Corona-Krise verstärkt die digitale Kluft

0
803
Während es für die meisten Menschen hierzulande völlig normal ist, im Internet zu surfen und entsprechende Dienstleistungen zu nutzen, können sich viele Leute diesen Luxus bis heute nicht leisten. (Foto: BS/Chronomarchie, pixabay.com)

Eine neu veröffentlichte Studie des Capgemini Research Institute zeigt die verstärkte Spaltung der weltweiten Gesellschaft, wenn es um die digitale Zugehörigkeit geht. In dem Analysepapier mit dem Titel „The Great Digital Divide: Why bringing the digitally excluded online should be a global priority“, (zu deutsch: “Die große digitale Spaltung: Warum es eine globale Priorität sein sollte, die digital Ausgeschlossenen online zu bringen”) wird die gesellschaftliche Notwendigkeit herausgestellt, diese Kluft zwischen Onlinern und Offlinern auf globaler Ebene zu überwinden, um für mehr Fairness in vielen Bereichen von Beruf und Privatleben zu sorgen. Die Verantwortung für die Bekämpfung der digitalen Ausgrenzung sehen die Autoren dabei nicht bei einem einzelnen Akteur. Stattdessen müssten öffentliche und private Organisationen gemeinsam dagegen ankämpfen und daran arbeiten, dass auch die digital ausgegrenzte Bevölkerung einen Zugang zu wesentlichen Dienstleistungen erhält.

Die Studie, für die mehr als 5.000 Menschen aus sechs Ländern befragt wurden, macht dabei klar, dass es mitnichten an einer Ignoranz durch die betroffenen Bevölkerungsgruppen liegt, dass sie keinen oder nur kaum Zugang zur digitalen Welt haben. So lebten bereits vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie mehr als zwei Drittel jener Menschen, die keinen Online-Zugang haben, in Armut. Gleichzeitig wünschen sich aber knapp die Hälfte der digital abgehängten Weltbevölkerung einen Zugang zum Internet. Beide Erkenntnisse sieht das Papier als “Trends, die sich aufgrund der weltweiten Ereignisse der letzten Monate noch verstärkt haben dürften”.

Diese Zahlen zeigen aber auch, dass die digitale Spaltung auch ganz abgesehen von der aktuellen globalen Pandemie enorm ist. Dabei verteilt sich die Kluft aber nicht gleichmäßig, sondern hängt laut der Studie in großem Maße mit Alter, Einkommen und Erfahrung der Menschen zusammen. So ist bei rund 40 Prozent der in Armut lebenden Offline-Bevölkerung der Mangel an finanziellen Ressourcen auch der Hauptgrund, warum sie noch nie im Internet unterwegs waren. Die Altersgruppe mit dem höchsten Anteil an Personen ohne Internetzugang sind die 18- bis 36-Jährigen mit 43 Prozent. Auch hier werden die Kosten für Geräte und Anschluss als Hauptgründe für die Nichtbenutzung des digitalen Raums angegeben. Weitere Gründe sind die Komplexität der Internet-Nutzung und – vor allem bei Frauen und der Generation über 60 – ein Mangel an Interesse, der sich aus Berührungsängsten mit der unbekannten Technologie speist.

Leben ohne Internet grenzt aus

Dabei hat es heutzutage viele Nachteile, sein Leben vollständig ohne digitale Anwesenheit zu verbringen. Ständig offline zu sein, führt es zu sozialer Ausgrenzung und behindert gleichzeitig den Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen. So werden sich zukünftig mit großer Sicherheit Probleme in der Kommunikation zwischen Staat und Bürgern auftun, wenn sich das E-Government und andere öffentliche Digitalangebote weltweit immer stärker durchsetzen und die althergebrachte, analoge Form mehr und mehr verdrängen.

Aber auch die Perspektiven für Bildung und Beruf sehen nicht sonderlich rosig aus. Digitale Einschränkungen hemmen beispielsweise die soziale und berufliche Mobilität. Um all diese Hürden zu überwinden, sieht die Capgemini-Studie die Verantwortung für digitale Inklusion und den Zugang zum Internet bei einer gemeinsamen Anstrengung von Privat- und Staatssektor. So müssten sich private Organisationen einerseits mit ihrer Rolle in der heutigen Welt auseinandersetzen und “umfassender prüfen, wie sie langfristig ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten können, indem sie digitale Inklusion und Gleichberechtigung in ihre Geschäftsstrategie integrieren”. Auf der anderen Seite seien aber auch Staat und Politik gefragt. Sie müssten “eine führende Rolle bei der Ermöglichung von Internetzugang und -verfügbarkeit übernehmen, insbesondere für marginalisierte Gruppen. Dies kann auf mehreren Ebenen geschehen – in Form von Internetzugängen im öffentlichen Raum, in Privathaushalten sowie durch den Erwerb von grundlegenden digitalen Fähigkeiten. Das erfordert jedoch, öffentliche Online-Dienste leichter zugänglich zu machen und sicherzustellen, die Kosten für die Verbraucher niedrig zu halten”.

Zentral sind aus Sicht von Capgemini vier zentrale Schlüsselthemen, “um die digitale Kluft zu verringern und eine führende Rolle beim Thema digitale Inklusion einzunehmen”: Zum einen müsse die Digitale Kompetenz gesteigert werden, um gerade digital ausgegrenzten Menschen “mehr Autonomie beim Zugang zu öffentlichen und privaten Online-Dienstleistungen” zu vermitteln und gleichzeitig “neue Bildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu erschließen”. In diese Kerbe schlägt auch das Thema der Digitalen Bildungseinrichtungen und der Technologie für eine positive Zukunft. Hier sollen benachteiligte Bevölkerungsgruppen durch sogenannte “Digital Skills Trainings” gefördert werden und eine gezielte Zusammenarbeit von Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft forciert werden, “um wichtige gesellschaftliche Probleme zu lösen und durch Spitzentechnologien positive Wirkungen zu erzielen”. Das abschließende Schlüsselthema für die Beratungsfirma ist “Thought Leadership”. Hier soll gemeinsam mit Think Tanks, öffentlichen und wissenschaftlichen Institutionen daran gearbeitet werden, die Initiativen im Bereich der digitalen Inklusion weiter voranzutreiben.

Die vollständige Capgemini-Studie zur Digitalen Spaltung findet sich im Dokumentenkanal des Behörden.Blog.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here