Weniger Wasserköpfe

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Corona wird auch in Sachen Verwaltung unangenehme Fragen erzwingen. (Grafik: Arek Socha, pixabay.com)

Es stellen sich doch Sinnfragen, die der normale Menschenverstand nicht ohne kognitive Dissonanz lösen kann. Warum sind vor allem Verwaltungsebenen der Behörden nach wie vor im Homeoffice, obwohl sie dort ihre Aufgaben nicht erledigen können, weil sie mit Blick auf sichere Kommunikationsmittel entweder gar nicht oder mangelhaft ausgestattet sind?

Bei Polizei, Bundeswehr, THW und Feuerwehr ist das völlig anders. Da sind nicht nur notwendigerweise die Einsatzkräfte vor Ort, auch die Stäbe und große Teile des inneren Dienstes vollziehen nach vielleicht kurzer Homeoffice Phase wieder ihren Dienst im Büro, natürlich unter strengen Hygienevorschriften.

Große zivile Behörden lassen ihre Mitarbeiter nach wie vor daheim, jedoch häufig ohne dass sie dort arbeiten können. Das gilt auch für Unternehmen wie Post oder die Telekom. Bei diesen beiden Unternehmen sei noch unterstellt, dass deren Beschäftigte mit dem notwendigen Equipment ausgestattet sind. Das gilt leider für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung häufig nicht. Sie können nicht den Dienst von zu Hause aus tun, weil der Kundenkontakt nicht stattfindet, oder weil sie nicht das Equipment, besonders nicht die sicheren Übertagungstechniken haben.

Es wird sich also notwendigerweise die Frage bei Behörden, aber auch bei vielen Unternehmen stellen, ob das Verhältnis zwischen operativen Kräften und der allgemeinen Verwaltung in den letzten Speckjahren völlig aus dem Ruder gelaufen ist? Wenn öffentliche Aufgaben auch ohne einen großen Verwaltungsapparat funktionieren, wenn bei Unternehmen auch weiterhin die Zustellung funktioniert, wofür brauchen wir dann die gigantischen Wasserköpfe? Eine bittere Erkenntnis.

Eine unangenehme Frage, aber nach Corona wird man sie stellen müssen. Mehr noch: Corona wird die Diskussion erzwingen. Die Verwaltung verwaltet sich vor allem selbst. Das gilt für alle Großorganisationen, ob öffentlich oder privat. Öffentliche Dienstleistungen laufen Großteils weiter, wie nach Aufhebung des Lockdowns auch die industrielle Produktion.

Die Antworten waren im Öffentlichen Dienst in der Vergangenheit des Spardiktats so falsch wie sie es jetzt auch bei der Industrie sind: Es wurde z. B. bei der Polizei gespart statt an der inneren Verwaltung, bei den Unternehmen geschieht es jetzt im Moment genauso, es werden Techniker entlassen, statt überflüssige Verwaltungsmitarbeiter.

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