Hamburg schickt Polizeischüler in Kommissariate

0
1308
Deutschlandweit sind auch die Polizisten mit den Auswirkungen des Corona-Virus' konfrontiert. (Foto: BS/Timo Klostermeier, www.pixelio.de)

Die Hamburger Polizei geht angesichts wahrscheinlich steigender Infiziertenzahlen in ihren Reihen einen anderen Weg als mehrere andere Polizeibehörden. Dort wurden 800 Polizeischüler, deren Lehreinrichtung derzeit geschlossen ist, auf die einzelnen Kommissariate der Hansestadt verteilt.

Hier werden sie im regulären Streifendienst eingesetzt. Der Hamburger Landesvorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders, übt daran Kritik. Er bemängelt, dass die Dienststellen auf diesen Schritt überhaupt nicht vorbereitet gewesen seien. So würde es nun in den Kommissariaten noch enger als ohnehin schon. Empfohlene Mindestabstände seien dann nur noch sehr schwierig oder gar nicht mehr einzuhalten.

Fürsorgepflicht nachkommen

Angesichts dessen und der Aussagen führender Virologen dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Zahl der infizierten Hamburger Polizisten deutlich ansteigt. Bisher sind laut Lenders sechs Polizeikräfte in der Hansestadt nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert.

Er verlangt von der Polizeiführung, nachdem sie die Polizeischüler nicht in Reserve geschickt, sondern auf die Kommissariate verteilt habe, dort nun auch für arbeitsschutzrechtlich einwandfreie Bedingungen zu sorgen. Dabei gehe es insbesondere um Hygienevorschriften. Im Sinne der Fürsorgepflicht des Dienstherrn müsse hier nachgesteuert werden, so Lenders.

Er plädiert für die Einrichtung von Personalreserven, um infektionsbedingte Ausfälle und Vakanzen schnellstmöglich wieder auffüllen zu können. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurde dieser Schritt bereits gegangen. Dort arbeiten viele Polizisten von zu Hause aus und befinden sich für den Einsatzdienst in Reserve. Auch die Bundespolizei folgt diesem Ansatz.

Reduzierung einzelner Maßnahmen

Das Corona-Virus hat auch schon Auswirkungen auf den Dienstbetrieb einzelner Polizeien. Überall wurden die Polizeischulen und -akademien geschlossen. Im Saarland sollen darüber hinaus einige kleinere Dienststellen geschlossen worden sein. In Thüringen wurden verkehrslenkende Maßnahmen auf ein Minimum reduziert und die Teilnahme am Blitzermarathon abgesagt.

In Sachsen sind Polizisten angewiesen, einen Mindestabstand von ein bis zwei Metern zu Personen zu halten, die Erkältungssymptome zeigen. Sie dürfen auch nicht in Polizeifahrzeugen transportiert werden. Bei der rheinland-pfälzischen Polizei finden Besprechungen vorerst nur noch als Telefon- oder Videokonferenzen statt. Die grundsätzliche Einsatzfähigkeit sei aber nicht gefährdet, heißt es unisono.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here