Infrastrukturvorhaben mit Künstlicher Intelligenz beschleunigen

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Digitale Hilfsmittel könnten die Planung von Infrastrukturprojekten deutlich beschleunigen. (Foto: pexels, pixabay.com)

Die Beteiligung der Öffentlichkeit im Rahmen großer Infrastrukturprojekte gehört zu den wichtigsten demokratischen Diskussionsprozessen der Bundesrepublik. Gleichzeitig stellt sie die Verantwortlichen vor enorme Herausforderungen. So ist der Ausbau der Infrastruktur zwar zentral für die ökonomische Entwicklung des ganzen Landes, stößt jedoch auf teilweise heftigen Widerstand seitens der Anwohner oder von Naturschutzverbänden. Die Argumente von Einzelpersonen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Trägern öffentlicher Belange müssen penibel geprüft und rechtssicher beantwortet werden – sonst drohen Klagen und das Scheitern des gesamten Vorhabens. Hinzu kommt, dass die Öffentlichkeit ganz genau hinschaut, wenn es um Großprojekte mit enormen Investitionssummen geht.

Konkret bedeutet das für die durchführenden Akteure eine Flut – zehntausende Stellungnahmen sind keine Seltenheit – an hochkomplexen und fachlich relevanten Argumenten, die in wochenlangen Bearbeitungsphasen durch oft Dutzende Fachexperten und -expertinnen zu bearbeiten sind. Dazu kommt, dass viele Prozesse zur Verarbeitung der Stellungnahmen, also ihr Eingang, die Aufnahme ins interne Daten- und Textverarbeitungssystem, die Sichtung und Zuweisung an die jeweiligen Fachbereiche sowie die Koordinierung der einzelnen Verantwortlichen oft noch manuell erfolgt. Inkonsistenzen in den durch unterschiedliche Verantwortliche verfassten Antworten sind ein weiteres Problem.

Es geht also um Text, genauer gesagt um viel Text. Hier kann Künstliche Intelligenz ihre Stärke ausspielen. Modernste Analyseverfahren des Machine Learning, Natural Language Processing und der Computer Vision digitalisieren Text und sonstige Daten und machen die Künstliche Intelligenz selbst “textverständig”. Beides öffnet ein weites Feld an Möglichkeiten zur Automatisierung bisher höchst zeit- und koordinierungsaufwendiger manueller Arbeitsschritte. Zum einen können die schriftlich eingegangenen, oft in PDF gescannten Stellungnahmen vollständig digitalisiert werden. Zum anderen sind sie dann inhaltlich analysierbar und einzelne Themen und Argumente können erkannt werden. Dies wiederum ist Grundlage, um sie zur Beantwortung an die entsprechenden Fachabteilung zuzuweisen. Auch Serienbriefe verlören für die Beteiligungsabteilungen ihren Schrecken, da die KI sie erkennt, Abwandlungen differenziert und für eine gesammelte Beantwortung passend zusammenstellt. So bleibt mehr Zeit für qualitativ hochwertige Beantwortung und größere Konsistenz in den Erwiderungen. Die Beteiligungen – und damit auch die Projekte selbst – werden so schneller und mit weniger verzögernden Rechtsstreiten abgeschlossen. Das senkt letztlich auch die Projektkosten.

Eine Beschleunigung der Planfeststellungsverfahren würde Deutschland eine bedeutend schnellere Restrukturierung im Bereich der erneuerbaren Energien, der Mobilität oder auch der digitalen Infrastruktur ermöglichen. Künstliche Intelligenz kann hierzu wertvolle Dienste leisten. 

Rolf Lührs, CEO bei der DEMOS E-Partizipation GmbH, ist Verfasser des Gastbeitrages.

Gemeinsam mit Demos veranstaltet der Behörden Spiegel ein Webinar zum Thema “Einwendungsmanagement in Infrastrukturprojekten”. Das Webinar findet am 6. November 2020 von 10-11 Uhr statt. Eine Anmeldemöglichkeit sowie alle anderen Informationen finden sich unter diesem Link. Zur Teilnahme an unseren Webinaren benötigen Teilnehmer lediglich einen Internetbrowser und Internetzugang. Es handelt sich um eine webbasierte Software, die keine Installation erfordert. Die Zugangsdaten sowie weitere relevante Informationen werden nach der Anmeldung per Mail ausgesandt.

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