Start Ups besser in Vergabeprozesse einbinden

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In Start Ups wird häufig etwas anders gearbeitet als in konventionellen Arbeitsformen. Agile und schnell skalierbare Methoden helfen zwar einerseits dabei, innovative Projekte voranzutreiben, allerdings hemmen sie die Verantwortlichen oft, diese nach den althergebrachten Vergaberichtlinien in der Verwaltung an den Mann zu bringen. (Foto: BS/StartupStockPhotos /www.pixabay.com)

In der Theorie könnte es ein fruchtbarer Austausch sein: Während innovative Technologieunternehmen aus dem Start Up-Bereich der Verwaltung dringend benötigte Digitalisierungsschübe bringen könnten, könnten sie selbst durch die neuen Kunden wachsen und finanzielle Sicherheit gewinnen. Die Praxis sieht aktuell jedoch anders aus, denn der Zugang zum Markt der öffentlichen Verwaltung ist durch aktuelle Vergabeverfahren für Start Ups mehr oder weniger vollständig blockiert. Um das zu ändern, hat der Digitalverband Bitkom sieben Ideenansätze veröffentlicht, um Verwaltung und Start Ups besser zusammenzubringen.

Obwohl die öffentliche Hand in Deutschland jedes Jahr schätzungsweise mehr als 30 Milliarden Euro in IT und Kommunikation investiert, zeigt die Corona-Krise aktuell ganz deutlich auf, dass vieles in Staat und Verwaltung noch nicht ausreichend digitalisiert ist und man noch viel zu sehr in analogen Strukturen festhängt. Um eine vorbildlich digitalisierte Verwaltung zu erreichen, nimmt Bitkom-Präsident Achim Berg daher die Legislative in die Pflicht: “Die Politik muss Vorreiter bei der Zusammenarbeit mit Startups werden. Wenn es gelingt, die Vergabe an Startups auszuweiten, dann profitieren davon ganz direkt die jungen, innovativen Unternehmen. Aber wir werden auf diese Weise auch unsere Verwaltung massiv modernisieren und ihr einen Digitalisierungsschub verleihen”, so Berg

In seinem neu veröffentlichten Vorschlagskatalog “7 Punkte für mehr Startups in der öffentlichen Vergabe” empfiehlt der Bitkom daher folgende Maßnahmen, damit Start Ups dauerhaft stärker an Vergabeverfahren beteiligt werden:

1. Anwendung bestehender innovativer Vergabekriterien und -verfahren: Der Bitkom fordert, dass u.a. die Anzahl der geforderten Projektreferenzen gesenkt sowie die Wirtschaftlichkeitskriterien verhältnismäßig angesetzt werden müssten. Zudem sollten bestehende, aber nur selten genutzte Instrumente wie die Innovationspartnerschaft oder die Mittelstandsklausel häufiger angewendet werden.

2. Schaffung weiterer innovationsfreundlicher Vergabekriterien: Als generelles Eignungskriterium der Vergabe müsse eine Innovationsprämie eingeführt werden. So lässt sich sicherstellen, dass der Zuschlag an denjenigen gehen könne, der nicht nur eine preiswerte, sondern auch eine nachhaltige und zukunftsfähige Leistung biete.

3. Harmonisierung des Rechtsrahmens: Für Start Ups mit begrenzten Ressourcen sieht der Bitkom die Vielzahl an unterschiedlichen Vorgaben und der rechtliche Flickenteppich als erhebliche Herausforderung und gleichzeitig als Wettbewerbsnachteil gegenüber großen, etablierten Akteuren der Branche. Aus diesem Grund müsse der Rechtsrahmen bundesweit harmonisiert werden.

4. Fachliche Professionalisierung und Stärkung der Beschaffungsverantwortlichen: Für die Beschaffungsstellen fordert der Bitkom ausreichende Ressourcen sowie das entsprechende Fachwissen, um neue und im ersten Schritt aufwendigere Vergabeverfahren, wie etwa Markterkundungen, durchführen zu können. Daneben sollte es für Beschaffer einen bundesweiten Erfahrungsaustausch über Vorzeigebeispiele geben.

5. Gezielte Schulung, Unterstützung und Vernetzung von Start Ups: Nicht nur die Verwaltung soll sich anpassen. So müssten Start Ups, die häufig nur Kunden aus der Privatwirtschaft haben, für die Beteiligung an Vergabeverfahren geschult und fortgebildet werden. Zudem sollten Verwaltungen und Start Ups besser vernetzt und der Austausch gefördert werden, damit die Ausschreibungen auch wirklich ankommen können. Start Ups, die sich auf die öffentliche Hand konzentrieren – sogenannte GovTechs – sollten außerdem mit einem eigenen Wagniskapitalfonds unterstützt werden.

6. Bürokratieabbau und Digitalisierung im Vergabeverfahren: Aktuell gibt es bei Bund und Ländern 22 Vergabeplattformen. Für Start Ups sei es fast unmöglich, sie alle im Blick zu haben. Der angekündigte übergreifende eVergabe-Standard „XVergabe“, durch den die Unternehmen einen einheitlichen Zugang zu allen Ausschreibungen nutzen können, müsse deshalb mit hohem Tempo umgesetzt werden.

7. Vollständige Transparenz im Vergabeverfahren schaffen: Bislang führen Formfehler zu einem Ausschluss aus dem Vergabeverfahren. Gerade mit Blick auf Start Ups sollte die Verwaltung Bieter auf offensichtliche Formfehler hinweisen können und ihnen die Möglichkeit zur Nachbesserung geben. Zudem wäre es gerade für Start Ups wichtig, ein Feedback bei nicht gewonnenen Ausschreibungen zu bekommen, damit sie ihre Angebote verbessern, aus Fehlern lernen und besser verstehen könnten, welche Ausschreibungen für sie interessant sind.

Das Vorschlagspapier “7 Punkte für mehr Startups in der öffentlichen Vergabe” steht unter diesem Link kostenfrei zum Download bereit.

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