Kritische Infrastrukturen – kreative Informationstechnik

0
1275
BrigGen Ralf Hoffmann (Foto: BS/Bundeswehr)

Das Betriebszentrum Informationstechnik-System der Bundeswehr (BtrbZ IT-SysBw, kurz: BITS) verantwortet den sicheren Betrieb des IT-Systems der Bundeswehr. Es stellt IT-Services für die Truppenteile und Dienststellen von Streitkräften und Wehrverwaltung bedarfsgerecht bereit. Insbesondere gewährleistet das BITS die Kernführungsfähigkeit der Streitkräfte im Einsatz als Dauereinsatzaufgabe – jederzeit und weltweit.

Die militärische Informationstechnik gehört zu den kritischen Infrastrukturen der Bundesrepublik Deutschland. Sie muss funktionieren: in Grundbetrieb und Einsatz, in Krise und Krieg – und nun auch in “Corona-Zeiten”. Bisher waren insbesondere die Maschinen vor Attacken durch Computer-Viren zu schützen; jetzt sind es vor allem die Menschen, die Schutz vor dem Ausbruch des Virus COVID-19 suchen.

Die Maßnahmen der Bundeswehr zum Schutz der Gesundheit ihrer Beschäftigten vor der pandemischen Verbreitung des Erregers SARS-CoV-2 folgen den aktuellen Erkenntnissen medizinischer Institute und den geltenden Weisungen staatlicher Stellen. Über das Anwenden von Abstands- und Hygieneregeln und das Aufsetzen von Alltagsmasken hinaus sind vor allem die Möglichkeiten zur Auflockerung des eigenen Personals von hoher Bedeutung.

Der Dienst bzw. die Arbeit am sogenannten Telearbeitsplatz, also die Wahrnehmung von Aufgaben und Tätigkeiten des jeweiligen Dienstpostens am häuslichen Aufenthaltsort, ist ein Weg, um unnötige Kontakte zu vermeiden. Nicht zwingend am Dienstort selbst erforderliche Zusammenarbeit kann von Zuhause aus durch Nutzung von Informationstechnik geleistet werden, ohne ansonsten auftretende gesundheitliche Risiken einzugehen.

Die hierzu erforderliche IT-Ausstattung steht durch entsprechende Projekte und Produkte zwar grundsätzlich zur Verfügung, der gegebene Bedarf geht allerdings deutlich über den vorhandenen Bestand hinaus. Private Computer und öffentliches Internet allein können diese Lücke aufgrund des Schutzbedarfes dienstlicher Information und Kommunikation nicht sicher schließen. Innovation und Kreativität, im besten Sinne “gesunder” Pragmatismus sind gefordert.

Das Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR) hat die Expertise und Kompetenz großer Teile von Hardware und Softskills der Informationstechnik zusammengeführt und baut sie zielgerichtet weiter aus. Das enge Zusammenwirken der eingerichteten Zentren für IT-Betrieb, für Software-Kompetenz und für Cyber-Sicherheit der Bundeswehr entwickelt zunehmend den angestrebten Mehrwert. Die beschleunigte Entwicklung und gesicherte Anwendung neuer Lösungen für IT-Nutzer ist ein überzeugendes Beispiel dafür:

Das Konzept “Open Virtual Private Network, OpenVPN” basiert auf Open-Source-Software, wie sie bereits in der privaten Wirtschaft genutzt wird und auch im öffentlichen Sektor angewendet werden kann. Dabei wird die IT-Ausstattung der Beschäftigten mit der Softwarelösung OpenVPN versehen, um einen Zugang vom häuslichen Arbeitsplatz zum gesicherten Intranet der Bundeswehr zu schaffen.

Ein erster Prototyp wurde durch das neu aufgestellte Zentrum für Softwarekompetenz der Bundeswehr und das Zentrum für Cyber-Sicherheit der Bundeswehr in Euskirchen erstellt. Das BITS in Rheinbach hat diesen Prototyp für die operationelle Nutzung stabilisiert, die hierzu erforderlichen Serverkapazitäten geschaffen und den Rollout in der Bundeswehr vorbereitet. Das kurzfristig zusammengestellte Team von zehn IT-Experten aus drei CIR-Zentren benötigte nur sieben Tage, um eine in der Fläche ausrollfähige “Notfalllösung” verfügbar zu machen.

Die erforderlichen Zulassungsbedingungen zur Gewährleistung der Informationssicherheit wurden parallel zur eigentlichen Produktentwicklung geschaffen. Hier haben der Chief Information Security Officer der Bundeswehr sowie das Cyber Security Operations Centre und die Deutsche militärische Security Accreditation Authority zusammengearbeitet. Auf Grundlage hoher Sicherheitsstandards konnte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eine zeitlich befristete und mit Auflagen versehene Freigabeempfehlung erteilen.

Das BITS als Plattform für die Digitalisierung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung steht nun vor der Aufgabe, die Erweiterung von “OpenVPN” auf über 40 Dienststellen und 5.000 Nutzer umzusetzen und die damit verbundenen IT-Services für die Bundeswehr übergangsweise bereitzustellen. Die zur Notversorgung der Bundeswehr konzipierte Softwarelösung OpenVPN funktioniert als Innovation “für die Truppe von der Truppe” selbst bei steigenden Nutzerzahlen ohne nennenswerte Einschränkungen. Es ist vorgesehen, die BWI als IT-Systemhaus der Bundeswehr zu beauftragen, die Funktionalität von OpenVPN in einen dauerhaften Regelbetrieb für bis zu 30.000 Nutzer zu überführen.

Brigadegeneral Ralf Hoffmann, Kommandeur des Betriebszentrums IT-System der Bundeswehr (BtrbZ IT-SysBw), Rheinbach, ist Verfasser des Gastbeitrages.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here