Probleme mit Elektro-Kleinstfahrzeugen

6
1020
Sieht Verbesserungsbedarf bei Elektro-Kleinstfahrzeugen: Marco Schäler, Mitglieder der Kommission Verkehr der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). (Foto: BS/Feldmann)

Elektro-Kleinstfahrzeuge prägen bundesweit immer stärker das Stadtbild. Segways und Elektro-Roller sind insbesondere in Metropolen nahezu allgegenwärtig. Dort führen sie allerdings zu zahlreichen Problemen, etwa weil sie wild abgestellt werden. Das ist aber bei Weitem nicht die einzige Schwierigkeit.

Problematisch sei auch, dass es zwischen Januar und Mai dieses Jahres 460 Unfälle mit Elektro-Kleinstfahrzeugen hierzulande gab. Dabei waren 464 Verletzte zu verzeichnen. Ein Fahrer eines Elektro-Kleinstfahrzeugs kam ums Leben, 82 wurden schwer und 306 leicht verletzt. Das berichtete Marco Schäler, Polizeibeamter im Polizeipräsidium Koblenz und Mitglied in der Kommission Verkehr der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Er geht in diesem Zusammenhang von einer großen Dunkelziffer aus, da insbesondere “Alleinunfälle”, wie etwa Stürze, nicht gemeldet würden. Gleiches gelte für Kollisionen mit geringen Schäden, da hier Ängste vor Repressionen, zum Beispiel in Form eines Bußgeldes, bestünden.

Konflikte nicht aufzulösen

Kritisch sieht Schäler auch die fehlende Notwendigkeit einer Prüfbescheinigungspflicht für die Nutzung von Elektro-Kleinstfahrzeugen. Dies verkenne das Erfordernis einer ausreichenden Vorschriftenkenntnis im Straßenverkehr und sei ein Novum im Verkehrsrecht. Darüber hinaus beenge die Radwegebenutzungspflicht für diese Fahrzeuge den ohnehin schlecht ausgebauten Verkehrsraum für Fahrräder. Und das fehlende Radverkehrsnetz in vielen Städten führe zu Konfliktstrukturen mit dem Autoverkehr. Eine Konkurrenzstellung existiere außerdem zwischen Elektro-Kleinstfahrzeugen und dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Schäler plädiert für eine Mitführpflicht einer Datenbestätigung und der Versicherungsbescheinigung bei der Nutzung von Elektro-Kleinstfahrzeugen. Außerdem spricht er sich für die Festschreibung einer Prüfbescheinigungs- und Helmpflicht sowie den verpflichtenden Anbau von Fahrtrichtungsanzeigen und Bremsleuchten aus. Die Versicherungsplakette sollte zudem durch ein Versicherungskennzeichen ersetzt werden.

6 Kommentare

  1. Zu der Aussage
    ‘Kritisch sieht Schäler auch die fehlende Notwendigkeit einer Prüfbescheinigungspflicht für die Nutzung von Elektro-Kleinstfahrzeugen. Dies verkenne das Erfordernis einer ausreichenden Vorschriftenkenntnis im Straßenverkehr und sei ein Novum im Verkehrsrecht.’
    sei gesagt, dass ein vor 1965 Geborener aufgrund seines blossen Alters berechtigt ist, ein Mofa bis 25 km/h bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit [und selbstredend auch ein Leichtmofa bis 20 km/h b.H. – dieses sogar ohne Helm] zu führen.

    Zitat Wikipedia-Eintrag zu ‘Mofa-Prüfbescheinigung’:
    ‘Die Prüfbescheinigung muss beim Fahren mitgeführt und zuständigen Personen auf Verlangen zur Kontrolle ausgehändigt werden[4]. Sie dient dem Nachweis, wichtige Verkehrsregeln zu kennen und mit den Gefahren Straßenverkehrs umgehen zu können. Keine Prüfung muss daher ablegen, wer eine gültige Fahrerlaubnis hat[5]. Personen, die vor dem 1. April 1965[6] geboren wurden, benötigen hingegen keinerlei Prüfbescheinigung. Bei einer Verkehrskontrolle müssen diese also keine Kenntnis von Verkehrsregeln nachweisen, sondern nur ihr Alter belegen.
    Andere Länder kennen diese Art der Prüfbescheinigung nicht. Sie ist keine Fahrerlaubnis im führerscheinrechtlichen Sinne.’

    Andere Länder werden wissen, warum sie darauf verzichten können. Ein Novum ist diese Befreiung von Wissen um Verkehrsregeln für Nutzer von motorisierten Fahrzeugen also höchstens für Herrn Schäler, und das lässt ihn als Polizeibeamten in keinem guten Licht erstrahlen.

    Auch auf eine weitere seiner Forderungen, nämlich ‘den verpflichtenden Anbau von Fahrtrichtungsanzeigen und Bremsleuchten’ konnte man bei Mofa und Leichtmofa offenbar bisher gut verzichten, beim allseits beliebten Pedelec sowieso. Suggestivfrage: Wäre es möglich, dass hier durch Herrn Schäler mit zweierlei Maß gemessen wird?

    • Sehr geehrter Herr Berg,

      zunächst einmal freue ich mich, dass Sie sich offensichtlich intensiv mit meinem Vortrag zum Thema “Elektrokleinstfahrzeuge” auseinandergesetzt und in diesem Zusammenhang auch kritische Anmerkungen gemacht haben.

