Triage in Pandemiezeiten

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Prof. Dr. med. Leo Latasch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM), sieht die Entscheidungskompetenzen bei Medizinern. (Foto: BS/Klawon)

Gegen diese Einteilung wehrt sich Prof. Dr. med. Leo Latasch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM), massiv. DGKM vertrete die Auffassung, dass eine prognostische Aussage zur Erfolgsaussicht der Behandlung in der Anfangsphase auf keinen Fall möglich sei. Ebenso seien die Entscheidungskriterien von Alter, Herkunft oder Behinderung sowie die genannten juristischen Standpunkte aus medizin-ethischer Sicht nicht vertretbar.

Er ist der Überzeugung: “Der Patient, der am schlimmsten betroffen ist, soll auch die maximale therapeutische Behandlung erhalten.” Weiter stellt Latasch klar: “Juristen haben nicht über eine Behandlung zu entscheiden, sondern Mediziner.” Eine Entscheidung darf nur aufgrund rein medizinischer Basis getroffen werden. In ihrer Orientierungshilfe schreibt die DGKM: ” Klinisch-ethisch empfehlen wir, auf Behandlung derer zu verzichten, bei denen keinerlei Erfolgsaussicht gegeben ist.”

Für eine Behandlung müsse jede Entscheidung individuell und patientenzentriert durchgeführt werden. Außerdem müsse die Entscheidung über die Behandlung von mehreren Personen getroffen werden. Grundsätzlich müsse zudem das Entscheidungsverfahren transparent und nachvollziehbar sein.

Latasch sieht jedoch nicht den Mangel an medizinischen Ressourcen, wie Beatmungsgeräte, als problematisch an, sondern den Mangel an Ärzten, Sanitätern und Pflegekräften. Es gebe nicht genügend Personal, um ein hohes Patientenaufkommen zu versorgen. Der Mediziner sieht dabei die Bundes- und die Landesregierungen in der Pflicht, für eine bessere Versorgung und Personalausstattung zu sorgen.

Die Orientierungshilfe der DGKM findet sich hier. http://www.dgkm.org/sites/default/files/Covid-19_DGKM.pdf

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