E-Government: Corona-Effekt bleibt aus

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Trotz steigender Akzeptanzwerte bleiben die Nutzerzahlen bei Lösungen des E-Governments verhalten. (Quelle: D21)

Die Digitalisierungsinitiative D21 hat den “eGovernment Monitor” für das Jahr 2020 vorgelegt. Trotz zarter Zuwächse bei der Nutzung digitaler Verwaltungsleistungen bleibt das Fazit der Studie verhalten. Zwar habe die Pandemie dazu geführt, dass die Offenheit in der Bevölkerung gegenüber digitalen Lösungen zugenommen habe, ein messbarer “Corona-Effekt” sei allerdings ausgeblieben.

Zunächst das Positive vorweg: Im Jahr 2020 nutzt erstmals mehr als die Hälfte aller Onliner und Onlinerinnen digitale Leistungen der öffentlichen Verwaltung – so das Ergebnis des zehnten eGovernment Monitors, eine repräsentative Studie der Initiative D21 und der Technischen Hochschule München (TUM). Zwar legt das Nutzungsverhalten in Deutschland damit gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent zu, liegt aber mit einer Gesamtpunktzahl von 52 deutlich hinter den Nachbarstaaten Schweiz (60) und Österreich (72), die jeweils zwei Prozent zulegen. Größte Barriere bleibt laut Studienmachern der Faktor Gewohnheit, der – trotz Bekanntsein einzelner Digital-Optionen – unter Bürgerinnen und Bürgern noch immer dazu führe, dass der Gang zum Amt einer Online-Alternative vorgezogen werde. 78 Prozent der Studienteilnehmer favorisieren aktuell noch den persönlichen Kontakt. Doch könnte sich das künftig ändern, zumal die Offenheit gegenüber Angeboten des E-Governments in 2020 zugenommen hat: In Deutschland können sich 75 Prozent der Befragten vorstellen, Behördengänge demnächst online durchzuführen, in Österreich sind es 81, in der Schweiz 70 Prozent. In den aktuellen Zahlen schlägt sich dieser Mentalitätswechsel hingegen noch nicht nieder: Lediglich sieben Prozent der Studienteilnehmer gaben an, aufgrund der Corona-bedingten Einschränkung des gesellschaftlichen Lebens ihre Behördengänge auf digitalen Wegen durchgeführt zu haben. Im Vergleich zu den anderen DACH-Staaten – in der Schweiz lag der Zuwachs bei zwölf Prozent, in Österreich sogar bei 13 – bildet Deutschland damit erneut das Schlusslicht. 

Dr. Markus Richter, Bundes-CIO und Staatssekretär im Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI), versteht die Bilanz des eGovernment Monitors als einen Appell, Digitalisierung in Zukunft noch nutzerzentrierter und transparenter zu gestalten: “Ich sehe die Studienergebnisse als Auftrag, noch stärker im Sinne der Menschen zu denken. Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger bei der digitalen Transformation mitnehmen. Nur wer den digitalen Anwendungen vertraut und sie versteht, wird sie später auch nutzen. Ein Schritt dazu war das kürzlich vorgestellte Dashboard zur digitalen Verwaltung, diesen Weg wollen wir weiter gehen”, so Richter.

Der eGovernment Monitor bietet ein umfassendes Lagebild zur Nutzung und Akzeptanz digitaler Verwaltungsangebote in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Grundlage der aktuellen Studie ist eine Onlinebefragung im Zeitraum vom 9. bis 17. Juni 2020 mit 1.005 Interviews in Deutschland, 1.008 in Österreich und 1.002 in der Schweiz.

Einblick in den eGovernment Monitor gibt es hier.

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