Update Digitalisierung: Deutschlands Kommunen werden smarter

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Trotz großer Fortschritte läuft die Digitalisierung in Deutschland noch immer mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten ab; um den "digital divide" einzudämmen, fordern die Studienmacher eine am digitalen Reifegrad der einzelnen Kommune orientierte Unterstützung. (Screenshot: BS/Thomas Petersdorff)

Langsam, aber stetig nimmt die digitale Transformation deutscher Städte und Gemeinden Tempo auf: Fast acht von zehn Kommunen befinden sich derzeit entweder in der Strategiekonzeption oder bereits in der -umsetzung, so die Bilanz der neuen Kommunalstudie 2019, die gestern veröffentlicht wurde. Die Untersuchung, eine Gemeinschaftsarbeit der Initiative Stadt.Land.Digital und der kommunalen Spitzenverbände, zeichnet ein detailliertes Bild des aktuellen Stands der digitalen Entwicklung in deutschen Kommunen. Trotz der insgesamt positiven Zahlen sehen die Studienmacher nach wie vor Defizite, zumal bei kleineren Kommunen. Um auch Nachzügler abzuholen, raten sie zur Einführung eines am digitalen Reifegrad orientierten Fünf-Punkte-Plans.  

Zunächst das Positive vorweg: Deutschlands Städte und Gemeinden werden smarter. Im Vergleich zum Jahr 2015 hat sich der Anteil derjenigen Kommunen, die eine Digitalisierungsstrategie beschlossen haben oder sich bereits in der Umsetzungsphase befinden, nahezu verdoppelt. Insbesondere größere Kommunen mit über 20.000 Einwohnern schreiten mit gutem Beispiel voran. Unter ihnen hat bereits fast jede zweite Stadt eine fertige Strategie. Am stärksten ist der Zuwachs in westdeutschen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern, die mit umfangreichen Maßnahmen flächendeckende Fortschritte erzielen konnten. Insgesamt klettert der Indexwert deutscher Kommunen im Studien-Ranking seit 2015 um satte 38 Prozent nach oben.

Ein gutes Zeichen für den Standort Deutschland 

Im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), das die Studie in Auftrag gegeben hatte, stimmen die Ergebnisse positiv. Dessen Beauftragter für die digitale Wirtschaft und Start Ups, Thomas Jarzombek, sieht Deutschland auf einem guten Weg: “Der Anteil der Kommunen, die an der Konzeption oder Umsetzung von Digitalstrategien arbeiten, ist auf beinahe 80 Prozent gestiegen. Erste Kommunen bauen bereits Daten-Plattformen auf. Das zeigt: Unsere Kommunen werden smart, viele sind auf dem Weg zur smarten Stadt oder zur smarten Region.”

Die Impulse, die von der aktuellen Entwicklung ausgingen, seien ein gutes Zeichen für den Standort Deutschland wie auch seine wirtschaftliche Schlagkraft. Denn gerade in der aktuellen Situation beweise sich, wie wichtig ausgereifte Digitalportfolios in Kommunen geworden seien. An der Ausweitung des Angebots müsse indes noch weiter gearbeitet werden, so Jarzombek. Sein Appell: “Wir wollen den digitalen Wandel in Städten und Gemeinden weiter voranbringen und die Lebensqualität in Stadt und Land durch digitale Lösungen angleichen und verbessern. Hieran müssen Kommunen, Länder und Bund weiter gemeinsam arbeiten.”

Kleinere Kommunen bleiben hinterher

Das trifft wohl zumal für kleinere Kommunen zu, die im internen Vergleich nach hinten fallen. In der Kategorie Städte unter 20.000 Einwohner besitzt laut Studie nicht einmal jede fünfte Kommune eine fertige Digitalisierungsstrategie, nur 14 Prozent sind in der Umsetzungsphase angekommen. Als Ursache geben die Studienmacher mangelnde finanzielle Ressourcen und fehlende Expertise an, nicht aber ausbleibende Einsicht in die Notwendigkeit der Digitalisierung überhaupt. Abhilfe könnten externe Mittel vom Bund oder der EU schaffen, doch fällt der Beantragungsprozess in den Augen vieler Kommunen zu bürokratisch aus, um schnell die nötigen Gelder zu akquirieren. Für mittelgroße Kommunen legt die Studie allerdings eine Trendwende nahe, wenn man die Ergebnisse um diejenigen Städte und Gemeinden erweitert, die sich derzeit in der Konzeption befinden. Hier liegt der aktuelle Wert bei drei Viertel aller Kommunen mit einer Größe von maximal 20.000 Einwohnern.   

Um die Digitalisierung deutscher Kommunen künftig noch zu beschleunigen, raten die Studienmacher zur Einführung eines Fünf-Punkte-Plans. Dieser sieht Bund und Länder in der Pflicht, Nachzügler zu aktivieren, indem konkrete Mehrwerte neuer Technologien aufgezeigt werden, digitale Champions durch die Umsetzungsphase zu begleiten als auch Kommunen, die sich noch in der Konzeption befinden, durch Leitfäden oder Online-Baukästen beim initialen Prozess der Strategieentwicklung zu unterstützen. Die größten Potenziale sieht man bei der digitalen Infrastruktur in Form von GAIA-X. Eine erfolgreiche Transformation hänge im Wesentlichen davon ab, inwiefern es gelingt, eine zentrale und sichere Struktur bereitzustellen, auf der Kommunen ihre Daten speichern und verwalten können, so das Fazit der Studie.

Den Link zur Kommunalstudie 2019 gibt es hier.

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