Strategiethema Künstliche Intelligenz – Expertendialog

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"Die KI-Strategie des Bundes setzt darauf, in den verschiedenen Branchen so zu agieren, dass wir frühzeitig eine Vorreiterrolle am Standort Deutschland realisieren und diese sichern.", so Andreas Karanas, Geschäftsführer und Gründer der Carrypicker GmbH. (Foto: H. Biedel)

Ende  September 2020ging es beim Innovationssymposium Künstliche Intelligenz um die strategischen Fragen für den Standort Deutschland. Das Symposium richtet sich an Wissenschaft, Wirtschaft und Industrie und vertritt dabei die Erfahrungen und Positionen exzellenter Organisationen wie dem DLR, dem RKI, der Technischen Universität Darmstadt, dem Forschungsinstitut Cyber Defense,  dem Fraunhofer IAIS, verschiedenen Ministerien mit ihrer Sicht auf die KI-Strategie der Bundesregierung sowie den Innovationstreibern aus der Wirtschaft.

Andreas Karanas, Geschäftsführer und Gründer der Carrypicker GmbH: “Die KI-Strategie des Bundes setzt darauf, in den verschiedenen Branchen so zu agieren, dass wir frühzeitig eine Vorreiterrolle am Standort Deutschland realisieren und diese sichern. Wir sind sehr stolz, dass wir als forschendes Unternehmen mit KI-Expertise für die Logistik- und Speditionsbranche neue Wege bereiten. Aktuell sind wir das bundesweit einzige Förderprojekt dieser Größenordnung, an dem kein Großunternehmen oder eines der großen Forschungsinstitute beteiligt sind und bei dem ein Startup Konsortialführer ist. Die Förderstrukturen, wie sie beispielsweise durch den mFUND und das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gegeben sind, ermöglichen es jungen Unternehmen wie Carrypicker, effizient zu forschen und gleichzeitig nachhaltige Geschäftsmodelle ‚Made in Germany‘ zu entwickeln und umzusetzen, die eine Innovation für den europäischen Wirtschaftsraum darstellen und mit denen wir uns klar als KI-Nation positionieren.”

Im Gespräch mit Andreas Karanas

BS: Warum ist gerade die Transport- und Logistikbranche im Bereich Künstliche Intelligenz gefragt, sich komplett neu zu organisieren?  

A. Karanas: Die LKW-Transport-Logistik ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Mit 370 Mrd. Euro Frachtvolumen in Europa bildet sie das logistische Rückgrat unserer Grundversorgung. Das wurde jedem in der Lockdown-Phase sehr deutlich vor Augen geführt. Die 370 Mrd. Euro Frachtvolumen verteilen sich auf 6,5 Mio LKW, die in der Mehrzahl kleinen und mittelständischen Fuhrunternehmern gehören. Damit ist zum einem der Konzentrationsgrad der Branche sehr niedrig, zum anderen ist die Komplexität aufgrund der vielen unterschiedlichen Frachten sehr hoch. Die Planung der Touren erfolgt überwiegend manuell durch Disponenten – dies ist eine sehr komplizierte Arbeit, da bis zu 40 unterschiedliche Parameter pro Ladung berücksichtigt werden müssen und das dann auch noch unter Zeitdruck in einem dynamischen Umfeld. So erklärt es sich, dass LKW im Durschnitt nur zu 70 Prozent beladen sind. Unser Ziel ist, die Verschwendung von Lade-Kapazitäten mit Hilfe von künstlicher Intelligenz zukünftig zu vermeiden.

BS: Was hat Carrypicker mit seiner Forschungsarbeit bislang leisten können?

A. Karanas: Wir haben eine Software entwickelt, die die effizienteste Ladungsbündelung ermittelt, den aktuellen Frachtpreis errechnet und den geeigneten Fuhrunternehmer beauftragt. Das Ganze unter der Berücksichtigung aller ladungsrelevanten Parameter in einem dynamischen Umfeld und in Sekundenschnelle. Damit werden unnötige Wege gespart und die Kapazitätsauslastung der LKW erhöht.

