70 Jahre Himmeroder Denkschrift

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Die Himmeroder Denkschrift prägt noch heute das Selbstverständnis der Bundeswehr. (Foto: Bundeswehr)

In einem kleinen Kloster in der Eifel trafen sich am heutigen Abend vor siebzig Jahren erstmals 15 ehemalige Wehrmachtsoffiziere, um vom 6. bis 8. Oktober die mögliche Struktur und Aufstellung einer westdeutschen Armee zu umreißen. Das Resultat dieser Besprechung, das als Himmeroder Denkschrift in die Geschichte einging, prägt noch heute das Selbstverständnis der Bundeswehr. Der Bürger in Uniform, die Parlamentsarmee, wurde geschaffen.

Im Vorfeld dieses Treffens waren bereits mehrere – unzählige – Verhandlungen mit den Alliierten und weiteren Staaten zur Wiederbewaffnung Westdeutschlands für die damals noch sehr junge Bundesrepublik positiv verlaufen, besonders hervorzuheben ist hier unter anderem die Konferenz der Außenminister der westlichen Großmächte in New York vom 12. bis zum 18. September 1950. Sicherlich hilfreich für die Zustimmung zur Wiederbewaffnung Westdeutschlands waren zudem die Handlungen der stalinistischen Sowjetunion, unter anderem die Blockade Westberlins (Beginn 24. Juni 1948) sowie die Zündung der ersten sowjetischen Atombombe am 29. August 1949. Hinzu kam der Beginn des Korea-Krieges am 25. Juni 1950, der als ersten Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion drohte, einen dritten Weltkrieg auszulösen. Unter diesen Vorzeichen war eine Unterstützung durch westdeutsche Soldaten durchaus wünschenswert.

Die 15 Offiziere für die Himmeroder Denkschrift teilten sich in vier Arbeitsgruppen:

Der Militärpolitische Ausschuss befasste sich mit den politische Fragen sowie den Möglichkeiten der zukünftigen Zusammenarbeit mit anderen Armeen, unter anderem durch Teilnahme in NATO-Gremien.

Der Allgemeine Ausschuss klärte das Selbstverständnis und den daraus resultierenden Aufbau der zukünftigen Streitkräfte. Hierzu zählten besonders Fragen wie Militärgerichtsbarkeit, Wehrgesetzgebung, aber auch die Prüfung der Gesinnung ehemaliger Wehrmachtsangehörigen – die naturgemäß das Gros der neuen Streitkräfte stellen würden.

Der Organisationsausschuss plante konkret den Aufbau und die Struktur, inklusive der Stückzahlen der einzelnen Systeme.

Dem Ausbildungsausschuss fiel hingegen die Planung der zukünftigen Ausbildung der Soldaten zu, insbesondere unter den Vorzeichen einer steigenden Bedeutung internationaler Verbindungen, für Westdeutschland besonders die USA und die NATO.

Nun – nach 70 Jahren – würdigte der Generalinspekteur, General Eberhard Zorn, die damalige Leistung der noch vom Zweiten Weltkrieg geprägten Offiziere in seinem Tagesbefehl. „In bewusster Abgrenzung von der Wehrmacht und anderen Vorgängerarmeen wurde vor 70 Jahren etwas ‚grundlegend Neues‘ erdacht: einsatzbereite Streitkräfte, die gleichzeitig ‚die Grundsätze der Rechtstaatlichkeit achten, die staatsbürgerlichen Grundrechte und Grundpflichten ernst nehmen und die Würde des Menschen anerkennen‘, wie Theodor Blank es als erster Verteidigungsminister am 27. Juni 1955 vor dem Bundestag ausführte“, so Zorn. „Beides zu ermöglichen, also sowohl militärische Schlagkraft als auch individuelle Freiheit, war und ist Aufgabe der Inneren Führung. Der doppelte Anspruch demokratischer Gesinnung und militärischer Tüchtigkeit ist das Vermächtnis der Gründergeneration der Bundeswehr.“ Zorn schloss mit den Worten: „Hierauf sind wir stolz. In dieser Tradition stehen wir. Auf diesen Anspruch verpflichte ich Sie in Grundbetrieb, in Übung und im Einsatz!“

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