Innovation im Krisenmodus

0
708
Im Behörden Spiegel-Webinar wurde diskutiert, wie Behörden sicher mobil arbeiten können. Im Uhrzeigersinn: Sascha Wellershoff (CEO von Virtual Solution), Dr. Sven Egyedy (CTO des Auswärtigen Amts), Manuel Höferlin (MdB, FDP), Benjamin Stiebel (Moderator) (Foto: BS/Proll)

Auch in Behörden wollen und sollen Mitarbeiter mobil arbeiten können. Bisher ging das schleppend voran. Die Bremser sind hohe Sicherheitsanforderungen und interne Beharrkräfte. Geradezu ein rotes Tuch ist für viele Verantwortliche die Idee, Mitarbeiter auf ihren Privatgeräten arbeiten zu lassen. In der Krise zeigt sich: Wenn es sein muss, geht es. Teils sogar in Rekordzeit.

Die Entwicklung zu durchdigitalisierten und mobilen Arbeitsabläufen verfolgt der Bundestagsabgeordnete Manuel Höferlin (FDP) schon lange. Derzeit gebe es besonders viel Bewegung, weil Kontaktbeschränkungen akuten Druck schaffen würden, so der Vorsitzende des Ausschusses Digitale Agenda. Was jetzt normal sei, sei vor wenigen Wochen noch undenkbar gewesen. “Ich würde mir wünschen, dass in Verwaltung, Bildung und Gesellschaft noch viel mehr analoge Abläufe in digitale Prozesse umgewandelt werden”, sagt Höferlin. “So gewinnen wir ein Stück weit Resilienz für Situationen wie jetzt, können aber in vielen Bereich auch dauerhaft effektiver arbeiten.” Nach dem Wiedereinzug der FDP in den Deutschen Bundestag habe sich die Fraktion digital und papierfrei neu aufgestellt. “Das verschafft uns aktuell große Vorteile.” Bei der noch weitgehend papierorientierten Arbeitsweise des Parlaments im Ganzen sieht Höferlin noch Nachholbedarf.

AA digitalisiert in Rekordzeit

Einen zusätzlichen Innovationsschub erlebt das Auswärtige Amt (AA). Schon zu Beginn der Krise seien alle Schalter auf das mobile Arbeiten umgelegt worden, berichtet Dr. Sven Egyedy im Rahmen eines Webinars des Behörden Spiegel. Mitarbeiter des AA könnten nun mit ihren Privatgeräten arbeiten. Eine notwendige Grundsatzentscheidung, die der Chief Technology Officer des AA sich nicht leicht gemacht habe. Zum einen steige der betriebliche Aufwand. “Zum anderen können wir nicht erwarten, dass jeder sein Gerät so pflegt und auf dem neuesten Stand hält, wie aus Sicherheitssicht wünschenswert wäre”, so Egyedy.

Im Eiltempo wurde eine virtuelle Arbeitsplatzumgebung entwickelt, auf die die Mitarbeiter überall auf der Welt mit ihren Geräten zugreifen können. Die Virtualisierungslösung umfasst auch eine Sicherheitsschicht. “Damit können wir die Arbeitsfähigkeit bei angemessener Sicherheit gewährleisten”, sagte der CTO. Umgesetzt wurde das Krisenprojekt neben vielen weiteren auf Grundlage einer Ad-hoc-Risikoabwägung, um schnell und im gegebenen Rechtsrahmen zu Lösungen zu kommen. CTO Egyedy sagt: “Aus den jüngsten Erfahrungen heraus würde ich mir wünschen, dass für neue Technologien Experimentierklauseln gesetzlich normiert werden.” So könne man in kleinem Maßstab und mit geringem Risiko schnell Erfahrungen sammeln und früher und besser von den Chancen der digitalen Entwicklung profitieren. Zurückrudern will das AA übrigens nicht. Nach der Krise wolle man das mobile Arbeiten auf dieser technischen Grundlage weiter anbieten.

Sicherheit und Komfort ­verbinden

Dass es ohne eine solide technische Grundlage nicht geht, betonte auch Sascha Wellershoff, CEO von Virtual Solution. Sonst würden Mitarbeiter zu den Kommunikationswegen greifen, die sie eben kennen. Beliebte Anwendungen wie WhatsApp seien jedoch nicht sicher und datenschutzkonform nutzbar.

“Es braucht im Wesentlichen ein virtuelles Büro, in dem Funktionen wie Messaging, Voice, Mail und Filesharing sicher verwendet werden können. Diese Umgebung muss von der privaten App-Welt des Anwenders klar getrennt und verschlüsselt werden”, so Wellershoff. Die sicherheitsrelevanten Einstellungen für den gekapselten beruflichen Bereich sollten über ein zentrales Management organisationsseitig vorgegeben werden. Die Verbindung zwischen Endgerät und der Infrastruktur sollte über ein Gateway mit Abfrage von Zertifikaten erfolgen. “So lassen sich hohe Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit gut zusammenbringen”, meint Wellershoff.

Die Technik dafür gibt es. Und doch sind die Vorbehalte in vielen Behörden groß. Das Auswärtige Amt hätte in der aktuellen Krise seinen absolut kritischen Aufgaben kaum im notwendigen Maß nachkommen können, hätte es seine IT-Architektur nicht für Privatgeräte geöffnet und dafür in Rekordzeit eine sichere Lösung geschaffen.

Webinare des Behörden Spiegel

Auch die Behörden Spiegel-Gruppe zeigt sich schon seit Beginn der Krise kreativ und anpassungsfähig. Da im Sinne des Gesundheitsschutzes keine Präsenzveranstaltungen möglich sind, bieten Behörden Spiegel, Führungskräfte Forum und Cyber Akademie verstärkt Tagungen, Seminare sowie individuelle Inhouse-Schulungen virtuell an. Allein im April haben über 700 Interessierte an den interaktiven Webinaren teilgenommen.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here