COVID-19: Steigerung der Resilienz der Bundeswehr durch Digitalisierung

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Generalleutnant Michael Vetter (Foto: BS/Bundeswehr)

COVID-19 hat vor Augen geführt, wie essenziell es ist, schnell und flexibel auf Krisensituationen reagieren zu können. Alle Bereiche von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, bis hinein in unser privates Lebensumfeld mussten innerhalb kürzester Zeit ihre Arbeitsabläufe, Arbeitsweisen sowie Zusammenarbeitsbeziehungen an diese neue Lage anpassen. Für die Bundeswehr galt es, auch unter diesen veränderten Rahmenbedingungen einsatz- und handlungsfähig zu bleiben. Digitalisierung erweist sich hier als ein entscheidender Erfolgsfaktor. Es gilt: Distanz schafft Sicherheit. Digitalisierung ermöglicht die Fortsetzung des Auftrags auch bei größtmöglicher Auflockerung.

Auch die Bundeswehr musste innerhalb kürzester Zeit die Arbeitsfähigkeit eines großen Teils ihrer Angehörigen außerhalb des originären Arbeitsplatzes dezentral ermöglichen. Die vorhandenen Digitalisierungslösungen der Bundeswehr haben sich dabei zur Bewältigung der Krise gut bewährt. Die Einsatzbereitschaft und Handlungsfähigkeit der Bundeswehr war dauerhaft sichergestellt.

Gleichzeitig wurde aber auch Handlungsbedarf identifiziert. So führte beispielsweise die begrenzte Verfügbarkeit von mobiler IT-Ausstattung dazu, dass durch die notwendigen Maßnahmen zur Auflockerung der Grundbetrieb in der Fläche teilweise eingeschränkt war. Genauso zeigte sich, dass durch die verstärkte Nutzung des Homeoffice sowohl die Anzahl der Telefonleitungen als auch die Bandbreite für den externen Zugang zum IT-System der Bundeswehr ein limitierender Faktor war.

Einmal identifiziert, wurde umgehend an der Behebung der Probleme gearbeitet. Binnen weniger Wochen gelang es, die Anzahl an verfügbaren Zugängen für den Fernzugriff auf das IT-System der Bundeswehr auf 20.000 gleichzeitige Nutzer mehr als zu verdreifachen. Auch wurden die Kapazitäten der Netzübergänge für Telefonie und Internet deutlich erhöht. Gleichzeitig wurden regionale Pools eingerichtet, um auch flächendeckend in Deutschland mobile IT einsetzen zu können. Durch diese Maßnahmen wurde die Kommunikation und der Datentransfer für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundeswehr sicher und zuverlässig ermöglicht – sei es im originären Büro, im Homeoffice oder abgesetzt im Rahmen der Hilfeleistung. Aktuell arbeiten wir an technischen Lösungen, um die Anzahl an mobiler IT-Ausstattung noch weiter zu erhöhen.

Zur Unterstützung des Einsatzkontingents “Hilfeleistung Corona” wurden kurzfristig mehr als 4.000 digitale Handfunkgeräte des einheitlichen Funknetzes für alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) beschafft, die derzeit an die Truppe übergeben werden. Damit wird die Fähigkeit zum Zusammenwirken mit zivilen Einsatzkräften nachhaltig gestärkt.

In dieser Phase der Dauerbelastung des IT-Systems der Bundeswehr gilt es, die Informationssicherheit in der Bundeswehr auf hohem Niveau zu gewährleisten. Insofern bedeutet COVID-19 auch einen “Stresstest” für unsere Informationssicherheitsorganisation, der bislang erfolgreich gemeistert werden konnte. Das System hat sich insgesamt als robust und resilient erwiesen.

Eine Krise zeigt erfahrungsgemäß Handlungsbedarfe schneller auf, lässt sich aber gerade deshalb auch als Chance begreifen. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, fasste dies anlässlich eines Austausches mit den Teilnehmenden des Generalstabs- und Admiralstabslehrganges National am 27. April 2020 treffend zusammen: “Diese Krise ermöglicht uns auch, bestimmte Dinge mit Power nach vorne zu bringen. Wir reden in der Bundeswehr seit über drei Jahren von der Digitalisierung, jetzt zeigt sich deutlich, wo wir welchen Bedarf haben und wie wir Lücken rasch schließen müssen.”

Die Abteilung Cyber/Informationstechnik im BMVg hat im engen Zusammenwirken mit dem Kommando Cyber- und Informationsraum, dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, der BWI GmbH und den Organisationsbereichen in kürzester Zeit Digitalisierungsergebnisse geliefert, die vorher in dieser Geschwindigkeit nur schwer vorstellbar gewesen wären. Damit konnte jedem klar vor Augen geführt werden, dass Digitalisierung einen maßgeblichen Beitrag zur Einsatzbereitschaft der Bundeswehr zu leisten vermag. Digitale Lösungen sind essenzielle Grundlage für die Resilienz der Bundeswehr.

“Wer nicht digitalisiert, verliert” – in diesem Sinne gilt es jetzt, die Digitalisierung konsequent weiter auszubauen.

Autor des Gastbeitrages ist Generalleutnant Michael Vetter, Abteilungsleiter Cyber- und Informationstechnik und Chief Information Officer, Bundesministerium der Verteidigung, Berlin

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