Interview: Mit Schwung in die digitale Zukunft

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Achim Berg ist Präsident des Bitkoms. (Foto: BS/Bitkom)

Im Krisenjahr treibt es Staat und Verwaltung mehr denn je ins digitale Zeitalter. Die Notwendigkeit, interne Abläufe und Dienstleistungen effizient, robust und agil aufzustellen, ist offenkundig. Finanzspritzen erweitern Spielräume für die Modernisierung. Wie der aktuelle Schwung am besten genutzt wird und wie Vernetzung und Austausch auch in Pandemiezeiten funktionieren, erklärt Achim Berg, Präsident des Bitkoms, im Interview mit dem Behörden Spiegel.

Behörden Spiegel: Die aktuelle Krise hat uns gezeigt, welche Vorteile durchgehend digitale Abläufe haben können. Sie hat aber auch gezeigt, wo noch Defizite liegen. Wo sehen Sie derzeit die größten Baustellen in der digitalen Verwaltung?

Berg: Die Krise war für die öffentliche Verwaltung ein Weckruf, jetzt muss von A bis Z durchdigitalisiert werden. Durchgehend digitale Abläufe sind aber aufgrund der Schriftformerfordernis oft noch nicht möglich: Anträge werden online ausgefüllt und müssen dann noch umständlich ausgedruckt, unterschrieben und entweder eingescannt oder per Post verschickt werden. Damit sich das ändert, müssen wir die Online-Ausweisfunktion und das Thema elektronische Identität in Deutschland noch stärker nach vorne schieben. Das Onlinezugangsgesetz muss fristgerecht und zügig umgesetzt werden. Auch die Registermodernisierung muss vorangebracht werden. Dabei müssen wir Digitalisierung weiterdenken als bis zum nächsten Behördengang: Wir haben 11.000 Kommunen und leider fast genauso viele Wege, Digitalprojekte anzugehen.

Die interkommunale Zusammenarbeit muss gefördert und nicht das Rad jedes Mal neu erfunden werden. Wir müssen verhindern, dass es zu einer digitalen Spaltung zwischen digitalen Städten und Gemeinden und ländlichen, strukturschwachen Regionen kommt, die Startschwierigkeiten bei Digitalthemen haben und so im Analogen gefangen bleiben. Es wird in den nächsten Jahren nicht langweilig.

Behörden Spiegel: Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung umfasst erhebliche Posten für die Digitalisierung. Fließt das Geld an den richtigen Stellen?

Berg: Mit dem Konjunkturpaket will die Bundesregierung ins digitale Deutschland investieren und das ist zunächst einmal gut. Das wird unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Das Geld muss aber nicht nur bereitgestellt werden, sondern auch dahin fließen, wo es gebraucht wird: In die beschleunigte Digitalisierung von Bildung und Verwaltung, in die vernetzte Mobilität und in die Forschung zu Künstlicher Intelligenz.

Im Hinblick auf den Public Sector geht es insbesondere um zusätzliche drei Milliarden für die Umsetzung des OZG und das Förderprogramm Smart Cities mit einem Volumen von 500 Millionen Euro. Wichtig ist, nicht nur Metropolen zu fördern, sondern das Geld auch in ländliche Regionen fließen zu lassen.

Behörden Spiegel: Was müssen Bund, Länder und Kommunen jetzt tun, um das Beste aus der aktuellen Begeisterung für die Digitalisierung und den zusätzlichen Mitteln zu machen?

Berg: Klug investieren, weiter Gas geben und ein digitales Mindset entwickeln. Zu oft werden gerade auch in den Verwaltungen Digitalisierungsprojekte eher als Bedrohung wahrgenommen. Die Digitalisierung ist aber kein Gegner, sondern sie kann uns auf vielfältige Weise helfen. Wir sollten jetzt alles daran setzen, unsere Wirtschaft, unsere Schulen, unser Gesundheitssystem und unsere Verwaltung konsequent zu digitalisieren, auch um sie robuster gegen globale und lokale Krisen zu machen. Wir müssen unsere Städte und Gemeinden von Grund auf neu denken – als bürgernah, nachhaltig, intelligent und digital. Die zusätzlichen Mittel dürfen nicht nur Haushaltslöcher stopfen, sondern müssen investiert werden, um die Kommunen dauerhaft krisenfest zu machen und auf digitales Rathaus umzuschalten.

