Zweites Konvent zur digitalen Konvergenz

0
771
Diskutierten über die Auswirkungen der Digitalen Konvergenz (v.l.n.r.): Generalleutnant Dr. Ansgar Rieks (Kommando Luftwaffe), Generalarzt Dr. Michael Zallet (Kommando Sanitätsdienst), Brigadegeneral Armin Fleischmann (AFCEA Bonn), Andreas Lezgus (BKA) und Dirk Lageveen (Zentrale Stelle für IT im Sicherheitsbereich). (Foto: BS/BWI)

Chancen und Risiken für staatliche Institutionen und Unternehmen haben im Fokus des zweiten Konvents zur digitalen Konvergenz in der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie gestanden. Rund 300 Akteure aus Politik, Behörden und Wirtschaft kamen hierzu Mitte Februar in Berlin zusammen.

Technologische Entwicklungen und veränderte Bedarfe erfordern eine digitale Konvergenz, also die Annäherung von Kundennutzen und Portfolio sowie bisher getrennter Bereiche. Auch in der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie wachsen klassischer Rüstungsbereich und Informationstechnologie zusammen. Auf den daraus entstehenden Innovations- und Synergiepotenzialen sowie Herausforderungen lag der Fokus des zweiten Konvents zur digitalen Konvergenz in der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

Hierzu hatten der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) und das Anwenderforum für Fernmeldetechnik, Computer, Elektronik und Automatisierung (AFCEA) Bonn e. V. vor kurzem eingeladen. Bedrohungsszenarien, die es erfordern, dass Sicherheitsbehörden und -organe konvergieren, neue Anforderungen an die Kooperation zwischen Politik und Industrie, digitale Souveränität und ihr wesentlicher Aspekt “vertrauenswürdige IT” bildeten neben Wertschöpfung und Innovationspotenzialen die inhaltlichen Schwerpunkte.

Neue Chancen und Fähigkeiten durch Digitalisierung

Generalleutnant Michael Vetter, “Chief Information Officer” (CIO) und Abteilungsleiter Cyber- und Informationstechnik (CIT) im BMVg, gab in seiner Keynote einen Überblick über die digitale Transformation der Bundeswehr und die Bedeutung digitaler Souveränität und der Resilienz gegenüber hybriden Bedrohungen.

Digitalisierung sei kein Mega-Trend und kein Zukunftsthema für die Bundeswehr. Sie finde längst statt und verändere zunehmend den Alltag der deutschen Streitkräfte. Für General Vetter eröffne sie Chancen und Fähigkeiten, sowohl physisch als auch virtuell. Dabei gehe es nicht um schicke “Gadgets”, sondern etwa um Tools zur Datenauswertung, die es ermöglichen, die Komplexität der heutigen Informationsdichte zu bewältigen. Und es gehe um digitale Fähigkeiten, welche die Bundeswehr in die Lage versetzten, einen Einsatz der Zukunft erfolgreich zu bestehen. Denn heutige Bedrohungslagen seien vor allem durch die Manipulation von Hard- und Software, die Frage sicherer Lieferketten und die Ausnutzung von Schwachstellen in bestehenden Datensystemen geprägt.

Gefährdung aus dem Cyber- und Informationsraum

An die Herausforderung zunehmend hybrider Konfliktszenarien knüpfte Dr. Andreas Fahrner, Abteilungsleiter im Bundesnachrichtendienst (BND), in seinem Impulsvortrag an. Cyber-Kriminelle täuschten inzwischen täglich problemlos “User”-Aktivitäten vor, clusterten Internetnutzer und verschickten maßgeschneiderte, personifizierte Nachrichten. Im Zeitalter von Desinformationskampagnen gehe es um das “winning without fighting”. Entscheidend sei, wer wie schnell auf dem Informationsmarkt reagiere.

Eine der größten Herausforderungen für den BND als Nachrichtendienst sei in diesem Zusammenhang laut Dr. Fahrner künstliche Intelligenz (KI). Zudem werde das “Spielfeld Cyber-Krieg”, an dem staatliche und nicht-staatliche Akteure beteiligt seien, immer diffuser. Und dieser Informationskrieg sei dauerhaft. Umso wichtiger sei es, öffentliches Bewusstsein zu schaffen. Denn das sei letztlich der “Tod jeder Desinformation”, so der BND-Beamte.

Vertrauenswürdige IT, Innovationskraft und ethische Standards

Digitale Bildgebung, KI, Robotik, Telemedizin – im Gesundheitswesen der Bundeswehr sei man weit, sagte Generalarzt Dr. Michael Zallet, Abteilungsleiter B im Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr in Koblenz. Es gebe allerdings noch einiges zu tun: “Wir sind dankbar, dass sich die BWI der Herausforderung annimmt, unser Gesundheitsmanagement zu digitalisieren”, betonte Zallet.

Eine “Hausaufgabe” der Digitalisierung sind für Generalleutnant Dr. Ansgar Rieks, stellvertretender Inspekteur der Luftwaffe, ethische Standards. Digitalisierung solle den Menschen unterstützen. Er bleibe in seiner Verantwortung die entscheidende Größe.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here