Keine Entwarnung bei Cyber-Kriminalität

0
221
Neben Erpressungstaten nehmen laut Bundeslagebild Cyber Crime auch Identitätsdiebstahl und Überlastungsangriffe zu. (Grafik: BKA)

Die Gefahr durch Straftaten im Internet nimmt weiter zu. Sowohl die Fallzahlen als auch die geschätzten Schäden nehmen zu. So registrierte die Polizei 2019 einen Höchststand von über 100.500 Fällen von Cyber-Kriminalität im engeren Sinne – ein Anstieg von über 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Festgestellt wurden 22.574 Tatverdächtige. Das sind Zahlen aus dem heute veröffentlichen “Bundeslagebild Cyber Crime 2019” des Bundeskriminalamtes (BKA).

Die Dunkelziffern liegen deutlich höher, denn zur Anzeige kommen nur die wenigsten Straftaten im Netz, heißt es im Lagebild. Die größte Gefahr geht laut BKA weithin von Ransomware aus. Dabei werde seit dem letzten Jahr zunehmend ein neues Vorgehen unter dem Begriff “Double Extortion” beobachtet. Die Täter verschlüsseln nicht nur IT-Systeme ihrer Opfer, sondern erbeuten bei ihrem Angriff auch gleichzeitig sensible Daten. Dann fordern sie Lösegeld nicht nur für die Freigabe der verschlüsselten Systeme, sondern drohen mit der Veröffentlichung der Daten.

Besondere Flexibilität haben die Kriminellen im Zusammenhang mit der Gesundheitskrise gezeigt. In der ebenfalls veröffentlichten Sonderauswertung “Cyber Crime in Zeiten der COVID-19-Pandemie” werden im Zeitraum von März bis August 2020 beobachtete kriminelle Vorgehensweisen beschrieben. So seien kriminelle Gruppen schnell dazu übergegangen auf Webseiten und in E-Mails mit vermeintlichen Informationen, Hilfsangeboten oder Hygieneprodukten zu Corona zu werben. Ein Klick auf Schaltflächen oder Links führte dann bei den Betroffenen zur Infektion mit Schadsoftware.

Im Rahmen der Vorstellung des Lagebildes und der Sonderauswertung kündigte BKA-Vizepräsidentin Martina Link an, Kapazitäten im Bereich der Bekämpfung von Cyber-Kriminalität weiter auszubauen. Im April 2020 hatte die Behörde eine eigene Abteilung für den Phänomenbereich eingerichtet. Link: “Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist dabei die Analyse. Denn nur wenn wir wissen, wie die Cyber-Kriminellen vorgehen, können wir darauf zielgerichtet reagieren.”

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here