      Gleichwohl möchte ich anmerken, dass mir die von Ihnen aufgeführten Übergangsbestimmungen zur Prüfbescheinigung in § 76 Nr. 3 FeV und die Bau- und Betriebsvorschriften zum Fahrtrichtungsanzeiger und Bremsleuchten an Mofas und geschwindigkeitsbeschränkten Kleinkrafträdern sehr wohl bekannt sind. Gerne möchte ich in diesem Zusammenhang auf das von mir veröffentlichte Fachbuch beim Boorberg-Verlag “Mofas und Kleinkrafträder bis 25 km/h” sowie zahlreiche Fachartikel in verschiedenen Verkehrsrechtszeitschriften verweisen, in denen ich mich intensiv mit dieser Thematik beschäftigt habe.

      Letztendlich handelt es sich hierbei jedoch um eine “Übergangsbestimmung”, die meines Erachtens nicht als Grundlage für die aktuelle Verkehrssicherheitsarbeit herangezogen werden sollte. Die Äußerung “Novum” hat sich zudem auf die Festlegung des Mindestalters auf 14 Jahre bezogen, da es im deutschen Verkehrsrecht kein vergleichbares Kraftfahrzeug gibt, das ab diesem Alter ohne Nachweis der Vorschriftenkenntnis geführt werden darf.

      Meine Erfahrungen belegen, dass die Vermittlung der Vorschriftenkenntnis elementarer Bestandteil des verbundstrategischen Ansatzes ist, um die besonderen Fahreigenschaften von im Stehen gefahrenen Fahrzeugen mit einer an sich instabilen Konstruktion kennen zu lernen. In meinem Vortrag bin ich im Übrigen auch auf eine Alternative zur Prüfbescheinigung eingegangen, die sich mit der Vorschriftenvermittlung im Rahmen des schulischen Unterrichts (in Form der noch in einigen Bundesländern praktizierten Mofa-Ausbildung) befasst hat.

      Letztendlich möchte ich betonen, dass ich die Zulassung von Elektrokleinstfahrzeugen im Straßenverkehr nicht ablehne, sondern lediglich Nachbesserungsbedarf in vielen Bereichen sehe, den ich auch mit verschiedenen Empfehlungen hinterlegt habe.

      Bei Bedarf stehe ich Ihnen gerne für weitere Rückfragen oder Diskussionen zur Verfügung und kann Ihnen selbstverständlich auch meine Präsentation zur Verfügung stellen.

      Mit freundlichen Grüßen

      Marco Schäler

      • Hallo Herr Schäler,

        vielen Dank für die Ausführungen. Könnten Sie vielleicht Ihre Präsentation und die dafür zugrunde liegenden Zahlen/Detailinfos der 460 Unfälle mit EKF´s zur Verfügung stellen (z.B. dem Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge e.v.)?
        Ich denke allen ist daran gelegen, EKF´s (mit oder ohne Lenkstange) unter sinnvollen Rahmenbedingungen und Optimierung der Sicherheit aller Beteiligten am öffentlichen Verkehr teilnehmen zu lassen.

        Mit freundlichem Gruß,
        Ralf Beck

        • Hallo Herr Beck,

          selbstverständlich stelle ich dem Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge e.V. meine Präsentation und die darin enthaltenen Inhalte zur Verfügung.

          Mir ist es ein wichtiges Anliegen, dass man in der zugrundeliegenden Thematik mit allen Beteiligten im Dialog bleibt und gemeinsame Lösungen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit findet. Hierfür stehe ich gerne jederzeit zur Verfügung und verweise auf meine fachlichen Planungen im kommenden Jahr, die unter anderem auch eine vertiefende Kontaktaufnahme zum Austausch von Problemkonstellationen mit lokalen Verleihfirmen vorsieht.

          Kann ich in meiner E-Mail an den Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge Bezug auf Ihren Namen nehmen, um die Einordnung meines Schreibens gewährleisten zu können.

          Mit freundlichen Grüßen

          Marco Schäler

  2. Elektrokleinstfahrzeuge sind ziemlich neu im Straßenverkehr. Insofern ist es normal, dass man da ggf. auf mehreren Seiten nachjustieren muss. Die im Artikel genannten Zahlen sind aber wenig aussagekräftig, was die Rahmenparameter wie Ort des Unfalles (Straße, Gehweg, Radweg, inner- oder außerhalb der Stadt), die Unfallursache, den Unfallverursacher (das muss bei einem Unfall mit einem EKF ja nicht unbedingt der Fahrer des selben sein), das Alter der beteiligten Personen, Art des EKF, etc. zu sein. Erst bei genauer Analyse lassen sich sinnvolle Maßnahmen ableiten – mit restriktiven Maßnahmen, die einfach mal so ins Blaue geschossen werden, ist niemandem geholfen. In diesem Zusammenhang darf auch der Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge e.V. genannt werden, der sich in diesen Diskussionen zu einem breiten und sinnvollen Einsatz der EKF´s gerne mit einbringt. Denn sehen wir es mal realistisch: der Elektromobilität, insbesondere auch der Elektromobilität auf der “last mile” wird die Zukunft gehören. Der momentane Boom bei Elektrofahrrädern in Pandemiezeiten beweist das sehr eindeutig. Wären EKF´s ohne Lenkstange (Hoverboards, Elektrische Einräder, elektrische Skateboards, …) im öffentlichen Raum unter entsprechenden Rahmenparametern (endlich) zugelassen wäre dieser Effekt noch um einiges größer.

  3. Mich würde mal detailierter interessieren mit welchen ekfs und äußeren Umstände (Alter de Fahrer, Handhabung , Alkohol usw.) die Unfälle passiert sind und auch ob sie durch dritte verursacht wurden.

    Viele Grüße
    Burkhard Klempt
    Mitglied im Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge e.V.
    http://www.electricempire.de

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here