Bürger wünschen beschleunigte Verwaltungsdigitalisierung

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(Grafik: Bitkom Research)

Zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger glauben, dass die Corona-Krise die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung voranzwingt. Fast die Hälfte hat seit Ausbruch der Pandemie neue digitale Angebote zur Kenntnis genommen. Genutzt wurden diese von gut jedem Fünften. Das sind Ergebnisse einer Umfrage des Verbands der Digitalbranche Bitkom.

“Viele Städte und Gemeinden haben im Zuge der Corona-Krise von null auf digital geschaltet und im Rekordtempo Schriftformerfordernisse gestrichen, digitale Anträge bereitgestellt und die Bürger von der Pflicht befreit, vor Ort zu erscheinen. Das kommt in der Bevölkerung gut an“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Nun müssten Politik, Wirtschaft und Kommunen über die nächsten Schritte sprechen und die Digitalisierung verstetigen.

Denn die ist längst nicht überall und bei jedem im gleichen Maße angekommen. So hätte sich jeder Zehnte der über 1.000 Befragten in seinem Wohnort neue Angebote als Reaktion auf die Krise gewünscht, sei aber enttäuscht worden. Über 40 Prozent der Bürger wissen nicht, ob es überhaupt digitale Verwaltungsdienstleistungen in ihrer Gemeinde gibt oder interessieren sich nicht dafür.

Noch dauern analoge Behördenbesuche nach Erhebungen des Bitkom im Schnitt 148 Minuten – abzüglich An- und Abreise sowie Wartezeit sind es nur rund 25 Minuten für die eigentliche Bearbeitung des Anliegens (siehe Grafik). Dabei geht jeder zweite Bürger davon aus, dass die meisten Behördengänge auch ohne Probleme online erledigt werden könnten.

Digitale Dienste gewünscht

Drei Viertel der Befragten möchten dies auch tatsächlich nutzen. 91 Prozent finden, dass Dokumente wie Reisepass und Personalausweis automatisch beantragt, verlängert und zugesendet werden sollten. Für ein einheitliches Bürgerkonto zur Identifizierung sprechen sich 82 Prozent aus. Die knappe Hälfte würde ihre Stammdaten einmalig bei einer Behörde hinterlegen und den Austausch mit anderen Behörden erlauben. Bei konkreten Diensten werden besonders familienbezogene Leistungen nachgefragt. 93 Prozent wünschen ein zentrales Anmeldeportal für Schulen und Kindertagesstätten, um den Aufwand für die Anmeldung zu minimieren. Jeder Zweite findet, Kinder- und Elterngeld und ähnliche Leistungen sollten online angeboten werden.

Bürger wollen sich digital beteiligen

Die Erwartungshaltung an die Verwaltung ist klar. Fast acht von zehn Befragten wünschen sich mehr Nachdruck bei der Digitalisierung in den Städten und Gemeinden. Nur ein gutes Drittel schätzt den Digitalisierungsgrad im Heimatort als fortgeschritten ein. Groß ist der Wunsch nach Beteiligungsmöglichkeiten. Neun von zehn meinen, Bürger sollten mehr in die Entwicklung der Digitalisierung einbezogen werden. Je rund drei Viertel befürworten Online-Mängelmelder, um auf Probleme im öffentlichen Raum hinzuweisen, bzw. die Möglichkeit online Vorschläge zur Verbesserung der Lebensqualität einzubringen. Fast die Hälfte würde sich gern online an Planungs- und Entscheidungsprozessen beteiligen können. Dazu Bitkom-Hauptgeschäftsführer Rohleder: “Eine Demokratie muss gerade in Krisenzeiten handlungsfähig bleiben. Das trifft sich mit dem Wunsch der Bürger, sich mehr zu beteiligen – und der leichteste Weg ist via Internet. Bund und Länder müssen die rechtlichen Grundlagen für volldigitalisierte Bürgerbeteiligung schaffen.”

SCCON trifft den Nerv der Bürger

Komfortable Online-Angebote und smarte Konzepte für das kommunale Zusammenleben sind Kernthemen der Smart Country Convention 2020 (SCCON) des Bitkom und der Messe Berlin. Die Plattform zur Digitalisierung im öffentlichen Sektor findet virtuell am 27. und 28. Oktober rund um die Themen E-Government und Smart City statt. “Teilnehmer können das umfangreiche Kongressprogramm bequem von zuhause oder im Büro verfolgen und zwar als Livestream oder im Nachgang on demand”, sagt der Executive Vice President der Messe Berlin, Jens Heithecker. “Auch das virtuelle Networking wird nicht zu kurz kommen.” Der Behörden Spiegel ist exklusiver Medienpartner der Kongressmesse.

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