BS: Warum haben Sie sich neben der Effizienzfrage auch der Nachhaltigkeitsthematik gewidmet? Gibt es hier erste Effekte bei der Umsetzung? Wird demnächst die Einhaltung der Klimaziele als fester Bestandteil in den CSR-Reports der Unternehmen aufgenommen werden?

A. Karanas: In unserem Fall sind die Effizienzsteigerung und die Verbesserung der Umweltbilanz zwei Seiten einer Medaille. Das eine bedingt automatisch auch das andere. Eine Herausforderung war es, den positiven Nachhaltigkeitseffekt beweisen zu können. Dabei hat uns das GLEC – Global Logistics Emissions Council – geholfen. Das GLEC hat sich zur Aufgabe gemacht, die Emissionsbilanz von Logistikleistungen zu berechnen und vergleichbar zu machen. Uns wurde bestätigt, dass durch den Einsatz unserer Software die durchschnittliche Emission von 103g CO2 pro tkm auf 95g CO2 pro tkm gesenkt werden kann.

BS: Verändert das Geschäftsmodell „KI in der Logistik“ und „Nachhaltigkeit in der Logistik“ auch andere Wirtschaftszweige?

A. Karanas: Ich bin davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz zu einem gewaltigen Innovationsschub in nahezu jedem Lebensbereich führen wird. Gerade in einer immer komplexeren und vernetzteren Welt kommt der Mensch immer häufiger an seine Grenzen und Effizienzsteigerungen sind nur noch mithilfe von selbstlernenden Systemen zu erzielen. Das ist aber per se nichts Schlechtes, sondern führt in vielen Bereich zu einer unmittelbaren Verbesserung wie z.B, bei den CO2 Einsparungen, oder der Reduktion des Verkehrsaufkommens, die wir mit unserer Innovation erzielen können)

BS: Wie wurden Sie als Unternehmen unterstützt, welche Netzwerke sind nötig um erfolgreich agieren zu können?

A. Karanas: Als Startup ist man besonders auf Kooperationen mit Politik und Wirtschaft angewiesen. Dank der Unterstützung durch das BVMI konnte unsere Forschung ausgebaut und beschleunigt werden. So sind wir heute deutlich weiter mit unserer Forschung und Entwicklung als es ursprünglich geplant war. Auch die Kooperationen mit großen Wirtschaftsunternehmen hat sehr gut funktioniert. Wir sind also auf wirklich sehr „offene Ohren“ gestoßen und konnten wichtige Vereinbarungen treffen. Die Zusammenarbeit führt zu einer ständigen Verbesserung, von der beiden Seiten profieren. Es ist ein konstanter beidseitiger Lernprozess.

Vielen Dank für das Gespräch.

Über Carrypicker:
Das Hamburg Digital-Unternehmen Carrypicker gehört zu den forschenden Unternehmen in Deutschland und zählt seit seiner Gründung zu den Vorreitern für den Bereich Künstliche Intelligenz in der Logistik- und Transportbranche. Das Ziel ist es, die Speditionswelt mit neuen Ideen, künstlicher Intelligenz und der Digitalisierung der Transport-Prozesskette effizienter, wirtschaftlicher und zukunftsfähig zu machen. Als Innovationstreiber für den drittgrößten Wirtschaftszweig Deutschlands gestaltet Carrypicker für viele weitere Wirtschaftsbranchen neue Digitalisierungsansätze, die für den KI-Standort Deutschland neue Maßstäbe setzen. Als Spedition der nächsten Generation unterstützt das Hamburger Unternehmen außerdem zahlreiche Firmen dabei ihre Teilladungen profitabler zu bündeln, Leerfahrten zu vermeiden und damit nachhaltige Geschäftsmodelle aufzusetzen. In Bruchteilen von Sekunden errechnet die KI Engine von Carrypicker die jeweils beste Lösung für die Disposition von Transportgütern auf der Straße. Dadurch sind erhebliche Effizienzsteigerungen möglich, durch weniger Leerfahrten können erhebliche CO2-Einsparungen realisiert und die Reduktion des Verkehrsaufkommens unterstützt werden.

Infos: www.carrypicker.com

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