Behörden Spiegel: Die Auswirkungen der Pandemie haben die Digitalwirtschaft hierzulande hart getroffen. Kann dies im weiteren Verlauf der Krise zu einer größeren Zahl an Insolvenzen und einer deutlichen Schwächung der heimischen IT-Branche führen?

Berg: Die Pandemie hat die gesamte Wirtschaft hart getroffen, auf der ganzen Welt. In Deutschland sind wir verglichen mit anderen Ländern bislang relativ gut durch die Krise gekommen.
Der langanhaltende Aufschwung der Wirtschaft und der Schuldenabbau der letzten Jahre haben uns Spielräume verschafft, die den meisten anderen Ländern fehlen.

Aber auch die Digitalwirtschaft hat den Corona-Einbruch deutlich gespürt, kann sich inzwischen jedoch etwas erholen. Dennoch wird es noch dauern, bis wir die Corona-Krise konjunkturell überwunden haben. Gerade für Start-ups waren die letzten Monate sehr hart und ich hoffe für die jungen Unternehmen, dass die Maßnahmen der Politik greifen. Das gemeinsame Ziel muss sein, innovative Technologie-Start-ups in Deutschland durch die Krise zu bringen.

Behörden Spiegel: Die Smart Country Convention bringt jährlich die Akteure aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft zusammen. Wir funktioniert die Netzwerkbildung im Krisenjahr?

Berg: Die Smart Country Convention findet am 27. und 28. Oktober 2020 als Special Edition virtuell statt und bringt alle Akteure im digitalen Raum zusammen. Der Public Sector braucht jetzt unbedingt Informationen über die neuesten technologischen Lösungen, Know-how zum Projektmanagement und den Austausch zwischen allen Beteiligten. Auf unserer Eventplattform wird es daher viele Möglichkeiten geben, sich mit Teilnehmern, Sprechern und Partnern zu vernetzen und ins Gespräch zu kommen. Wir legen den Fokus auf die Kombination aus Kongressprogramm und Networking. Jeder, der dabei ist, wird wichtige Impulse und wertvolle Kontakte für seine tägliche Arbeit mitnehmen.

Behörden Spiegel: Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzen Sie dieses Jahr?

Berg: Wir konzentrieren uns am ersten Tag der Smart Country Convention ganz auf E-Government und werden Sessions zum Stand der OZG-Umsetzung, IT-Sicherheit in der Verwaltung und zur digitalen Souveränität auf die Bühnen bringen und prominent besetzen. Am zweiten Tag legen wir den Fokus auf Smart City. Unsere Foren zur Digitalisierung von Städten und ländlichen Regionen kommen als Publikumslieblinge auch digital zurück. Wir stellen den neuen “Smart City Index” vor und küren Deutschlands digitalste Städte, werfen aber auch einen Blick auf die internationale Smart-City-Landschaft. An beiden Tagen verleihen wir den “Smart Country Startup Award” an die innovativsten Lösungen für den Public Sector – in diesem Jahr entscheidet das Publikum per Online-Abstimmung, wer gewinnt. Ich verspreche also nicht zu viel, wenn ich sage, dass für jeden, der sich mit der Digitalisierung im Public Sector beschäftigt, bei unseren Themen etwas dabei ist. Noch nie war Digitalisierung so wichtig und noch nie war es so einfach, an der Smart Country Convention teilzunehmen. An Ihre Leser gerichtet: Seien Sie dabei!

Grafik: Bitkom

Smart Country Convention 2020 – Special Edition

Die Smart Country Convention Convention (SCCON) ist Deutschlands Leitmesse für die digitale Transformation im Public Sector. Der Behörden Spiegel ist Partner der Veranstaltung. Dieses Jahr findet die SCCON erstmals mit exklusiven und digitalen Formaten statt. Das Programm wird für alle zugeschalteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer live von der Messe Berlin übertragen.

Am 27. Oktober 2020 dreht sich alles rund um E-Government und am 28. Oktober 2020 liegt der Fokus auf Smart Cities. Erwartet werden Digitalexperten und Innovationstreiber aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft.

Online-Tickets für die Smart Country Convention 2020 können jetzt kostenlos erworben werden. Mehr Infos zur Veranstaltung und die Möglichkeit zur Anmeldung unter: www.smartcountry.berlin/

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