Deutlich höhere Ausgaben

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Die Hubschrauber der ADAC Luftrettung (Foto) waren trotz Corona-Krise uneingeschränkt einsatzfähig. (Foto: BS/Andreas Trojak, CC BY 2.0, www.flickr.com)

Bei der gemeinnützigen ADAC Luftrettung sind angesichts der Corona-Pandemie die Ausgaben für Schutzmaßnahmen und -ausrüstung der Beschäftigten massiv angestiegen. Wurden für Schutzanzüge, -masken, -brillen und Desinfektionsmittel in der Vergangenheit rund 20.000 Euro jährlich ausgegeben, waren es aktuell etwa 1,2 Millionen Euro.

Dazu meint der Geschäftsführer der ADAC Luftrettung, Frédéric Bruder: “Die Investition hat sich ausgezahlt. Wegen Corona-Infektionen ist es noch zu keinen Einschränkungen der Einsatzbereitschaft gekommen.” Auch wenn das Virus die Verantwortlichen weiterhin vor große Herausforderungen stelle, sei es gelungen, die Luftrettung in Deutschland ohne signifikante Einschränkungen operativ zu halten. Dadurch hätte auch die notfallmedizinische Versorgung der Bürger in Deutschland uneingeschränkt aufrechterhalten werden können.

Weniger, aber zeitaufwändigere Einsätze

Bruder berichtet: “In der Virus-Hochzeit von Mitte März bis Mitte Mai hatten wir rund 350 “Corona-Einsätze” mit gesichertem Befund oder Verdachtsfall.” Bei jedem Zehnten habe es sich um einen Spezialeinsatz mit Patientenverlegung von einer Klinik in die andere gehandelt. “Die Hälfte dieser Spezialtransporte verbuchte “Christoph 112″, der erste bundesweit alarmierbare Rettungshubschrauber, den wir mitten in der Krise innerhalb von nur wenigen Tagen in Ludwigshafen bereitgestellt haben”, so Bruder weiter. In Pandemie-Zeiten sei die Gesamtzahl der Einsätze zwar zurückgegangen. Die absolvierten Alarmierungen seien aber deutlich zeitaufwändiger und anspruchsvoller gewesen.

Des Weiteren erläutert der Geschäftsführer: “Um die Crews optimal vorzubereiten, haben wir außerdem einen Corona-Transport nachgestellt und als Schulungsvideo an alle Stationen verschickt.” Auf Bitten der Innenministerien Bayerns, Hessens und von Rheinland-Pfalz habe die ADAC Luftrettung zudem deren Polizeihubschrauberstaffeln zu den besonderen Hygienemaßnahmen bei Infektionstransporten geschult.

Keine EpiShuttles

Eine bewusste Entscheidung gegen ihren Einsatz sei in Bezug auf bestimmte Isolationskammern gefallen. Diese sogenannten EpiShuttles, die umgangssprachlich auch als “Schneewittchensärge” bezeichnet werden, wurden ursprünglich für den Transport von Ebola-Patienten in Ambulanzflugzeugen entwickelt. Bruder erzählt: “Wir haben sie real getestet und damit umfangreiche Übungen gemacht und uns nach eingehender Prüfung vor allem mit Blick auf die Patientensicherheit sowie die Anwendbarkeit im Luftrettungsdienst gegen sie ausgesprochen.”

Man habe sie sogar als potenziell kritisch bewertet. Denn wenn sich der Zustand des Patienten verschlechtere, sei die Behandlung innerhalb der Isolationskammer nur sehr eingeschränkt möglich und bringe erhebliche Nachteile mit sich. Selbst in größeren Hubschraubern sei es zu eng, um den Patienten durch die vorhandenen Öffnungen von allen Seiten aus zu behandeln. Hinzu kommt laut Bruder: “Bei schweren Komplikationen wie einer Reanimation muss der Hubschrauber sofort landen, um die Box auszuladen.” Es gebe folglich auch keinen Zeitvorteil gegenüber konventionellen Transporten auf dem Luftweg.

1 Kommentar

  1. Die Erfahrungen mit den „Schneewittchensärgen“ sind nicht neu – ein Blick in die Geschichte hätte sich gelohnt. Zu Beginn des zweiten Jahrzehnts unseres Jahrunderts wurde das „Barrier Nursing“ eingeführt und die „Särge“ abgeschafft! Aus eben jenem Grunde mangelnder Behandlungsmöglichkeiten, wenn es „Knopf auf spitz“ zugeht. Fragt einfach mal die Alten…

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