Unter Hochdruck erfolgreich!

0
348
GenMaj Dr. M. Färber (Foto: BS/Bundeswehr)

Sichere, mobile und personalisierte IT- Ausstattung beschäftigt die Bundeswehr schon länger. Mit dem Aufkommen der “Corona-Krise” hat dieses Thema jedoch noch einmal deutlich an Bedeutung gewonnen. Und das nicht nur in der Bundeswehr, sondern auch in anderen staatlichen Institutionen, in der Wirtschaft wie auch im privaten Bereich. Es handelt sich also um ein gesamtgesellschaftliches Thema.

Die Bundeswehr selbst hat in kurzer Zeit beträchtliche Reserven an IT-Ausstattung zum mobilen Arbeiten zusammengefasst, die in Zuständigkeit der jeweiligen regionalen Führungsstäbe an Truppenteile ausgegeben wurden, die konkrete Amtshilfeleistungen zu erbringen hatten. Ferner wurden innerhalb kürzester Zeit rund 5.000 Endgeräte wie Smartphones oder Tablets bereitgestellt. Ergänzend wurde eine umfassende Folgebeschaffung eingeleitet.

Intern blieb es dabei aber nicht: mit einer erheblichen Erweiterung des Lizenzumfangs für den Messenger “StashCat” (jetzt BwChat) und der Implementierung einer VPN-Lösung als vorübergehender Möglichkeit zum mobilen Arbeiten wurden rasch Ansätze gefunden, dem erhöhten Bedarf für mobiles Arbeiten im Homeoffice mit entsprechenden Kommunikationswegen Rechnung zu tragen.

Die “Auflockerung” der Beschäftigten des KdoITBw und der nachgeordneten Dienststellen zur Verringerung des Infektionsrisikos – also die Möglichkeit, dezentral zu arbeiten – muss allerdings mit dem Erhalt der Führungs- und Arbeitsfähigkeit für die weltweit laufenden Einsätze einhergehen. Dies kommt zwar der sprichwörtlichen Quadratur des Kreises nahe, ist aber selbst bei der sehr kurzen Vorlaufzeit im Großen und Ganzen ganz gut gelungen. Dennoch bleibt Raum für weitere Verbesserungen: Informationen und Dokumente der Einstufung VS-NfD können noch nicht allen in das Homeoffice “entlassenen” Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern medienbruchfrei zur Verfügung gestellt werden. Dem kann einerseits mit einer genauen Prüfung begegnet werden, ob eine Information auch wirklich diese Einstufung erforderlich macht; andererseits helfen flexible Arbeitszeitmodelle, die Präsenz von Beschäftigten so zu gestalten, dass alle die benötigten Informationen und Dokumente innerhalb eines vernünftigen Zeitrahmens erhalten.

Ähnlich verhält es sich mit Videokonferenzen: Auch hier ist noch nicht jeder Service für alle berechtigten Nutzerinnen und Nutzer so verfügbar, dass VS-NfD eingestufte Inhalte erörtert werden könnten. Eine “bring your own device”-Lösung, wie sie oftmals in zivilen Institutionen und Unternehmen diskutiert wird, scheint dabei für die Bundeswehr kaum anwendbar. Die geltenden Vorschriften und Regelungen legen hier – zu Recht – einen strengen Maßstab an. Bei aller Euphorie über die technischen Möglichkeiten darf nicht vergessen werden, dass die Informationen, mit denen wir arbeiten, auch für Unbefugte von großem Interesse sind und aus diesem Grunde ein entsprechend schützenswertes Gut darstellen.

Die letzten großen Hackerangriffe auf Institutionen wie z.B. den Deutschen Bundestag und die vermehrten Aktivitäten und Fähigkeiten anderer Staaten mahnen zur Vorsicht. Zu groß ist die Gefahr, dass sich, bei aller berechtigten Zuversicht, Lücken mit fatalen Folgen für die gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge auftun. Für jede neue Lösung wird folgerichtig immer auch die Freigabe durch das BSI angestrebt.

Nicht zuletzt gilt es, die Menschen auf dem Weg in einen grundlegend geänderten Arbeitsalltag mitzunehmen: Verwaiste Besprechungs- und Sozialräume, individuelles Arbeiten am Rechner, Arbeitszeiten nach neuen Modellen. Hier gilt es sicherzustellen, dass sich die gebotene räumliche Distanz nicht als schädlich für die tägliche Zusammenarbeit – und auch den Zusammenhalt – erweist. In diesen Zusammenhang gehören auch Überlegungen zu einer schrittweisen Rückkehr zum Normalbetrieb, sobald dies möglich ist. Angesichts einer potenziellen zweiten COVID-19-Welle muss ein Notfallplan für den Grundbetrieb entwickelt, implementiert, aktuell gehalten und permanent im Sinne von “best practices” überprüft werden.

Zum Schluss noch ein kurzer Ausblick auf die weiteren Entwicklungen, die mittlerweile angestoßen wurden: die derzeitige Kopplung der IT- Ausstattung an den jeweiligen Dienstposten hat sich als nicht mehr zukunftsorientiert erwiesen. Eine tragfähige Alternative ist der Einstieg in die personalisierte – mobile und sichere – IT-Ausstattung in der Bundeswehr. Grundzüge hierzu wurden bereits in ein umfangreiches IT-Programm eingebracht, das einen weiteren Baustein zur “Steigerung der Resilienz durch Digitalisierung” darstellt.

Die COVID-19-Krise hat unseren Blick für die umfassende Einführung einer mobilen IT-Ausstattung geschärft und die dazu erforderlichen Planungen beschleunigt. Dies wird die angestrebte Umstellung vereinfachen, deren Notwendigkeit außer Frage steht: denn nur wer mit beidem, den aktuellen Herausforderungen und gleichzeitig den sich abzeichnenden Entwicklungen Schritt hält, wird auch in Zukunft bestehen können.

Generalmajor Dr.-Ing. Michael Färber, Kommandeur des Kommandos Informationstechnik der Bundeswehr (KdoITBw), Bonn, hat den Gastkommentar verfasst.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here