Man sieht sich – per Videokonferenz

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Sich sehen, wenn man sich nicht treffen kann. Videokonferenzen stehen derzeit hoch im Kurs. (Foto: Tumisu, www.pixabay.com)

Der Markt für Videokonferenzsysteme boomt. Zwischen Anforderungen an Stabilität, Funktionsumfang und Sicherheit das richtige System zu finden, ist keine leichte Aufgabe.

Exemplarisch für die Entwicklung steht der Anbieter Zoom. Früher eigentlich nur in Unternehmen bekannt, ist der Name inzwischen im Privatbereich fast synonym zum Begriff Videokonferenz geworden – das hatte vorher nur das zu Microsoft gehörende Skype geschafft. Im Laufe der Corona-Pandemie sind die Nutzerzahlen stetig gestiegen, nach Unternehmensangaben auf mittlerweile über 300 Millionen. Anfang April waren es noch 200 Millionen.

Dabei ist die Konkurrenz groß. Von Videotelefonie-Apps wie Facebooks WhatsApp über Business-orientiert Lösungen wie Cisco Webex bis hin zu umfangreichen Plattformen für die Zusammenarbeit wie Windows Teams. Dazu kommen etliche spezialisierte Marktteilnehmer mit eigenen Angeboten wie ClickMeeting, FastViewer, GoToMeeting, Slack oder TeamViewer. Jitsi ist eine bekannte Open-Source-Variante.

Komfort hui, Sicherheit pfui?

Dass ausgerechnet Zoom so viel Zuwachs und Aufmerksamkeit bekommt, liegt zum einen daran, dass es in der Gratisversion trotz des hohen Nutzeraufkommens als technisch besonders stabil gilt. Funktionen und Teilnehmergrenzen hat das Unternehmen kräftig ausgebaut und setzt ganz auf Komfort.

Zoom machte aber auch wegen erheblicher Datenschutz- und Sicherheitsprobleme von sich Reden. Einige der Missstände sind inzwischen behoben und weitere Sicherheits-Updates angekündigt. Nach wie vor untersagen aber viele Unternehmen und Behörden ihren Mitarbeitern die Verwendung auf den internen Geräten. So das Bundesministerium des Innern (BMI) und das Auswärtige Amt. Ganz bewusst für Zoom hat sich hingegen das Bundesministerium für Umwelt entschieden. Zumindest, um den 11. Petersberger Klimadialog Ende April digital durchzuführen. Die Entscheidung sei nach Tests verschiedener Systeme gefallen. Ausschlaggebend seien Funktionen gewesen, die die virtuelle Durchführung vereinfacht hätten, heißt es aus dem Ministerium. Dazu gehörten die Möglichkeit, externe Teilnehmermikrofone zu steuern, simultanes Dolmetschen anzubieten und andere Videodienste und mobile Endgeräte anzuknüpfen.

Zentrale und individuelle Lösungen

Völlig andere Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz als bei einer öffentlichen Veranstaltung gelten für verwaltungsinterne Besprechungen, zumal wenn über Verschlusssachen gesprochen werden muss. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat jüngst ein umfangreiches Kompendium zum Thema herausgegeben. Für den Geheimschutzbereich erarbeitet die Behörde derzeit außerdem eine konkrete Technische Leitlinie, die bestehende Vorschriften zugeschnitten auf Videokonferenzsysteme zusammenfasst.

Ein für den Geheimhaltungsgrad VS-NfD zugelassener Dienst wird den Bundesbehörden bereits über die Netze des Bundes zur Verfügung gestellt. Der ist Mittel der Wahl für ressortübergreifende Konferenzen. Auch Verbindungen mit den Ländern sind darüber möglich. Während der Pandemie sind die Kapazitäten erweitert worden. Außerdem wurden zur Deckung des aktuellen Bedarfs für die offene Kommunikation Webex und die technologisch ähnliche Lösung TelePresence der Deutschen Telekom beschafft. Genutzt werden innerhalb der Behörden aber auch verschiedene weitere kommerzielle oder eigene Lösungen. Für Videokonferenzen innerhalb des BMI werden Skype for Business und ein interner eigenbetriebener Dienst genutzt.

Das Bundesministerium der Verteidigung verfügt auch über interne Systeme mit Verschlusssachenzulassung für Inhalte der Einstufung VS-NfD und höher. Der zentrale IT-Dienstleister ITZBund im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Finanzen nutzt sowohl für interne als auch für Konferenzen mit externen Kunden Skype for Business.

Ausschüsse versuchen sich

Weitgehend Neuland betritt dieser Tage der Deutsche Bundestag, zumindest was Videokonferenzen in der offiziellen Gremienarbeit betrifft. Mit der jüngsten Änderung der Geschäftsordnung anlässlich der Pandemie wurde den Ausschüssen die Möglichkeit geschaffen, Sitzungen auch digital abzuhalten. Die Bundestagsverwaltung hat dafür Webex-Lizenzen angeschafft. Betrieben wird die Lösung über Telekomserver. Die Umsetzung ging schnell vonstatten, weil das System bereits vorher getestet und vom BSI geprüft worden war. In der ersten Sitzungswoche machten von der Möglichkeit, einzelne Mitglieder digital zuzuschalten, nur drei der 24 ständigen Ausschüsse Gebrauch. Vollständig über das Videokonferenzsystem tagte nur der Ausschuss Digitale Agenda. Ganz bewusst gegen den digitalen Weg hatte sich der Innenausschuss entschieden. Der Grund: Es stand keine technische Lösung zur Verfügung, über die auch über vertrauliche Dinge hätte gesprochen werden können.

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