizen trennen können. “Smarte Staubsauger, Heizungsanlagen, Lampen, Fitnesstracker: All diese Geräte könnten relevante Indizien bringen”, sagt Benjamin Lembke, Senior Expert Digitale Forensik bei der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS). Dazu kämen Rechner, die auf den ersten Blick noch nicht einmal als solche erkannt würden. So ließen sich klitzekleine Raspberry-PCs ohne Weiteres auf der Rückseite eines sonst nicht relevant scheinenden Monitors verbergen.

Auch bei der Festnahme eines Tatverdächtigten könnten Überraschungen warten. “Wir können davon ausgehen, dass Kriminelle, die einen Zugriff erwarten, Sprachassistenten wie Alexa so präparieren, dass diese mit einem schnellen Befehl alle relevanten Festplatten verschlüsseln oder löschen”, warnt Lembke.

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