Pilotprojekt wird landesweit ausgerollt

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In Baden-Württemberg kommt künftig ein neuer Ansatz gegen häusliche Gewalt zum Einsatz. Dieser war zuvor in den Polizeipräsidien Mannheim und Ulm erprobt worden. (Foto: BS/S. Hofschlaeger, www.pixelio.de)

Ein neues Konzept zur Verhinderung häuslicher Gewalt soll künftig in ganz Baden-Württemberg angewendet werden. Bislang war es nur in den Polizeipräsidien Mannheim und Ulm im Rahmen eines Pilotversuchs erprobt worden. Und das erfolgreich.

Bei dem Konzept handelt es sich um eine Eigenentwicklung der baden-württembergischen Landespolizei. Kernpunkte sind eine Gefährdungsanalyse sowie ein Gefahrenmanagement bei der Bearbeitung von Fällen häuslicher Gewalt. Um die Abläufe zu verbessern und sowohl die interne als auch die externe Kommunikation zu optimieren, wurde in den Dienststellen in Mannheim und Ulm jeweils eine “Koordinierungsstelle häusliche Gewalt” eingerichtet.

Ganzheitlicher Ansatz

Zudem wurde die bisherige Bewertungspraxis überarbeitet und um ein Prognoseinstrument erweitert. Mit dem “Ontario Domestic Assault Risk Assessment” (ODARA) wurden im Pilotierungszeitraum rund 600 Fälle häuslicher Gewalt bewertet. Im Mittelpunkt steht dabei das jeweils individuelle Risiko des Gewaltopfers. In etwa zehn Fällen führte die Bewertung zu dem Ergebnis, dass für die Betroffenen ein vergleichsweise hohes Risiko angenommen werden musste, Opfer schwerer häuslicher Gewalt zu werden. Daher gab es in diesen Fällen dann eine behördenübergreifende Fallkonferenz. Dabei wurde einzelfallbezogen das Vorgehen koordiniert, Verantwortlichkeiten unmittelbar geklärt und festgelegt, um das Risiko weiterer Übergriffe zu minimieren.

Der Mannheimer Polizeipräsident, Andreas Stenger, meint dazu: “Die bei der Pilotierung gemachten Erfahrungen haben uns gezeigt, dass genau dieser ganzheitliche und interdisziplinäre Abstimmungsprozess ein wichtiger Schritt für einen erfolgreichen Opferschutz ist.” Und Innenminister Thomas Strobl (CDU) ergänzt: “Gewalt in der Familie ist weder Privatsache noch ein Kavaliersdelikt.” Gleichzeitig sei häusliche Gewalt ein besonders sensibler Deliktsbereich. Außenstehende bemerkten Straftaten in der häuslichen Umgebung nicht ohne weiteres oder schauten weg. “Gerade weil Opfer in der häuslichen Umgebung der Gewalt schutzlos ausgeliefert sind und oftmals aufgrund der engen Beziehung zum Täter oder zur Täterin von einer Anzeige absehen, müssen wir weitere Möglichkeiten zum Schutz und für die Sicherheit der potenziellen Opfer schaffen.”

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