NRW gibt sich Wasserstoff-Roadmap

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Auch der Chemiepark Wessing soll zukünftig in Wasserstoffprojekte eingebunden werden. (Foto: SatyaPrem, pixabay.com)

NRW will den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft beschleunigen und damit gleichzeitig neue Jobs für bis zu 130.000 Menschen schaffen. Neben einer Modellregion im Düsseldorfer Umfeld aus Rhein und Wupper setzt man sich ehrgeizige Ziele für den Aufbau von Infrastrukturen im Land. So sollen bis 2025 erste Großanlagen in Betrieb gehen, die ersten gut 100 Kilometer eines Pipeline-Netzes installiert und 400 Brennstoffzellen-Lkw im Land unterwegs sein. Das Erreichen der ambitionierten Ziele wird von der Regierung proaktiv vorangetrieben und von der nordrhein-westfälischen Industrie unterstützt, wie Ministerpräsident Armin Laschet und unternehmer nrw-Präsident Arndt Kirchhoff in einem Spitzengespräch zum Thema gemeinsam deutlich machten. Mit einem Dutzend Projekte und einem dahinterstehenden Projektvolumen von vier Milliarden Euro setzen die nordrhein-westfälischen Unternehmen laut Landesregierung ebenfalls ganz klar auf Wasserstoff als Rohstoff der Zukunft.

Um die Ziele strategisch zu erreichen und dabei einen sinnvollen Markthochlauf zu schaffen, hat das Energieressort eine Wasserstoff-Roadmap Nordrhein-Westfalen erstellt, die Energie- und Klimaschutzminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart Mitte November vorgestellt hat. Diese Roadmap strukturiert sich in zwei Phasen: zum einen werden Ziele bis 2025 benannt, und zum anderen Ziele bis 2030. So soll in den kommenden fünf Jahren u.a. eine erste große Anlage zur Erzeugung von Stahl auf Basis von Wasserstoff in Duisburg entstehen. Im Bereich der Mobilität sind zudem mehr als 400 Brennstoffzellen-Lkw, mindestens 20 Lkw-Wasserstoff-Tankstellen und 60 Wasserstoff-Tankstellen für Pkw geplant. Im ÖPNV sollen zudem rund 500 Wasserstoff-Busse sowie vereinzelt erste wasserstoffbetriebene Binnenschiffe unterwegs sein. Langfristig, also bis zum Ende der Dekade, sollen zudem u.a. wasserstoffbasierte Anlagen in weiteren Branchen wie bspw. Glas-, Fliesen- und Ziegelindustrie in Betrieb gehen und 11.000 Brennstoffzellen-Lkw über 20 Tonnen, 1.000 Brennstoffzellen-Abfallsammler und 3.800 Brennstoffzellen-Busse im ÖPNV durch’s Land rollen, die an 200 Wasserstoff-Tankstellen für Lkw und Pkw aufgetankt werden können.

Für Energieminister Pinkwart ehrgeizige, aber alternativlose Pläne: “Das Ziel, die industriellen Prozesse in Nordrhein-Westfalen bis 2050 annähernd klimaneutral zu gestalten, kann nur durch den Einsatz von Wasserstoff erreicht werden. Wasserstoff bietet uns riesige Chancen auf dem Weg zu einer grünen und modernen Industrie: Konsequent eingesetzt, können wir damit in Zukunft ein Viertel unserer heutigen CO2-Emissionen einsparen. Auch wirtschaftlich erwarten wir einen Schub: Bis zu 130.000 zusätzliche Arbeitsplätze können in Nordrhein-Westfalen entstehen. Dazu müssen wir jetzt die Voraussetzungen schaffen: Der Aufbau eines Wasserstofftransportnetzes muss zügig in den Regulierungsbereich des Energiewirtschaftsgesetzes aufgenommen werden. Dazu haben wir am vergangenen Freitag einen Bundesratsbeschluss herbeigeführt, der notwendige gesetzliche Änderungen enthält. Der Bund muss jetzt liefern.”

Wichtige Weichen hat Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Monaten bereits gestellt und im Rahmen der Initiative IN4climate.NRW zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht. Nun müsse die Bundesregierung die regulatorischen Voraussetzungen schaffen und durch die zügige Abschaffung der EEG-Umlage stärkere Anreize bieten. Auch durch eine Reihe von Pilotprojekten hat das bevölkerungsstärkste Bundesland bereits den Grundstein für seine Wasserstoffwirtschaft gelegt. Jetzt will man die Voraussetzungen für einen breiten Roll-Out schaffen. Laut Forschungszentrum Jülich wird der Wasserstoffbedarf in Nordrhein-Westfalen bis 2050 auf 104 Terawattstunden pro Jahr steigen. 18 Terawattstunden davon können laut Landesregierung lokal erzeugt werden. Zur Deckung des Gesamtbedarfs strebt man in Düsseldorf weitere internationale Partnerschaften an.

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