Lynx oder Puma?

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Das zweite Los Schützenpanzer (SPz) Puma scheint auf wackeligen Füßen zu stehen. Es mehren sich die Stimmen, die lieber jetzt als später ein zweites Standbein in den Landstreitkräften aufbauen wollen. Dass dieses zweite Standbein nicht ein immer wieder modernisierter Marder sein kann, machte der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, erst jüngst deutlich: “So ist es aus meiner Sicht völlig ausgeschlossen, die für die Div2027 benötigten 266 SPz Puma und die 43 schweren Waffenträger Boxer noch einmal durch Rückgriff auf den SPz Marder zu substituieren, um die benötigten fünf Panzergrenadierbataillone und drei Jägerbataillone auszurüsten. Der Marder ist angesichts seines anstehenden 50. Geburtstages in 2021 keine Lösung mehr für 2027. Er ist ein wichtiges Instrument zur Aufrechterhaltung der Ausbildungsfähigkeit im Heer, aber keine ernsthafte Alternative für Einsätze jenseits von 2027.”

Das Hauptmanko des Puma ist der Klarstand, der mit gerade einmal 17 Prozent weit unterhalb jeder tragfähigen Größe liegt. Hinzu kommen hausgemachte Probleme, die auch in den wechselnden Ansprüchen ihre Ursache haben. So durfte bei der ursprünglichen Beschaffung ein bestimmter Preis pro Fahrzeug nicht überschritten werden, was dazu führte, dass die Beschaffung von verschiedenen Fähigkeiten, Systemelementen und ausreichenden Ersatzteilen nicht im ursprünglichen Vertrag enthalten waren. Zudem sollte der Puma in einer A400M transportierbar sein. Nachdem das Gewicht der A400M allerdings durch die geänderten Triebwerke an dem Flugzeug um fünf Tonnen stieg – und sich die Zulast dementsprechend reduzierte – war der Puma plötzlich zu schwer für das Transportflugzeug. Teile der Panzerung müssen nun separat verbracht werden. All dies führt zu einer schlechten Akzeptanz in der Truppe und besonders der geringe Klarstand macht seine Einsetzbarkeit in kritischen Situationen aktuell fraglich.

Gleichzeitig kommt dem Puma allerdings beim System Panzergrenadier eine entscheidende Rolle zu. Die VJTF 2023 steht und fällt gewissermaßen mit einem einsatzfähigen modernen Schützenpanzer. Aus diesem Grund gingen jüngst mehrere Modernisierungsmaßnahmen für den Schützenpanzer Marder unter Vertrag. Dem sind allerdings in dem alten Gerät deutliche Grenzen gesetzt, von Verkabelungsmöglichkeiten über die Stromerzeugung bis hin zur Nutzung des verfügbaren Innenraums und der Durchsetzungsfähigkeit der 20mm-Kanone. Zudem ist es teuer, so ein altes System auf die moderne Zeit einzustellen, der es nie ganz genügen kann.

Die am Puma beteiligten Unternehmen haben das durch dieses Projekt erworbene Wissen mittlerweile genutzt, um eigene Schützenpanzer für den Export zu entwickeln. Besonders der Lynx von Rheinmetall konnte sich bereits in mehreren internationalen Wettbewerben – von Ungarn bis nach Australien – durchsetzen. Er passt zwar nicht in eine A400M, überzeugte dafür aber in den Testreihen der verschiedenen Streitkräfte.

Erst vergangene Woche hat Rheinmetall den ersten von drei Schützenpanzern des Typs Lynx KF41 vorgestellt, die für das australische Land 400 Phase-3-Programm entwickelt und gefertigt werden. Die ersten Fahrzeuge sind für die Tests im Rahmen der Risk Mitigation Activity (RMA) vorgesehen, die ab November 2020 über einen Zeitraum von 12 Monaten stattfinden. Der nun übergebene erste Lynx wird in den kommenden Monaten vor allem für Sprengtests genutzt.

Der Lynx wurde auch von den ungarischen Streitkräften – hier geht es um eine Lieferung von über 200 Fahrzeugen – als weltweit ersten Startauftrag für den Schützenpanzer ausgewählt. Rheinmetall Defence Australia wird auch für den ungarischen Auftrag liefern, unter anderem Geschütztürme. Der durch ein Unternehmen entworfene “deutsche” Schützenpanzer entwickelt sich also zu einem weltweiten Erfolgsmodell, während der tatsächliche deutsche Schützenpanzer weiterhin Probleme verursacht. Kein Wunder, dass auch im militärischen Bereich mittlerweile Forderungen laut werden, sich den Lynx doch zumindest mal genauer anzusehen.

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