Wie Informationsgewinnung aus offenen Quellen eingesetzt werden kann

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(Grafik: Gerd Altmann, pixabay.com)

80 Prozent aller nachrichtendienstlich relevanten Informationen sind für jeden zugänglich. Doch der Einsatz von Open Source Intelligence (OSINT) erfolgt in Deutschland viel zu oft unstrukturiert und vereinzelt. Die Nutzung von OSINT sollte nicht von einzelnen Personen und deren Kenntnissen abhängen, sondern zum Werkzeugkoffer eines jeden Ermittlers und Analysten gehören.

Open Source Intelligence (OSINT) ist eine nachrichtendienstliche Disziplin der Informationsgewinnung. Im Gegensatz zu anderen Methoden der Geheimdienste werden hierbei jedoch offene Quellen genutzt. Dies umfasst beispielsweise Zeitungsartikel, Rundfunkbeiträge und natürlich das Internet. Durch die zunehmende Digitalisierung und die starke Nutzung von Sozialen Netzwerken bieten das Internet und Social Media eine riesige Menge an Daten, die für verschiedene Zwecke genutzt werden können.

Vielfältig anwendbar

Doch wer nutzt OSINT? Die kurze Antwort: viele! Die grundlegenden Methoden der Informationsgewinnung werden von Kriminellen ebenso eingesetzt wie auch von Menschen verschiedenster Branchen mit redlichen Absichten. Obwohl OSINT so viele Anwendungsfälle hat, ist der Begriff in Deutschland nur wenig geläufig. Das liegt daran, dass die Methodik meistens anders genannt wird und die Anwender sich oftmals nicht bewusst sind, dass es den Begriff OSINT gibt.

Die Bezeichnungen sind so vielfältig wie die Branchen, in denen die Methoden angewandt werden. Naturgemäß wird OSINT in Polizei- und Sicherheitsbehörden eingesetzt, hier wird es auch Internetermittlung, Internetrecherche, operative Internetbearbeitung oder Online-Aufklärung genannt. Aber auch in anderen Berufen werden die Techniken genutzt: Personalvermittlung, Journalismus, Ermittlungs- und Compliance-Abteilungen, Markenschutz, Cyber-Sicherheit, Personenschutz bis hin zu Recherchen in Großkanzleien oder Detekteien.

Mehr als Informationssammlung

Doch die schlichte Suche nach Daten in offenen Quellen ist noch nicht Open Source Intelligence. Die Informationssammlung ist nur ein Teil des sogenannten Intelligence Cycle. Um aus den Daten nützliche Informationen und schlussendlich relevantes Wissen (engl. Intelligence) zu gewinnen, braucht es Planung, Informationssammlung, Verarbeitung der Daten, Analyse sowie die Präsentation der Analyseergebnisse.

OSINT kann einerseits strategisch und andererseits operativ eingesetzt werden. Beim strategischen Einsatz werden Trends und Entwicklungen über längere Zeiträume betrachtet. Produkte einer strategischen Nutzung von OSINT sind zum Beispiel Lagebilder. Bei der operativen Verwendung liegt der Fokus auf einem konkreten Ereignis oder hat die Beantwortung einer speziellen Fragestellung zum Ziel, zum Beispiel “Wo ist der aktuelle Aufenthaltsort einer bestimmten Person?”, “Wer steckt hinter einem Pseudonym?”, “Mit welchen Gefahren müssen Einsatzkräfte vor Ort rechnen?”.

Diese Frage war bereits Inhalt des Forschungsprojekts SENTINEL, das zu dem Ergebnis kam, dass mittels einsatzbegleitender OSINT-Recherchen das Informationsniveau erhöht wird, wodurch die Sicherheit für die Einsatzkräfte verbessert wird. Wir müssen von Deutschland aus nicht weit in die Ferne blicken, um festzustellen, dass die Niederlande bereits 2012 flächendeckend Real Time Intelligence Center in allen Leitstellen eingeführt haben. Hier werden Ad-Hoc-Informationen aus mehr als 40 Quellen analysiert, darunter sowohl behördliche Datenbanken (Closed Source) als auch offene Quellen.

Die Cyber Akademie bietet zum Thema OSINT Präsenz- und Online-Schulungen mit Samuel Lolagar in deutscher und englischer Sprache an. Termine und Anmeldungen unter www.cyberakademie.de, Suchwort “OSINT”. Der Autor Samuel Lolagar organisiert zudem eine kostenfreie virtuelle OSINT-Konferenz für den deutschsprachigen Raum. Anmeldungen unter www.gosintcon.de.

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