Schüler wollen endlich in die digitale Schule gehen

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Schiefertafel und Frontalunterricht sind im 21. Jahrhundert nicht mehr wirklich zeitgemäß, da sind sich Schüler und Lehrer einig. Dennoch ändert sich bislang noch zu wenig in zu langer Zeit, wie nicht zuletzt die aktuelle Situation rund um geschlossene Schulen und fehlende digitale Alternativen in der Lehre zeigt. (Foto: BS/Wokandapix/www.pixabay.com)

Schülerinnen und Schüler in Deutschland sehen den fehlenden Einsatz digitaler Medien sowie die schlechte technische Ausstattung als die mit Abstand größte Baustellen an ihren Schulen. Das ist das Fazit einer neuen Studie des Digitalverbandes Bitkom unter 503 Schülerinnen und Schülern zwischen 14 und 19 Jahren. Die Studie bringt eine besondere Aktualität mit sich, da diese im Januar und Februar durchgeführt wurde, also direkt vor der Corona-Krise. Die neue Situation unterstreicht viele Punkte, die die Schüler vorab formuliert haben.

Das Gesamtthema Digitalisierung ist bei den Schülern dabei der größte Mangel am heutigen schulischen Leben, noch vor Problemen mit den Lehrern, überfüllten Klassen oder sonstiger schlechter oder fehlender Ausstattung. Bitkom-Präsident Achim Berg fordert daher, dass die “Schulen dies unbedingt aufnehmen” und sich der digitalen Schule besser verschreiben müssten. Ein wichtiger Aspekt zur Lösung der Problematik sei dabei der Digitalpakt Schule, der aber immer noch nicht ausreichend ausgeschöpft werde: “Bislang können wir absolut nicht zufrieden mit dem Digitalpakt sein. Die Umsetzung und Ausschüttung dieses wichtigen Instrumentes muss dringend angegangen werden”, so der Bitkom-Präsident. Die Präsidentin der bundesdeutschen Kultusministerkonferenz sowie Bildungsministerin des Landes Rheinland-Pfalz, Dr. Stefanie Hubig, entgegnet Berg dazu jedoch, dass man von Seiten der Länder eine differenzierte Perspektive auf das Thema habe: “Natürlich ist Eile geboten, aber dennoch ist es sinnvoll, erstmal medienpädagogische Konzepte zu erarbeiten, bevor das Geld ausgeschüttet wird. Mit Augenmaß und Weitblick können wir die Schulen auf individuelle Weise viel besser fördern, da sie digital sehr unterschiedlich aufgestellt sind. Statt einfach per Gießkanne Geld zu verteilen, muss mit sinnvoller Planung an das Thema herangegangen werden.”

Trotz Augenmaß und Weitblick sollten sich Politik und Verwaltung nicht allzu viel Zeit nehmen, denn 93 Prozent der Schüler sehen den Unterricht als besser und interessanter an, wenn er mithilft von digitalen Medien durchgeführt wird. Dem gegenüber stehen lediglich sechs Prozent, die sich einen Unterricht ohne digitale Hilfsmittel wünschen. Vor allem sehen die Schüler einen Vorteil darin, dass in einer digital unterstützten Schule besser auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Schüler eingegangen werden kann.

Medienkompetenz muss gestärkt werden

Inhaltlich wollen die Schüler vorrangig über rechtliche und moralische Fragen, also bspw. Urheberrecht, Datenschutz und richtiges Verhalten im Netz unterrichtet werden. Stattdessen wird heutzutage vor allem die richtige und sichere Nutzung von Technik sowie Medienkompetenz und die Nutzung des Internets als Rechercheinstrument gelehrt – Themen, die die Schüler ganz unten auf der Liste haben. Hier fühlen sie sich sicher, vertrauen aber laut der Studie vor allem manipulierbaren Plattformen wie Online-Enzyklopädien oder den Ergebnissen von Suchmaschinen sowie Sozialen Medien. Daher sieht Hubig gerade die Vermittlung von Medienkompetenz als essenziell an: “Wenn Wikipedia bei den Schülern mehr Vertrauen genießt als Journalisten, dann ist es extrem wichtig, Medienkompetenz zu vermitteln. Das hat auch mit Demokratiebildung zu tun. In Zeiten von Fake News und anderen Manipulationselementen muss den Schülern der Wert von Meinungsfreiheit sowie freier Presse besonders deutlich gemacht werden.”

Abschließend zeigt die Studie noch, dass die Schüler zwar an vielen Punkten unzufrieden mit der digitalen Ausstattung und den digitalen Lehrmöglichkeiten sind, den Lehrern stellen die Jugendlichen aber ein durchweg positives Zeugnis aus. So stehe die Lehrerschaft dem Thema Digitalisierung laut der Umfrage sehr positiv gegenüber und bringe zudem ein gutes Wissensfundament mit. Auf diesem könne und müsse dringend aufgebaut werden, fordert daher Bitkom-Präsident Achim Berg.

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