Ausschreibungssieger bei Sturmgewehr-Vergabe

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Auch wenn noch nicht offiziell bestätigt, soll es sich bei der neuen Standardwaffe der Bundeswehr um den Maschinenkarabiner Kaliber 5,56 mm (MK556) handeln. (Foto: C.G. Haenel GmbH)

Das BMVg hat mitgeteilt, dass das Vergabeverfahren “Sturmgewehr” einen weiteren großen Schritt vorangekommen sei: “Aus der nun abgeschlossen Auswertung der Angebote durch die Vergabestelle des Beschaffungsamtes in Koblenz ist mit der Firma C.G. Haenel GmbH ein Ausschreibungssieger hervorgegangen.”

Mitte Mai waren die im Vergabeverfahren “System Sturmgewehr Basiswaffe” verbliebenen Bieter zur Abgabe eines “Best And Final” Offer (BAFO) aufgefordert worden. Die Frist zur Angebotsabgabe endete Ende Juni. Die eingegangenen Angebote der Bieter wurden durch die Vergabestelle (BAAINBw) zwischenzeitlich ausgewertet. Das Ergebnis der Auswertung sei noch nicht rechtswirksam. Unterlegenen Bietern stehe immer der Rechtsweg offen, so das BMVg. Prompt erklärte der Mitbewerber Heckler & Koch (H&K) aus dem baden-württembergischen Oberndorf, dass er “alle rechtlichen Möglichkeiten” ausschöpfen werde. Damit wird sich das Beschaffungsvorhaben noch weiter in die Länge ziehen. Die Entscheidung der Vergabestelle ist zudem noch vorbehaltlich der parlamentarischen Billigung im Rahmen der sog. 25 Millionen-Euro-Vorlage. Die dafür benötigten Unterlagen werden derzeit vorbereitet, mit dem Ziel einer parlamentarischen Befassung Ende dieses Jahres.

Auch wenn noch nicht offiziell bestätigt, soll es sich bei der neuen Standardwaffe der Bundeswehr um den Maschinenkarabiner Kaliber 5,56 mm (MK556) handeln (Foto), zumal es der einzige sog. “Vollautomat” im Produktportfolio des Unternehmens aus dem thüringischen Suhl ist. Erst im Januar des vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass Haenel neben dem bisherigen “Haus- und Hoflieferanten” der Bundeswehr, der Heckler & Koch (H&K) AG, der verbliebene Anbieter in der Ausschreibung um die Nachfolgewaffe sei.

Ende April 2015 hatte die damalige Verteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen entschieden, dass das in die Kritik geratene Sturmgewehr G36 in der Bundeswehr “keine Zukunft” habe und ersetzt werden solle. Aber: Ein Gericht stellte fest, dass man H&K keinerlei Vorwürfe wegen der Präzisionsmängel machen könne und wies Schadensersatzforderungen des BMVg zurück. Die Ausschreibung für die neue Standardwaffe der Bundeswehr folgte trotzdem zwei Jahre später.

Bei der G36-Nachfolge geht es immerhin um 120.000 Sturmgewehre im geschätzten Wert von 245 Millionen Euro (netto), die in der ursprünglichen Planung dieses Jahr ausgeliefert werden sollten. Im Vorfeld haben trotzdem verschiedene Waffenhersteller ihre Teilnahme am Bieterverfahren bereits zurückgezogen.

Haenel liefert der Bundeswehr bereits das Scharfschützengewehr G29, das seit 2016 für die deutschen Streitkräfte produziert wird. Als Nutzer sind hierfür das Kommando Spezialkräfte (KSK) und das Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM) vorgesehen. Damit soll das G22 des britischen Herstellers Accuracy International Inc. ersetzt werden.

Im Jahre 2008 hat das thüringische Unternehmen, ausgestattet mit Haenel-Lizenz- und -Markenrechten der historischen Gesellschaft von vor 1945, seinen Betrieb wieder aufgenommen. Heute gehört Haenel indirekt zum Staatskonzern Tawazun aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Für Heckler & Koch wäre das rechtskräftige Ergebnis des Bieterwettbewerbs ein herber Rückschlag, da das Unternehmen eine hohe Schuldenlast tragen muss: Auf der H&K-Hauptversammlung im Juli des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass der Schuldenstand in 2018 von 182 Millionen Euro auf 231 Millionen Euro gestiegen sei.

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