Lagebild zu Clankriminalität vorgestellt

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Ausschnitt Polizeiauto
Jedes fünfte Verfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität (OK) hat einen Clan-Bezug in Nordrhein-Westfalen. (Foto: Ingo Kramarek, pixabay.com)

Das Lagebild “Clankriminalität in Nordrhein-Westfalen 2019” wurde von Herbert Reul (CDU), Innenminister Nordrhein-Westfalens, vorgestellt. Insgesamt konnten über 6.000 Straftaten von über 3.700 Tatverdächtigen mit Clanbezug identifiziert werden. Das Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen verzeichnete 111 aktive Clans im westlichsten Bundesland.

Ein Vergleich mit dem Lagebild von 2018 ist nur eingeschränkt möglich, da durch eine Evaluation der clantypischen Familiennamen sowie die zusätzliche Berücksichtigung von Verkehrsstraftaten ein breiteres Spektrum der kriminellen Aktivitäten erfasst wurde. Ohne die neuen Kriterien konnte dennoch ein Zuwachs der Straftaten von über zwölf Prozent registriert werden. Diese Zunahme führen die Verantwortlichen auf ein verstärktes polizeiliches Kontrollverhalten sowie auf ein geändertes Anzeigeverhalten der Bevölkerung zurück.

Bei über 31 Prozent der Straftaten handelte es sich um Rohheitsdelikte, wie Körperverletzung, Nötigung sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Betrugsdelikte machten mit über 15 Prozent aller Vergehen den zweitgrößten Straftatschwerpunkt aus

Gleiche Liga wie die Mafia

Im Lagebild schrieben die Autoren für den Bereich der Organisierten Kriminalität (OK): “Clankriminalität spielt im Bereich OK seit 2016 eine nicht unerhebliche Rolle und befindet sich im Fokus der Strafverfolgungsbehörden.” In den 73 erfassten Ermittlungsverfahren der OK 2019 waren 15 von türkisch-arabischstämmigen Clans dominiert. In diesen Verfahren wurde gegen 478 Tatverdächtigte mit 31 unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten ermittelt. Die Täterstruktur sei innerhalb der OK-Gruppierungen eher heterogen. Häufig würden sich die türkisch-arabisch dominierten OK-Gruppierungen mit Komplizen außerhalb ihrer familiären Strukturen bedienen.

Elf der 15 Verfahren liegen im Bereich der organisierten Rauschgiftkriminalität des Cannabis- und Kokainhandels. Ebenso lagen in elf Verfahren Hinweise für Geldwäscheaktivitäten vor. Im Lagebild wird der erzielte Tatertrag in sieben Verfahren auf über sechs Millionen Euro beziffert. Trotz der Ermittlungserfolge warnen die Autoren im Lagebild:” Es findet seitens der Clanstrukturen eine flexible Anpassung an neue lukrative Geschäftsfelder statt.”

“Wir haben es hier mit Kriminellen und Schwerkriminellen zu tun. Es geht unter anderem um Raub, Betrug und Organisierte Kriminalität. Das zeigt: Ein Teil der Clans spielt in der gleichen Liga wie die Mafia”, sagte Reul bei der Vorstellung des Lagebilds. Das Lagebild “Clankriminalität in Nordrhein-Westfalen 2019” findet sich hier.

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