Als hätte sie stattgefunden …

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Einer der Höhepunkte der letzten ILA 2018: Ein Modell der Eurodrohne in Originalgröße (Foto: BS/Portugall)

Wie in Fachkreisen allgemein bekannt sein dürfte, hätte Mitte Mai die diesjährige Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin stattfinden sollen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste dieses in Deutschland einmalige Messe-Event – vernünftigerweise – abgesagt werden. Um unserer Leserschaft die wichtigsten Themen nicht vorzuenthalten, erscheint dieser Newsletter als Post-ILA-Sonderausgabe.

Unter den Starrflüglern wären sicherlich die wichtigsten Zukunftsthemen die Eurodrohne und das “Future Combat Air System” (FCAS) gewesen. Die damalige deutsche Verteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen besichtigte zusammen mit ihrer französischen Amtskollegin Florence Parly bei der ILA 2018 unter anderem das am Airbus-Stand erstmals öffentlich gezeigte Modell im Maßstab 1:1 der künftigen “Eurodrohne” – in der Langfassung das European MALE RPAS (“Medium-Altitude, Long-Endurance Remotely Piloted Air System”).

Die Entwicklung der Eurodrohne geht auf einen Vorschlag der OCCAR (“Organisation Conjointe de Coopération en Matière d’Armement”) zurück. Im Mai 2015 wurde von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Entwicklung unterzeichnet. Industrieseitig befindet sich Airbus Defence and Space im Lead; außerdem sind Dassault und Leonardo an dem Projekt beteiligt. Nach bisheriger Planung soll bereits 2025 die Serienreife der Eurodrohne vorliegen.

Noch deutlich langfristiger angelegt ist das FCAS-Projekt. Ab etwa 2040 soll dieses komplett vernetzte “System of Sytems” die Mehrzweckkampfflugzeuge Eurofighter (Deutschland und Spanien) sowie “Rafale” (Frankreich) ersetzen. Hier befindet sich industrieseitig Dassault Aviation im Lead. Allerdings: Neben dem FCAS-Konzept für einen Tarnkappenjet der 6. Generation sind Großbritannien (BAE Systems), Italien (Leonardo) und Schweden (Saab) mit dem Konkurrenzprojekt “Tempest” an den Start gegangen.

Da Eurodrohne und FCAS entsprechend langfristig angelegt sind, befindet sich das BMVg auf der Suche nach “Brückenlösungen” für beide Vorhaben. Als Ersatz für die in die Jahre gekommene unbewaffnete Aufklärungsdrohne “Heron 1” von Israel Aerospace Industries (IAI) least die Bundeswehr die modernere “Heron TP”. Innerhalb der Bundesregierung ist jedoch umstritten, ob die neue IAI-Drohne bewaffnet genutzt werden soll. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD eine “ausführliche völkerrechtliche, verfassungsrechtliche und ethische” Prüfung dieser Frage verabredet. Die entsprechenden Anhörungen im BMVg und darüber hinaus haben mittlerweile begonnen.

Bei der anderen angestrebten “Brückenlösung” geht es um die Nachfolge des Mehrzweckkampfflugzeuges “Tornado” der 4. Generation. Seit rund 40 Jahren fliegt die hiesige Luftwaffe den MRCA (“Multi-Role Combat Aircraft”) “Tornado”, der von Deutschland (Cassidian), Großbritannien (BAE Systems) und Italien (Alenia Aeronautica) entwickelt worden ist. Laut Verteidigungsministerium will die Bundeswehr ab 2025 mit der Beschaffung eines Nachfolgers beginnen.

Nach diesen Überlegungen sollen zwei Drittel aus Europa (Eurofighter der gleichnamigen Jagdflugzeug GmbH) und ein Drittel aus den USA (“Super Hornet” von Boeing) gekauft werden – beide aus der Kampfflugzeug-Generation “4+”. Der vom BMVg erarbeitete Gesamtvorschlag sieht vor, bis zu 93 Eurofighter der neuesten Tranche für die deutsche Luftwaffe zu beschaffen. Spezielle Fähigkeiten im Rahmen der “nuklearen Teilhabe” der NATO und für den luftgestützten elektronischen Kampf (EloKa) sollen interimsweise durch einen weiteren Flugzeugtyp von Boeing ersetzt werden: 30 F/A-18E/F “Super Hornets” (nukleare Teilhabe) und 15 EA-18G “Growlers” (EloKa).

Der US-Konzern zeigte auf der letzten Berlin Air Show 2018 unter anderem mit einer F/A-18E “Super Hornet” der U.S. Navy Flagge – allerdings nur als “Static Display”. Der Eurofighter der Bundeswehr hingegen ist Dauergast auf der ILA – sowohl am Boden als auch in der Luft.

Immer wieder ins Gespräch kommt auch die F-35A “Lightning II” von Lockheed Martin, ein Tarnkappen-Mehrzweckjet der 5. Generation.

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