Umfrage zeigt: Nachholbedarf bei OZG-Umsetzung

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Die Umfrageergebnisse offenbaren enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Verwaltungsebenen. (Quelle: Infora)

Weniger als zwei Jahre bleiben dem Öffentlichen Dienst bis zu der vom Onlinezugangsgesetz (OZG) verhängten Frist Ende des Jahres 2022. Doch wie stufen die Verwaltungsmitarbeiter selbst den derzeitigen Digitalisierungsstand ein? Eine Umfrage der Beratungsfirmen Materna Information & Communications SE und Infora GmbH zeichnet ein gespaltenes Bild, denn während der Bund vorangeht, befinden sich auf kommunaler Ebene noch zahlreiche Vorhaben im Anfangsstadium.

Die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen muss beschleunigt werden, so die Bilanz einer Umfrage des IT-Beratungshauses Infora, eines Tochterunternehmens der Materna Information & Communications SE, unter knapp 60 Experten der öffentlichen Verwaltung im Rahmen der Berliner Anwendertage im Februar 2020. So sind laut Einschätzung der Umfrageteilnehmer gerade einmal 34 Prozent aller 575 OZG-Leistungsbündel inzwischen über digitale Kanäle verfügbar. Für die Einzelbetrachtung von Bund, Ländern und Kommunen ergibt sich nochmals ein differenzierteres Bild. Denn vor allem fördern die Umfrageergebnisse zu Tage, dass im föderalen Deutschland mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten digitalisiert wird. Weit voraus ist der Bund, bei dem laut Umfrageteilnehmer bisher 55 Prozent aller OZG-Leistungen bereits umgesetzt wurden; dahinter bewegen sich die Länder mit 38 Prozent. Das Schlusslicht bilden die Kommunen, die lediglich 12 Prozent aller vom OZG eingeforderten Leistungen digitalisiert haben. 

Fokus auf Nutzerfreundlichkeit

Über die Einschätzung der aktuellen Lage hinaus gaben die Befragten Einblick in ihre Gewichtung möglicher Erfolgsfaktoren bei der OZG-Umsetzung. Hohe Bedeutung messen die Teilnehmer etwa dem Aspekt der Nutzerfreundlichkeit zu: So gaben 68 Prozent der befragten Verwaltungsexperten an, dass ein unkomplizierter Kontakt zu Bürgern und Unternehmen von besonderer Relevanz bei der OZG-Umsetzung sei. Als bedenklich stufen die Umfragemacher indes die Geringschätzung von Datenschutz und IT-Sicherheit ein, die lediglich 34 Prozent der Teilnehmer für wichtig erachten.   

Ferner rückt die Befragung den Stellenwert weicher Faktoren in den Blick, die sich bei der OZG-Umsetzung als Zünglein an der Waage erweisen könnten. Stattliche 83 Prozent identifizierten als größte organisatorische Herausforderung das Akzeptanzmanagement, 71 Prozent votierten für die Organisationskultur. Nahezu einig zeigten sich die Befragten hinsichtlich der Notwendigkeit, die eigenen Personalbedarfe nach Qualität und Quantität überprüfen und anpassen zu können.

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