Neues Zentrum für Laubholzforschung

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Ob Erdöl, Waschmittel oder Polyester – aus Holzfasern können eine ganze Palette von Produkten gewonnen werden, die die Umwelt nachhaltig schonen würden. (Foto: BS/Kapa65/www.pixabay.com)

Im baden-württembergischen Lenninger Tal ist in dieser Woche ein neues Forschungszentrum gegründet worden, in dem zukünftig klimafreundliche und nachhaltige Materialen aus Laubholz entwickelt werden sollen. Rund um den neu zu erbauenden Forschungscampus der neuen “Technikum Laubholz GmbH” soll daher eine Nachhaltigkeitsregion à la Silicon Valley entstehen – mit Fokus auf Holz statt Computertechnik.

Sobald es eingerichtet ist, soll das entstehende Technikum Laubholz zukünftig mit allen wichtigen Einrichtungen der Spitzenforschung sowie auch mit Akteuren aus Industrie und Maschinenbau zusammenarbeiten. Die Ansiedlung und Bündelung der Forschungskapazität in Lenningen sei das Ergebnis einer umfassenden Analyse aller denkbaren Standorte in Baden-Württemberg, so der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz des Landes Baden-Württemberg, Peter Hauk. Für ihn “liegt im engen Austausch der verschiedenen Forschungsfelder um die Laubhölzer die besondere Chance, ganz neue Ideen und Produkte rasch in den Markt zu bekommen. Nur dadurch können wir auch ambitionierte junge Forschende in der Biotechnologie im Land halten oder nach Baden-Württemberg einladen. Wir ergänzen mit dem Technikum die Grundlagenforschung und schließen die bestehende Lücke hin zur industriellen Fertigung aus Holzbasis”.

An Kreisläufen und Umweltverträglichkeit ausgerichtete Zukunftstechnologie

Das Land, das sich bereits heute als bundesweiter “Vorreiter beim klimafreundlichen Bauen mit Holz” sieht, will mit dem neuen Campus einen Hotspot der biologischen Zukunftsforschung schaffen: “Mit unserem Technikum Laubholz gehen wir nun einen großen Schritt weiter in der klimafreundlichen Ausrichtung der Biotechnologie des Landes. Wir führen am Standort der ehemaligen Papierfabrik Scheufelen die Spitzenforschung auf Laubholzbasis zusammen”, freut sich der Minister anlässlich der Gründung der landeseigenen Technikum Laubholz GmbH. Mit dieser hat man große Ziele, für die man sich an der großen Institution des Innovationsdenkens orientieren will: “Wir werden im Lenninger Tal einen Forschungscampus errichten, der klimafreundliche Materialien aus Laubholz entwickelt, die beispielweise erdölbasierte Kunststoffe ersetzen können. Zusammen mit den zahlreichen Forschungseinrichtungen und Unternehmen soll in der Region ein ‚wood based valley‘ entstehen”, so Hauk. Damit werde vom Land eine vorbildliche, an Kreisläufen und Umweltverträglichkeit ausgerichtete Zukunftstechnologie vorangetrieben.

Insgesamt acht Forschungsfelder

Die Forschung soll aber nicht nur regional ablaufen, sondern internationale Forschungsakteure mit einbeziehen. Um diesen Gemeinschaftsgedanken von Anfang an zu leben, habe das Land im Rahmen einer breit angelegten Studie die europaweit wichtigsten Einrichtungen der holzbasierten Forschung in die Konzeption des Technikums eingebunden. Dabei wurden insgesamt acht Forschungsfelder herausgearbeitet, die sich laut den Gründern besonders zur technologischen Weiterentwicklung, konzentriert an einem Technologiestandort, eignen. Zu diesen Forschungsfeldern gehöre beispielsweise die Entwicklung von holzbasierten Textilfasern statt Baumwolle und Plastik oder von Biotensiden für Waschmittel aus Laubholz statt aus Erdöl. “Aus verschiedensten Forschungsergebnissen der Hochschulen und Institute im Land sollen in Lenningen rasch industriereife Produkte aus Laubholzfasern entstehen. Zu den ersten Produkten werden holzbasierte Carbonfasern für den Leichtbau und die klimaneutrale Mobilität gehören, aber auch nachwachsende Verpackungen insbesondere für Lebensmittel, die heute noch auf der Basis von Erdöl ein weltweites Plastikproblem für die Umwelt darstellen”, so Minister Hauk. Erste Erfolge mit konkreten Produkten sollen in etwa drei bis vier Jahren präsentiert werden können.

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