Wolski meint

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Generalmajor a. D. Reinhard Wolski, Dipl.-Ing. (Univ.), ist Mitarbeiter des Behörden Spiegel und war in seiner letzten Verwendung Chef des Amtes für Heeresentwicklung. (Foto: privat)

Der Abbruch des Vergabeverfahrens für den neuen Schweren Transporthubschrauber der Bundeswehr ist ein weiterer Schritt in einer langen und schwierigen Geschichte des Beschaffungswesens. Seit 1999 versuchten Frankreich und Deutschland in Fachgruppen der NATO ein gemeinsames Beschaffungsverfahren für einen Heavy Lift Helicopter durchzusetzen. Dieser Versuch scheiterte, da andere Nationen wenig Interesse zeigten.

2006 gab es eine Regierungsvereinbarung zwischen Frankreich und Deutschland und eine Firmenvereinbarung zwischen Boeing und (damals) Eurocopter für einen „Future Tandem Lift“ – Hubschrauber. Auch dieses Projekt ließ sich nicht realisieren. Währenddessen wurden Nutzungsdauerverlängerungen und Nachrüstungen für die CH-53 durchgeführt, allerdings immer nur an Teilen der Flotte, was zu kleinen Stückzahlen und wenig Manöverelementen führte.

Die Luftbeweglichkeit der Landstreitkräfte Deutschlands ist damit weit unter das operative Minimum gesunken, denn das System NH90 ist die Wiedergewinnung des leichten Lufttransportraumes (Nachfolger der Bell UH-1D). Sofern die Bundeswehr ihr operatives Fähigkeitsprofil wirklich realisieren will, sollte schnellstens – nach über 20 Jahren Studien und Initiativen – ein schwerer Transporthubschrauber wirklich „of the shelf“ ohne große „Germanisierungsmaßnahmen“ beschafft werden.

Der Verfasser des Gastkommentars ist Generalmajor a.D. Reinhard Wolski, Dipl.-Ing. (Univ.). Er ist Experte des Behörden Spiegel und war in seiner letzten Verwendung Chef des Amtes für Heeresentwicklung.

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