Start Ups in die Truppe bringen – Der Defence Innovation Pitch Day in München

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(Foto: BS/Dorothee Frank)

Heute Vormittag begann in München der Defence Innovation Pitch Day, mit dem die Brücke zwischen Start Ups und Bundeswehr geschlagen werden soll. Veranstalter sind der Behörden Spiegel und die Universität der Bundeswehr München.

„Die Ausrüstung wird zunehmend auch von Digitalisierung, Automatisierung und Künstlicher Intelligenz beeinflusst“, beschrieb MdB Florian Hahn bei seiner Einführung in den Tag. Diese neuen Entwicklungen, Methoden und Systeme müssten immer schneller in die Bundeswehr kommen, um die Streitkräfte verteidigungsfähig zu halten. Hier käme den Start Ups und ihrer Kombination aus innovativen Lösungen mit rascher Anwendbarkeit eine besondere Bedeutung zu. „Der Sektor muss allerdings auch wirtschaftlich attraktiv für Start Ups sein“, sagte Hahn. Diese attraktiven Bedingungen seien durch die Politik zu schaffen, etwa durch den zehn Milliarden Euro Start Up-Fonds, der 2021 beginnt. Dies sei aber nur ein erster Schritt, auf dem die Politik sich kaum ausruhen dürfe. Hahn betonte: „Ein gesundes Start Up Ökosystem braucht die richtigen Rahmenbedingungen. Daran sollten wir gemeinsam arbeiten, damit die Bundeswehr über das beste und sicherste Gerät verfügt.“

Eine dieser Stellen, die genau diese von Hahn angesprochene praktikable Innovation schnell in die Bundeswehr bringen soll, ist der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw). Innerhalb von nur 90 Tagen würden hier Lösungen analysiert und dann entweder der Bundeswehr empfohlen, oder auch nicht, beschrieb der Leiter des CIHBw, Sven Weizenegger. „Für uns ist entscheidend, dass der User über das Produkt entscheidet“, so Weizenegger. „Wir arbeiten zudem als Trüffelschweine in der Bundeswehr. Die Bundeswehr hat unglaublich viele innovative Menschen.“ Für diese innovativen Soldaten biete der Cyber Innovation Hub verschiedenste Hilfestellungen, von der praktischen Umsetzung bis hin zu Schulungen und Training. „Unser Ziel ist die Soldaten zu befähigen, Lösungen zu präsentieren und in die Truppe zu bringen.“

Auch Brigadegeneral Frank Pieper, Chief Digital Officer beim Deutschen Heer, sah keinen Mangel an Innovationskraft in der Bundeswehr, sondern bei der Überführung in Beschaffungsprozesse. „Am einen Ende des Kontinuums haben wir Forschung, Start Ups, das BAAINBw, Universitäten, Fraunhofer, ich könnte diese Liste endlos fortsetzen. Diese ordne ich unter der Club-Mate-Fraktion ein. Auf der anderen Seite des Kontinuums stehen wir, der Nutzer, das Heer. Und dazwischen ist das große, große Nirvana der Beschaffungsprozesse“, beschrieb Pieper. Das größte Manko sei somit, dass Innovationen nicht in die Beschaffungsprozesse gelangen. „Oft genug werden diese fehlenden Übergänge dazu genutzt, dass wir veraltetes Gerät erhalten.“

Das Heer wolle nun die Verbindung zur Überbrückung dieses Nirvanas schaffen. „Wir stellen professionelle Test- und Versuchsstrukturen auf, die schnell, abgestimmt und prozesskonform Innovationen in einen Experimentalbetrieb bringen können“, beschrieb Pieper das erste Element. Das zweite Element sei die Einbettung in das Systemzentrum Digitalisierung Land, das sich vor allem durch die Anwendung eines experimentellen Second-Life-Prozesses – analog zum Vorgehen von Wirtschaftsgrößen wie Toyota – auszeichne. „Unser Ziel ist: Start Small, ohne direkt in das Gesamtsystem einzudringen“, beschrieb Pieper die Vorhaben, um Innovationen tatsächlich auch in die Beschaffungen für das Heer zu überführen. Der große Ansatz früherer Zeiten, bei dem eine Lösung für jeden einzelnen Soldaten beschafft würde, sei weder zeitgemäß noch umsetzbar.

Pieper schloss, dass nur durch einen solchen Brückenschlag die moderne Ausstattung und vor allem die Nutzung von Innovationen in der Bundeswehr möglich werde. „Die derzeitige in der Politik erkennbare Tendenz, durch Finanzierungen und weiteren Aufbau die Club-Mate-Fraktion unglaublich zu vermehren, löst das Problem nicht“, betonte Pieper. „Wir haben kein Innovationsproblem in Deutschland, wir haben ein Umsetzungsproblem.“

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