Corona-App nimmt Form an

0
229
Lange gab es Unstimmigkeiten über die Umsetzung der deutschen Corona-Warn-App. Im Juni soll sie nun fertig werden. (Foto: Mike MacKenzie, CC BY 2.0, www.flickr.com)

Die deutsche Corona-Warn-App soll im Juni kommen. SAP und Telekom haben inzwischen eine erste Version des Server-Backends veröffentlicht. Weitere Komponenten und die App für Android und iOS sollen ebenfalls unter Open-Source-Lizenz veröffentlicht werden. Details zur Funktionsweise haben die Projektverantwortlichen nun bekannt gegeben.

Die deutsche Lösung folgt demnach im Wesentlichen den Vorgaben der Schnittstelle von Apple und Google, dem Exposure Notification Framework. Nutzer und Nutzerinnen erhalten regelmäßig neue, zufällig generierte Kennungen. Über Bluetooth werden Kontakte mit anderen App-Nutzern registriert. Daten werden zunächst lokal auf dem Smart Phone gespeichert. Sobald ein Nutzer seinen Status auf “positiv getestet” stellt, kann er seine Kontakt-Kennungen an die Server übermitteln. Diese schicken dann an Kontakte anonym eine entsprechende Warnung.

Um sich als positiv getestet zu melden, wird eine TAN benötigt. Die sollen die Gesundheitsämter künftig mit dem Testergebnis mitteilen. So wird ausgeschlossen, dass sich Nutzer auf Verdacht melden oder um das System zu sabotieren.

Gefährdungsparameter einstellbar

Die jetzt veröffentlichte Serverkomponente sieht die Möglichkeit vor, Gefährdungsparameter zu justieren. So kann die zuständige Gesundheitsbehörde entscheiden, unter welchen Umständen tatsächlich Warnungen an Kontakte verschickt werden sollen. Neben der Dauer und der Stärke der Bluetooth-Verbindung der Smartphones spielen auch die Dauer zwischen Kontakt und Positiv-Meldung eine Rolle. Ebenfalls kann das individuelle Übertragungsrisiko des Erkrankten berücksichtigt werden. Dieses ergibt sich aus dem Stadium und Verlauf der Infektion.

Dem aktuellen Konzept zufolge soll die App Nutzer auch informieren können, wenn das Ergebnis ihres Tests vorliegt. Dafür wäre allerdings anders als für die anonym umgesetzte Kernfunktion eine persönliche Anmeldung in irgendeiner Form notwendig.
Die Bundesregierung hatte SAP und Telekom nach einigen Streitigkeiten über die geeignete technische Umsetzung und den Datenschutz mit der Entwicklung und dem Betrieb der deutschen Lösung beauftragt. Kritiker aus Bundestag und Wirtschaft monieren die Koordination und die zögerliche Kommunikation im Zusammenhang mit dem Projekt. Einigen dauert die Umsetzung bereits zu lange. Eine alternative von deutschen Start Ups entwickelte Corona-App soll in diesen Tagen in Liechtenstein gestartet werden.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here