Thüringer-Cloud bewährt sich während Corona-Krise

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Staatliche Souveränität statt digitaler Abhängigkeit: Thüringens CIO, Dr. Hartmut Schubert, will auf Open-Source basierende Cloud-Dienste künftig noch intensiver für die Verwaltungsarbeit nutzbar machen. (Foto: geralt/pixabay.com)

Um die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie einzudämmen, sind viele Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung inzwischen im Home-Office tätig. Doch erfordert die Arbeit von zu Hause aus schnelle Übertragungswege und eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. Um den gewachsenen Anforderungen während der Krise nachzukommen, hat der Freistaat Thüringen die Kapazitäten des landeseignen Cloud-Dienstes, der Datenaustauschplattform, erweitert. Inzwischen verzeichnet die Cloud knapp 3.300 aktive Nutzerinnen und Nutzer und konnte damit wesentlich zur Aufrechterhaltung der Verwaltungsarbeit beitragen, wie Dr. Hartmut Schubert erklärt. Für den Landes-CIO ist das jedoch nur der Anfang.

Langfristiges Ziel müsse sein, als Staat unabhängig von Software-Herstellern aus dem Ausland auftreten zu können, eigene offene Standards zu setzen und diese auch zu nutzen, erklärt Thüringens CIO und Finanzstaatsekretär, Dr. Hartmut Schubert. Ein positives Beispiel gebe derzeit die Thüringer Datenaustauschplattform, ein auf Open-Source-Technologie basierender Cloud-Dienst, der insgesamt 3.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus allen Teilen der Verwaltung aktuell die Arbeit von zu Hause aus ermögliche. Dessen Nutzerzahlen seien in den letzten drei Monaten um 1.100 registrierte User nach oben geschnellt, heißt es aus dem Finanzministerium. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2018 soll die Zahl bei rund 1.000 aktiven Nutzern gelegen haben.

Seit September 2015 in Betrieb, steht die Datenaustauschplattform grundsätzlich allen Behörden der Landesverwaltung, Thüringer Kommunen und kommunalen Einrichtungen offen; auch Dritten, beispielsweise externen Dienstleistern, ist der Zugriff nach Einladung gestattet. Aufgrund der im Rahmen der COVID-19-Pandemie erlassenen Beschränkungen sowie der damit korrespondierenden Zunahme beim Home-Office wurden die Kapazitäten der Cloud aufgestockt und das System zu einer kollaborativen Plattform erweitert: eine, wie Schubert betont, unabdingbare Voraussetzung, um die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung in Krisen-Zeiten aufrecht zu erhalten: “Zum Ausbau der Heimarbeit haben wir mit der Datenaustauschplattform ein starkes Open-Source Werkzeug an der Hand. Die Thüringer Verwaltungs-Cloud ist von überall für die Nutzer verfügbar und einfach zu bedienen. Große Datenmengen können sicher ausgetauscht werden. So haben wir die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung auch unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Krise aufrechterhalten.”

Cloud-Computing intensiver nutzen

Für Schubert ist das aber nur der Anfang. Er plädiert dafür, die Vorteile der Cloud-Technologie künftig noch intensiver für die Verwaltungsarbeit nutzbar zu machen. Ein zentraler Betrieb, eine engere Kooperation sowie eine gemeinsame Datenhaltung und -kontrolle könnten die Arbeit in der öffentlichen Verwaltung insgesamt auf ein neues Level heben, so der Landes-CIO. Entscheidend sei, die entsprechenden Weichen rechtzeitig zu stellen, da sonst Abhängigkeiten entstehen könnten, die sich später nur schwer wieder auflösen ließen. Im schlimmsten Fall bestehe sogar die Gefahr, dass, sofern Verwaltungsdaten einmal in den Rechenzentren externer Software-Hersteller verarbeitet würden, ein Wechsel der Technologie gar nicht mehr möglich sei. Das gelte es zu verhindern.

Ziel digitale Souveränität

Statt Abhängigkeit also digitale Souveränität. Eine Möglichkeit zur Prävention sieht Thüringens CIO in einem gemeinsamen Vorgehen von Bund und Ländern, wie es derzeit durch den IT-Planungsrat betrieben werde. “Insofern unterstütze ich das Vorgehen des Bundes und der Länder, jetzt Standards für eine staatliche Cloud-Architektur zu finden und durch die verwaltungseigenen IT-Dienstleister betreiben zu lassen”, sagt Schubert. Auch für die geplante Erweiterung der digitalen Infrastruktur im Freistaat müssten solche Standards unbedingt zur Grundlage werden. Derzeit habe man die Chance, den kommunalen IT-Dienstleister Thüringens mit einer Architektur zu errichten, die sich an den Standards digitaler Souveränität orientiere. Gleiche Maßstäbe müssten auch für die geplante Erweiterung des Thüringer Landesrechenzentrums gelten.

Neue Qualifizierungsformate geplant

Den neuen Standards auf technischer Seite müssten indes auch passende Qualifizierungsformate auf Mitarbeiterseite folgen. Derzeit sei man dabei, die entsprechenden Inhalte für die Ausbildung und das Studium in der Laufbahn des technischen Dienstes in der Verwaltung zu definieren, so Schubert. “Wir brauchen fähige IT-Fachleute in unseren Verwaltungen und den staatlichen Rechenzentren, die neue technische Konzepte auch umsetzen können und als aktive Akteure die Entwicklung mit bestimmen. Gegenwärtig befinden wir uns in intensiven Abstimmungsprozessen mit den Thüringer Hochschulen, um attraktive Ausbildungs- und Studiengänge für Verwaltungsinformatiker anbieten zu können.” Daneben liege der Fokus auch auf der Weiterbildung von Verwaltungsmitarbeitern, die mehr als bisher auf die neuen technischen Entwicklungen angepasst werden müsste.   

Der Behörden Spiegel wird das Thema sichere Arbeit im Home-Office im Rahmen eines Sonderteils in der kommenden Mai-Ausgabe vertiefen.

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