Große Skepsis gegenüber Mobilfunkmasten

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Gemischte Gefühle: Zwar wollen viele Bürger schnelles Internet, allerdings fürchten viele um die gesundheitsschädigende Wirkung elektromagnetischer Strahlen. (Foto: MikeGoad/pixabay.com)

Derzeit arbeiten die Netzbetreiber akribisch an der Umrüstung auf den neuen Mobilfunkstandard 5G. Doch steht der Ausbau vor einem Dilemma: Zwar wollen Bürgerinnen und Bürger möglichst schnell Surfen, geht es jedoch um die Bereitstellung der technischen Infrastruktur, stellen sich viele quer. Wie eine repräsentative Umfrage des Digitalverbandes Bitkom ergeben hat, sind von 1.000 befragten Bundesbürgern sogar 48 Prozent gegen die Aufstellung von weiteren Funkmasten. Grund sind meist Ängste vor der gesundheitsschädigenden Wirkung elektromagnetischer Strahlen.   

Bürgerinnen und Bürger sind gespalten, wenn es um den Ausbau der Mobilfunknetze geht – so das Ergebnis einer vom Digitalverband Bitkom in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage. Zwar nutzen 86 Prozent der Bevölkerung ein Handy oder Smartphone, das entspricht 143 Millionen aktivierten SIM-Karten, dennoch sprachen sich 48 Prozent der Befragten gegen den Bau von Funkmasten aus. Der Grund: gesundheitliche Bedenken. So gab beinahe jeder Zweite an, die Auswirkungen elektromagnetischer Felder zu fürchten. Die Ängste beziehen sich nicht allein auf Mobilfunktechnik, sondern umschließen neben Mikrowellen, denen 27 Prozent misstrauen, auch andere heimische Elektroinstallationen, denen 24 Prozent eine gesundheitsschädigende Wirkung attestieren.

Mancherorts stößt der Gedanke an den Netzausbau in unmittelbarer Nähe des eigenen Zuhauses gar auf politischen Unwillen. Unter den Befragten gaben 43 Prozent an, einen Bürgerprotest starten zu wollen, sollte ein Mobilfunkmast in direkter Umgebung errichtet werden. Ebenso viele teilten mit, aus ihrer Wohnung ausziehen zu wollen, sofern der Vermieter der Montage einer Funkantenne am Haus zustimmen sollte. Weitere 25 Prozent befürworteten zwar die Modernisierung des Netzes, jedoch nicht in unmittelbarer Nähe der eignen vier Wände. Lediglich 33 Prozent erklärten sich bereit, für den Netzausbau privates Gelände zur Verfügung stellen zu wollen.

Akzeptanz ausweiten

“Die Menschen wollen die besten, schnellsten und sichersten Netze. Aber wenn es darum geht, Funkmasten aufzustellen, machen viele die Luken dicht”, kommentiert der Präsident des Bitkom, Achim Berg, die ausgeprägte Skepsis innerhalb der Bevölkerung. Dabei sei die Diskussion über vermeintliche Gesundheitsschäden mobiler Telefonie inzwischen so alt wie das Handy selbst. Verantwortlich macht Berg diffuse Ängste, die mit jeder neuen Mobilfunkgeneration neu aufgelegt würden. Gegen ein medizinisches Risiko spreche dagegen eine Legion wissenschaftlicher Studien, die alle belegten, dass unterhalb der definierten Grenzwerte keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigung zu befürchten sei. Um die Ängste aufseiten der Bürgerinnen und Bürger zu verringern, fordert Berg eine Informationsoffensive, die bestehende Vorurteile abbaue, indem unseriöse Quellen durch faktenbasierte Informationen entkräftet werden. Erfreulich sei, dass die Bundesregierung in dieser Richtung bereits eine Initiative angestoßen habe: “Die Menschen müssen in die Lage versetzt werden, sich ein eigenes Bild über die Wirkungen von Mobilfunk zu machen. Nicht nur in Deutschland gehen zu viele Verbraucher den Verschwörungstheoretikern auf den Leim.”

Insgesamt brauche es eine verständlichere Darstellung der Faktenlage. Ob nun im Rahmen öffentlichkeitswirksamer Veranstaltungsformate oder in Form einer digitalen Informationsplattform, die von Bund, Ländern und Kommunalen Spitzenverbänden betrieben werde – entscheidend sei eine kommunikative Aufarbeitung gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern. Ferner schlägt der Branchenverband vor, Mobilfunkvereinbarungen zwischen Kommunen und Netzbetreibern in Gestalt eines professionellen Dialogs fortzusetzen. Gleiches gelte für die Bestimmung neuer Maststandorte, die kooperativ – gemeinsam mit den Kräften vor Ort – identifiziert werden müssten.

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